Flüchtiger Star und schrumpfende Quoten

- Innsbruck - Günther Jauch, der im Normalfall eher rücksichtsvoll kommentierende TV-Star der Tournee, machte nicht viel Hehl aus seinem Missfallen. Als Sven Hannawald in Innsbruck wieder einmal nicht zur Qualifikation angetreten und der Skispringer nur im wegfahrenden Auto zu sehen war, fühlte er sich an frühere Hobbyfußball-Erlebnisse erinnert:

<P>Da habe es auch Mitspieler gegeben, die nach einer unglücklichen Aktion ihr Zeug gepackt hätten und vorzeitig heimgefahren seien. In solchen Fällen, so Jauch, habe man sich schon gefragt: "Spinnt der jetzt?" Co-Kommentator Dieter Thomas befand zumindest: "Flucht ist nicht immer das Beste. Sven zieht sich zu sehr ins Schneckenhaus zurück. Er setzt sich damit immer mehr unter Druck." Die Zuschauer am Bergisel reagierten noch eindeutiger: Sie pfiffen.<BR><BR>Jauch ärgert sich über Hannawald<BR><BR>Überraschenderweise hielt sich Hans Mahr, der Informationsdirektor des übertragenden Privatsenders RTL, mit seiner Kritik zurück. Er räumte vor dem Innsbrucker Springen zwar die generelle Formschwäche der deutschen Skisprungstars ein: "Hannawald und Schmitt springen schon noch - aber nicht wirklich." Umso mehr aber rühmte er die Nachwuchsarbeit des Deutschen Skiverbandes (DSV): "Zwei fallen aus, zwei andere sind sofort da - glücklicher DSV." Und auch ein glücklicher Hans Mahr: Wenn man bedenke, dass Hannawald und Schmitt bisher enttäuschten, "können wir mit den Einschaltquoten extrem zufrieden sein." Im Winter sei RTL damit weiter "unschlagbar".<BR><BR>Allerdings ist das wohl bestenfalls die halbe Wahrheit. Schon in Oberstdorf verzeichnete man stark rückläufige Zuschauerzahlen (im Finaldurchgang waren's im Schnitt nur 5,19 Millionen). Beim Neujahrsspringen, dem absoluten Klassiker der Tournee schrumpfte die durchschnittliche Quote gegenüber dem Vorjahr um rund 2,5 Millionen auf 7,96 Millionen. Hannawalds ersten Sprung wollten noch 9,25 Millionen sehen, danach schalteten sich 1,55 Millionen aus. Enorme Einbrüche also.<BR><BR>Mahr zeigt sich dennoch vom Basiswert von knapp 8 Millionen beeindruckt: "In der Champions League wären wir froh gewesen, wenn Leverkusen so viele Zuschauer gebracht hätte, nachdem die Bayern ausgeschieden waren." Peter Schröcksnadel, Präsident des Österreichischen Skiverbands (ÖSV), pflichtete ihm bei: "Als Becker und Graf aufhörten, war in Deutschland das Tennis kaputt, dem Skisprung wird das sicher nicht passieren." </P><P>Acht Millionen Zuschauer "mit Nicht-Helden" seien der beste Beweis dafür.<BR>Mahr merkte allerdings an, dass es ihm schon lieber wäre, wenn Hannawald durch das Reglement zur Teilnahme an der Qualifikation gezwungen wäre. In Österreich sind derlei Probleme übrigens unbekannt. ÖSV-Chef Schröcksnadel sagte: "Bei uns müssen alle mitspringen. Wenn da einer nicht will, dann wird er halt dringend dazu verpflichet." So einfach kann das sein.<BR></P>

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