+
Der Hang liegt ihm schon einmal: Bastian Meisen hat sich in Sölden für den Weltcup-Auftakt qualifiziert – und will an selbem Ort nun beweisen, dass er mithalten kann.

Sonntag Riesenslalom in Sölden

Hauptsache Vollgas: Bastian Meisen vor Weltcupdebüt

  • schließen

Es ist der größte Erfolg in seiner bisherigen Karriere: Bastian Meisen vom SC Garmisch hat sich für den Ski-Weltcup in Sölden qualifiziert. Am Sonntag startet er im Riesenslalom.

Garmisch-Partenkirchen – Als Zuschauer kennt Bastian Meisen Sölden bereits. 2016 war er dort beim Weltcup-Auftakt. Ein Supertag für die Werdenfelser Skifahrer: Felix Neureuther stand als Dritter auf dem Podium, Benedikt Staubitzer fuhr nicht nur in den zweiten Durchgang, er wurde sensationeller Zwölfter. Meisen verfolgte das Geschehen vom Ziel aus. Das war vor drei Jahren. 2019 ist alles anders. Die Rolle des 23-Jährigen ändert sich dramatisch: Der Garmisch-Partenkirchner bangt nicht mit seinen Trainingskollegen vom heimischen Stützpunkt, diesmal ist er es, der sich die Startnummer überzieht und am Sonntag sein Weltcup-Debüt feiert.

„Pure Vorfreude“ verspürt Meisen derzeit. Logisch. Das ist ein Riesenschritt in seiner bisherigen Sportkarriere. Der erste Auftritt auf der ganz großen Bühne. Der Zeitpunkt könnte sich als ideal erweisen. Der Ski-Zirkus dürfte sich in den kommenden Wochen und Monaten speziell in den technischen Disziplinen erst einmal neu sammeln und aufstellen. Marcel Hirscher und Felix Neureuther sind weg. Da klafft eine Lücke im weltweiten Skisport – und ganz besonders im deutschen Technikerteam. Das ist die Chance für einen Youngster, der noch auf seinen endgültigen Durchbruch wartet.

Bestzeit im zweiten Quali-Durchgang

Meisen hat diese Gelegenheit nicht geschenkt bekommen. Keineswegs. Harte Arbeit steckt dahinter, Geduld und Fleiß hat er bewiesen. Speziell die Meisen-Brüder Bastian und Adrian vom Skiclub Garmisch waren in der jüngeren Vergangenheit nicht von gesundheitlichen Rückschlägen verschont geblieben. Nun setzte sich der ältere Bruder in der Qualifikation um den letzten freien Startplatz souverän durch. Eben in Sölden. Auf dem Weltcuphang. Er distanzierte den Allgäuer Julian Rauchfuß sowie seine beiden Werdenfelser Kollegen Fred Norys und Staubitzer. Locker ging’s nicht von der Hand. Im Gegenteil. „Ich bin im ersten Lauf gleich rausgeflogen“, blickt er zurück. Gut, dass der Modus drei Durchgänge vorsah, von denen die zwei besten Zeiten zählten. Meisen bewies ein stabiles Nervenkostüm, reagierte wie ein Champion auf den Ausritt. Im zweiten Versuch knallte er eine Bestzeit auf den Hang, die als Grundlage für seine Qualifikation diente. Sieben Zehntelsekunden lag er am Ende vor Staubitzer, der somit erst einmal auf den ersten Weltcup-Auftritt als Kaderloser warten muss.

Meisen hatte schon vor der Quali ein gutes Gefühl gehabt. „Es lief in der Vorbereitung sehr positiv, im Training war ich immer bei den Leuten, das Material stimmt momentan“, sagt der 1,98-Meter-Hüne. Ein Problem des deutschen Skisports kommt der zweiten Garde in dieser Saison eher zupass: Das Weltcup-Team ist im Riesenslalom derart ausgedünnt, dass die Europacup-Riege um Trainer Albert Doppelhofer oftmals mit den verbliebenen Stefan Luitz und Alexander Schmidt unterwegs war. „Super für uns“, bestätigt Meisen, der wie sein Vereinskamerad Fritz Dopfer dieser zweiten Mannschaft angehört. Gemeinsam verbrachten die Teams beispielsweise auch das Sommer-Trainingslager in Argentinien. Dort gab es für Meisen auch erste Renneinsätze: Er gewann einen FIS-Riesenslalom, wurde einmal Zweiter.

