Friesingers Coach unter Feuer

- Heerenveen - Eine Trainer-Kontroverse erschüttert die nach dem EM-Triumph von Anni Friesinger vermeintlich heile Welt des deutschen Eisschnelllaufs. Bis halb drei in der Nacht wurden in Heerenveen Gold und Geburtstag des deutschen Kufen-Stars gefeiert, ehe sich am Montag früh Katerstimmung breit machte. Chef-Bundestrainer Helmut Kraus warf Friesingers Coach Markus Eicher vor, sich zu sehr um seine Vorzeige-Athletin zu kümmern und den Aufgaben als Mehrkampf-Bundestrainer nicht hundertprozentig gerecht zu werden.

<P>Wegen des Trips nach Japan, wo Anni Friesinger am Wochenende erstmals an einer Sprint-WM teilnimmt, muss sich Eicher im Trainingslager der Mehrkämpfer in Italien fünf Tage vertreten lassen. "Ich habe das mit meinem Grefrather Kollegen Jan Coopman abgesprochen. Im Sommer habe ich auch seine Athleten mitbetreut", sagte Eicher, dessen Anwesenheit in Fernost der Chefcoach nicht für nötig befindet. </P><P>"Es wäre mehr im Sinne des Verbandes gewesen, wenn er dageblieben wäre", so Kraus, "wir können uns nicht nur auf unsere Weltklasseathleten konzentrieren, sondern müssen die besten Voraussetzungen da schaffen, wo wir Sorgen haben. Was ist denn in zehn Jahren?"<BR><BR>Deshalb sei es wichtiger, dass Sprint-Bundestrainer Thomas Schubert in Nagano zum Betreuer-Team zähle. Schubert ist in Berlin Bezugs-Trainer der verletzten Titelverteidigerin Monique Garbrecht-Enfeldt sowie persönlicher Coach der beiden übrigen Starterinnen Jenny Wolf und Pamela Zöllner, die zu den Hoffnungsträgern zählen. "Aus unserer Sicht wäre die WM-Betreuung auch ohne Markus optimal", meint Kraus, "Anni kennt alle Begleiter und kommt mit ihnen bestens klar."<BR><BR>Groß ist Eichers Empörung darüber, dass er auf eigene Kosten nach Japan reisen muss und nur im Falle eines Medaillengewinns seiner Vorzeigeathletin eine Erstattung erwarten darf. "Das ist doch ein Witz", polterte Anni Friesingers Manager Klaus Kärcher. "Es ist ein Beschluss des Leistungsausschusses und daran wird sich auch nichts ändern", erklärte dagegen DESG-Sportdirektor Günter Schumacher, "ich sehe das Ganze als Seifenoper. Eicher saß in dem Gremium, das die Regelung mit 8:0 Stimmen abgesegnet hat."<BR><BR>Viel schwerwiegender als der Streit um ein- bis zweitausend Euro ist jedoch das Zerwürfnis über die Betreuung der im Leistungsloch steckenden deutschen Männer. "Die Situation ist unverändert Besorgnis erregend", analysierte Kraus trotz der mit Rang neun bislang besten EM-Platzierung von Anni Friesingers Bruder Jan: "Er macht auf den langen Strecken nicht die nötigen Fortschritte."<BR><BR>Markus Eicher wehrt sich gegen den Vorwurf, er kümmere sich nicht genug um die anderen Athleten. "Das stimmt nicht. Bei den Männern in die absolute Spitze vorzustoßen, ist angesichts der Leistungsdichte schwieriger als bei den Frauen. Das geht nicht von heute auf morgen", meinte der Inzeller: "Zudem haben wir zurzeit keine riesigen Talente."<BR></P>

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