9. bis 25. Februar

"Geschenk zum neuen Jahr": Nordkorea will bei Olympia starten

Nordkorea will an den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang im Februar teilnehmen und nimmt damit den Organisatoren eine große Last.

Panmunjom - Es ist ein Sieg für die olympische Bewegung - Sportler, Fans und Funktionäre können aufatmen: Nordkorea wird eine Delegation zu den Winterspielen in Pyeongchang (9. bis 25. Februar) entsenden und hat sich klar zu einem Olympia-Start im verfeindeten Süden bekannt. Beide Länder äußerten bei einem Treffen in Panmunjom in der entmilitarisierten Zone die Hoffnung auf ein friedliches Event und vereinbarten die Aufnahme von Militärgesprächen.

"Lassen Sie uns den Leuten ein wertvolles Geschenk zum neuen Jahr machen", sagte Ri Son Gwon, Chef der nordkoreanischen Abordnung. Südkoreas Vereinigungsminister Cho Myung Gyon meinte: "Die Leute haben ein starkes Bedürfnis, dass sich der Norden und Süden Richtung Frieden und Aussöhnung bewegen."

Nordkorea will eine hochkarätige und bunte Delegation zu den Wettkämpfen ins nur 80 Kilometer von der entmilitarisierten Zone entfernte Pyeongchang schicken. Die Gruppe soll aus "Athleten, Vertretern des Nationalen Olympischen Komitees, Künstlern, einer Fangruppe, Beobachtern, einem Taekwondo-Demonstrationsteam und Journalisten bestehen", hieß es.

Es wurde auch über das Erscheinen von Kim Yo Jong spekuliert

In südkoreanischen Medien wurde auch darüber spekuliert, ob Kim Yo Jong nach Pyeongchang kommt. Die jüngere Schwester von Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un ist Propaganda-Chefin ihres Landes. Beide Länder sollen zudem vor der Einigung stehen, dass Vertreter beider Staaten bei der Eröffnungs- und Abschlussfeier gemeinsam auftreten - wie 2000 in Sydney, 2004 in Athen und bei den Winterspielen 2006 in Turin.

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) begrüßte den Vorstoß beider Länder. "Diese Vorschläge bedeuten im Sinne des Olympischen Geistes einen großen Schritt vorwärts", sagte IOC-Präsident Thomas Bach. Das IOC werde Vorschläge des Nationalen Olympischen Komitees Nordkoreas bezüglich möglicher Teilnehmer prüfen. Auch werde über die Auswahl von Hymne und Flagge diskutiert.

Bislang haben sich sportlich aus dem Norden nur die Paarläufer Ryom Tae Ok und Kim Ju Sik qualifiziert. Nordkorea hatte zuletzt allerdings die Meldefrist des Eiskunstlauf-Weltverbandes ISU verstreichen lassen. Das IOC kündigte am Montag daraufhin an, dass es sich "so flexibel wie möglich" verhalten werde.

Es wird nun damit gerechnet, dass der Norden eine Liste mit weiteren Sportlern vorschlägt, die nicht für Pyeongchang qualifiziert sind, dank eines Sonderstartrechtes aber mitwirken könnten. Dabei muss es sich um Athleten handeln, die über ein gewisses Leistungsniveau verfügen und sich auf einer Skischanze oder einer Rodelbahn keiner zu großen Gefahr aussetzen.

Händedruck demonstrierte Annäherung

Nach Bekanntwerden der Größe der nordkoreanischen Delegation wird eine Unterkunft ausgesucht, die offenbar vom Süden finanziert werden soll. Gouverneur Choi Moon-Soon aus der Provinz Gangwon, Schauplatz der ersten Winterspiele Koreas, hatte vorgeschlagen, die Mannschaft aus dem Norden auf einem Kreuzfahrtschiff im Hafen von Sokcho unweit der Olympiaorte Gangneung und Pyeongchang unterzubringen.

Mit einem kräftigen Händedruck hatten beide Delegationsleiter zu Beginn des ersten Treffens hochrangiger Vertreter beider Länder seit 2015 den Wunsch nach einer Annäherung demonstriert. Südkorea sprach auch das für das Land wichtige Zusammenführen von Familien an, die durch den Koreakrieg getrennt worden waren. Die Familientreffen sollen während der Olympischen Spiele stattfinden.

Bis vor kurzem hatte Nordkorea noch mit Waffen- und Raketentests für große politische Spannungen in der Region gesorgt und damit gegen Resolutionen der Vereinten Nationen verstoßen. Zudem lieferte sich Diktator Kim einen verbalen Schlagabtausch mit US-Präsident Donald Trump, der wiederum Nordkorea mit der völligen Zerstörung drohte.

In seiner Neujahrsansprache kündigte Machthaber Kim dann überraschend an, eine Delegation zu den Spielen im Süden zu entsenden. Weil der Koreakrieg 1953 mit einem Waffenstillstand und nicht mit einem Friedensvertrag endete, befinden sich beide Staaten formal noch im Kriegszustand.

SID

Rubriklistenbild: © picture alliance / Lee Jin-Man/A

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