FIS-Reform ein Nachteil für Bastian Meisen

Ergebnisse, die ihm in dieser Saison nicht mehr groß weiterhelfen. Der Ski-Weltverband hat die Punktewertung im alpinen Rennsport reformiert, Welt- und Europacup deutlich aufgewertet gegenüber den FIS-Rennen. In dieser dritten Liga kann sich Meisen punktetechnisch im Riesenslalom nicht mehr verbessern. Auch die internationalen Ranglisten wurden auf dieser Basis neu berechnet. Für Meisen ein Nachteil. Denn er hatte in den höheren Rennserien zu wenig Top-Resultate eingefahren. Diese zählen nun aber deutlich mehr. Unterm Strich bedeutete die Umstellung für ihn einen Rutsch in der FIS-Liste im Riesenslalom von einer Position knapp über 40 auf Platz 94. Mit dieser Neuerung geht auch ein Wechsel in der Fokussierung einher. „Im Grunde zählt nur noch der Europacup“, sagt Meisen deutlich. „Die FIS-Rennen rentieren sich nicht mehr.“ Zehn Riesenslaloms – ähnlich dem Weltcup – stehen von Anfang Dezember bis Mitte März auf dem Programm. Die ersten Drei dieser Serie sichern sich wie bisher ein persönliches Startrecht für die Saison darauf im Weltcup. Eine Mega-Herausforderung bei all der starken Konkurrenz in Europa.

Die zweite Chance rein ins Elitegeschäft ist der Weltcup direkt. Eben weil das deutsche Team derart ausgedünnt ist, nur Luitz, Schmid und Dopfer einen fixen Startplatz haben, bietet sich immer wieder die Gelegenheit, reinzuschnuppern – und eine Duftmarke zu setzen. „Ich will auf jeden Fall zeigen, was geht“, sagt Meisen mit Blick auf Sölden. „Es gibt nur Vollgas.“ Eine Startnummer im Bereich 60 oder 70 erwartet der Werdenfelser. Kein Zuckerschlecken. Dennoch: Das Ziel ist der zweite Durchgang. Damit könnte er vielleicht die Verantwortlichen von einem weiteren Weltcup-Engagement überzeugen. „Und das musst du, sonst nehmen sie dich nicht nach Nordamerika mit, allein schon aufgrund der Kosten“, vermutet Meisen. Schließlich würde es Anfang Dezember für die Riesenslalomfahrer in Beaver Creek weitergehen. Klappt es nicht, geht’s nach Skandinavien. Da geht fast zeitgleich der Start in den Europacup im norwegischen Trysil über die Bühne. Wäre für Meisen auch kein Beinbruch – sondern der geplante Weg. „Dann habe ich zumindest den ganzen Trubel mal miterlebt, und vielleicht geht der Europacup von der Anspannung her dann schon leichter.“

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Biathlon in Ruhpolding: Fourcade und Eckhoff unschlagbar, Deutsche verpassen Podest
Der Weltcup im Biathlon von Ruhpolding wurde am Sonntag mit den Verfolgern der Damen und Männer beendet. Martin Fourcade und Tiril Eckhoff siegten.
Biathlon in Ruhpolding: Fourcade und Eckhoff unschlagbar, Deutsche verpassen Podest
Skispringen: Kubacki gewinnt erneut - Geiger weiter in Gelb!
Der Weltcup im Skispringen wurde am Sonntag mit dem zweiten Einzelspringen in Titisee-Neustadt fortgesetzt. Erneut holte sich der Pole Dawid Kubacki den Tagessieg.
Skispringen: Kubacki gewinnt erneut - Geiger weiter in Gelb!
Skispringen: Die Gesamtwertung der Herren im Weltcup 2019/20
Der Weltcup 2019/20 im Skispringen der Herren setzt sich aus mehreren Wettbewerben zusammen. Hier gibt es die Gesamtwertung im Überblick.
Skispringen: Die Gesamtwertung der Herren im Weltcup 2019/20
Wieder Double für Friedrich - Erster Sieg für Jamanka
Fünf Wochen vor der Heim-WM dominiert Doppel-Olympiasieger Francesco Friedrich den Bob-Weltcup. Zugleich kritisiert er die Konkurrenz. In Innsbruck-Igls gewann er sein …
Wieder Double für Friedrich - Erster Sieg für Jamanka

Kommentare