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Hannes Reichelt rast die Streif herunter

Keppler verabschiedet sich

Reichelt gewinnt Streif und erlöst Österreich

Kitzbühel - Hannes Reichelt hat die legendäre Abfahrt in Kitzbühel gewonnen. Damit beendete der Österreicher zwei lange Durststrecken seines Landes.

Es lag ein nervöses Schweigen über dem „heiligen Berg“ der Österreicher, als die ganze Ski-Nation hinauf zum Starthaus blickte. Dort oben stand Hannes Reichelt, ein talentierter, aber in die Jahre gekommener Ski-Rennläufer, der erst einmal in seinem Leben eine Abfahrt gewonnen hatte - und dieser Hannes Reichelt musste es jetzt richten.

Aksel Lund Svindal, der Weltmeister aus Norwegen, führte bei der Weltcup-Abfahrt von Kitzbühel, Reichelt war der letzte aussichtsreiche Österreicher - und er war schnell. Aus dem Schweigen wurde bald ein Grummeln, das sich schnell zu Euphorie auswuchs. Und dann, als Reichelt die Ziellinie überquerte, die Explosion: Erster! Sieger!

„Unglaublich, einfach nur geil. Es gibt für einen Österreicher nichts Schöneres“, sagte der 33-Jährige wenige Minuten nach seinem Husarenritt über die berühmt-berüchtigte „Streif“, mit dem er zwei Wochen vor den Olympischen Winterspielen in Sotschi (7. bis 23. Februar) eine ganze Ski-Nation erlöste. Lund Svindal blieb Rang zwei, Bode Miller (USA) wurde Dritter. Stephan Keppler aus Ebingen überraschte bei der letzten Weltcup-Abfahrt seiner Karriere als 15., Josef Ferstl (Hammer) belegte Platz 40.

Acht quälend lange Jahre hatte Österreich nach dem Triumph von Michael Walchhofer im Januar 2006 auf einen Sieg beim wichtigsten Weltcup-Rennen des Jahres warten müssen. Reichelt, in diesem Winter schon drei Mal Zweiter bei einer Weltcup-Abfahrt, fuhr nach eigener Aussage „wie ein Berserker“ - und schenkte seinen Landsleuten endlich diesen, seinen Triumph sowie die Hoffnung auf ein goldenes Olympia im wichtigsten Wettbewerb.

Die „Streif“, dieses Pisten-Monster, hatte auch ihn durchgerüttelt wie ein wildes Pferd den Rodeoreiter. Von einer „Tussie-Route“, wie die Einheimischen die wegen Schneemangels im unteren Teil leicht veränderte und wie 1972 und 1998 um das Kriterium Hausbergkante amputierte Streckenführung nennen, konnte keine Rede sein. „Ein bisschen einfacher“, sei die „Streif“ dadurch geworden, meinte Reichelt, „aber auch schwieriger zu gewinnen“. Die Kurve hinein in den Ganslernhang, über den die Hausbergkante umfahren wurde, erwies sich als eine der Schlüsselstellen.

Die Top-Favoriten aber verloren das Rennen anderswo. Svindal wurde eine zu brave Lininienwahl im Steilhang zum Verhängnis. Seinen ersten Abfahrtssieg auf der „Streif“ verpasste er um 0,21 Sekunden. „Platz zwei hier“, meinte er, „ist nicht so schlecht. Ich bin nicht so enttäuscht wie Bode.“

Miller hatte beim einzigen Training eine Zeit vorgelegt, die im Rennen niemand unterbot. Als es darauf ankam, griff der Amerikaner aber ein paar Mal zu oft in den Schnee, dazu unterlief ihm auf der Seidlalm ein „dummer Fehler“, wie er schimpfte. „Das ist so frustrierend, ich ärgere mich so“, sagte Miller, der die Abfahrt in „Kitz“ noch nie gewonnen hat. „Das ist eines der härtesten Ergebnisse meiner Karriere.“ Ehefrau Morgan versuchte vergeblich, ihn zu trösten.

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Ganz anders war die Gefühlslage bei Reichelt, zu dessen Gratulanten Österreichs Bundespräsident Hans Fischer, Kanzler Werner Faymann und „Terminator“ Arnold Schwarzenegger gehörten. Reichelt wurde in den vergangenen Monaten immer wieder von Rückenproblemen gebremst, auch auf der „Sreif“ zwickte es. Dass er dennoch gewann, empfand er als „Geschenk. Es ist traumhaft, als Österreicher hier runterzukommen und vorne zu sein.“

Dankbarkeit empfand auch Keppler. Auf seinen schwarzen Rennhelm hatte er das Wort „Danke“ geklebt. Auch die Trainer durften sich angesprochen fühlen, sagte er, „obwohl es zuletzt ein bisschen Ärger gegeben hat“. Der 30-Jährige war aus der Förderung geflogen, nun beendet er seine Laufbahn. Warum er ausgerechnet in seiner letzten Abfahrt sein bestes Weltcup-Ergebnis seit über einem Jahr ablieferte? „Vielleicht, weil der Druck komplett weg war“, meinte Keppler.

SID

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