Flugschüler aus Fernost

- Garmisch-Partenkirchen - Sie waren früher Artisten oder Eisschnellläufer, seit Silvester kennt sie die Skisprung-Welt als "China Air". Zwar verpassten Li Yang und Tian Zhandong als 65. und 67. von 69 Springern die Teilnahme am Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen, die mutigen Flugschüler waren als erste chinesische Tourneestarter trotzdem die Sensation am Fuß der Zugspitze. "Es war sehr aufregend", erklärte Li Yang.

<P>Die Geschichte der neuen Flugflotte aus Fernost begann vor genau zwei Jahren, als sich ein Mensch namens Hermann Oberlehner beim Neujahrsspringen fragte, warum eigentlich kein Chinese mitspringt. Der Chef eines Technologie-Unternehmens beließ es nicht bei der Frage, sondern handelte mit dem chinesischen Skiverband einen Zehn-Jahres-Vertrag aus.</P><P>"Der Verband lässt uns völlig freie Hand bei der Ausbildung der Springer", sagt Peter Auzinger von der verantwortlichen Agentur - und erklärt: "Das kurzfristige Ziel ist die Weltcup-Qualifikation, das mittelfristige ein chinesisches Skisprungteam bei Olympia 2006 - und das langfristige Ziel ist ein Weltspitzenspringer."</P><P>Bislang ist China in Sachen Skispringen noch ein Entwicklungsland. Der als Teamcoach verpflichtete ehemalige österreichische Cheftrainer Heinz Koch reiste im Vorjahr zu den chinesischen Meisterschaften auf einer der drei im ganzen Land vorhandenen Schanzen, wunderte sich über das Uralt-Material aus den 70er-Jahren und wählte aus den 25 Skispringern des Landes fünf aus. Die jungen Männer zogen von der Mandschurei nach Österreich um und wurden in der Skischule Stams untergebracht. Mit jeweils 500 Mattensprüngen - mehr als in ihrem ganzen Leben zuvor zusammen - brachten sie es innerhalb eines halben Jahres zur Weltcup-Reife. Das große China-TV berichtete begeistert.</P><P>"Der Salto vorwärts aus dem Stand war kein Problem für die Burschen, weil sie teilweise aus Artistenschulen stammen; mit dem Skispringen war es schon schwieriger", berichtet Auzinger. Doch die Schüler sind strebsam, schließlich hat ihnen ihr Verbandspräsident erklärt: "Ihr tragt die Last Chinas auf euren Schultern." Es ist eine nationale Mission, Li Yang hat dies verstanden. Er sagt: "Wir werden Erfahrungen sammeln, und dann werden wir auch weiter vorn mitspringen. Das erwartet China von uns."</P>

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

„Kann man in diese Welt Kinder setzen?“
Halfpipe-Ass André Höflich über Coronakrise, Klimawandel und sinnlose Vielfliegerei.
„Kann man in diese Welt Kinder setzen?“
Vanessa Hinz nach WM-Medaillen mit Saison zufrieden
Nach dem vorzeitigen Saisonende ist Biathletin Vanessa Hinz mittlerweile zurück in Schliersee und blickt auf den abgelaufenen Winter zurück.
Vanessa Hinz nach WM-Medaillen mit Saison zufrieden

Kommentare