Sachenbacher kann auch kreative Sachen backen: Evi und ihr preisgekröntes Zuckergebäck beim Promibacken.

„Berge und Schnee – wie daheim“

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Evi Sachenbacher-Stehle über ihr neues Leben im Allgäu, Mama-Glück und Doping-Schatten.

Pralinen statt Energydrinks, Sat.1 statt Eurosport, Allgäu statt Reit im Winkl. Im Leben von Evi Sachenbacher, 38, hat sich fast alles geändert, seit sie vor fünf Jahren ihren letzten offiziellen Wettkampf als Wintersportlerin bestritt. Nach Olympia 2014 in Sotschi und dem Wirbel um eine positive Dopingprobe war Schluss für die Langläuferin, die im Herbst ihrer Karriere unter die Biathleten gegangen war. Sie zog sich zurück, studierte Ernährungswissenschaften, wurde zweifache Mutter – und kümmert sich jetzt in Balderschwang um die Skischule ihres Mannes Johannes Stehle. Wenn sie nicht gerade im Privatfernsehen auftritt wie kürzlich, als sie beim Promibacken den ersten Platz abräumte. Wir trafen die Oberbayerin bei Fischen im Allgäu, ihrer neuen Heimat – zu einem Interview während einer Schnupperstunde auf Skatingskiern.

Frau Sachenbacher-Stehle, ein Fan hat Sie gerade auf Ihr Lachen angesprochen, das er noch von früher kannte. Sind Sie denn auch so zufrieden mit Ihrem neuen Leben, wie es den Anschein hat?

Auf jeden Fall. Es ist total schön. Ich habe hier Berge und Schnee – wie daheim. Und es war eh immer mein Traum, Kinder zu haben. Am Anfang der Karriere hab ich gesagt: Also, bis 30 ist Schluss mit dem Sport. Dann ist die Zeit aber so schnell vergangen . . . Jetzt habe ich, was ich eigentlich immer haben wollte – ein schönes Familienleben. Ich genieße es. Irgendwann ist es auch mal gut mit dem Sport, man will ja nicht ewig aus dem Koffer leben.

Was bleibt hängen von eineinhalb Jahrzehnten Leistungssport?

Interview auf Skatingskiern: Evi Sachenbacher-Stehle mit Sportredakteur Uli Kellner.

Auf jeden Fall der Ehrgeiz – und die Zielstrebigkeit. Ich brauche auch jetzt meine Herausforderungen. Was für Ziele habe ich? Was möchte ich als nächstes machen? Das ist ganz wichtig für mich. Ich war schon immer so ein positiver Mensch – und das ist auch nach wie vor so.

Ist das Kapitel Leistungssport für Sie ein für alle Mal beendet?

Komplett beendet ist das nie. Einmal Sportler, immer Sportler. Ich mache ja auch weiterhin sehr gerne Sport. Auch im normalen Leben ist das ganz wichtig.

Haben die Trophäen von früher einen Ehrenplatz?

Das meiste ist irgendwo verräumt. Aber oben in der Ferienwohnung haben wir extra so ein Fenster gemacht, wo wir die WM-Medaillen reinhängen wollen. Das kommt jetzt dann irgendwann.

Gibt es auch noch Kontakt zu alten Weggefährten?

Zu einigen hab ich noch Kontakt – zum Beispiel zu Katrin Zeller (40, Ex-Langläuferin). Die kommt ja hier aus Oberstdorf. Mit ihr treffe ich mich manchmal, dann gehen wir mit den Kindern zum Spielplatz oder so. Natürlich hab ich mit den Allgäuern mehr Kontakt. Claudia Nystad (41) zum Beispiel, die treffe ich auch immer mal, wenn’s irgendwie passt. Die meisten sind aber so weit weg, da findet das meist über WhatsApp statt – oder man telefoniert mal. Man hat so viel Zeit im Leben miteinander verbracht, man hat Freud und Leid geteilt, war zusammen im Zimmer – deswegen ist da auch immer noch eine Verbindung da.

Apropos Freud und Leid. Was waren denn im Rückblick Ihre persönlichen Karriere-Highlights?

Natürlich die beiden Olympia-Goldmedaillen. Ich denke, das ist das Ziel von jedem, mal bei Olympia dabei zu sein – und wenn man dann auch noch Medaillen mitnehmen kann, dann ist das für jeden Sportler das Höchste.

Stichwort Leid – da fällt einem natürlich Sotschi ein, die positive Dopingprobe, die das Ende Ihrer Karriere markierte. Wie bewerten Sie das im Rückblick?

Es war eine wahnsinnig schwere Zeit, aber ich denke, ich hab’s ganz gut verarbeitet. Gott sei Dank hatte ich meine Familie – und auch Freunde, die für mich da waren, die mich wirklich gestützt haben. Ich sage immer: Alles im Leben passiert aus einem bestimmten Grund. Und vielleicht hätte ich sonst meine zwei tollen Mädels (Mina 3, Greta 1) nicht. Ich versuche immer, das Positive rauszuziehen, und mei: Das gehört halt jetzt zu meinem Leben dazu. Damit muss ich leben – und das geht auch.

Waren Sie aus Ihrer Sicht Opfer? Oder Täter?

Mein Gott, der Test war positiv – deswegen war ich in diesem Fall Täter, ganz klar. Es war jetzt nicht das klassische Doping – wie bei den ganzen anderen Sportlern, die gerade in den Schlagzeilen sind. Es war halt einfach so ein blöder Tee, den ich erwischt hatte. Darf natürlich nicht passieren, kann aber jeden Sportler treffen. Gegen so etwas ist man nie gefeit.

Ist es Zufall, dass Sie danach Ernährungswissenschaften studiert haben?

Noch heute gut befreundet: Evi Sachenbacher-Stehle mit Claudia Nystad, ihrer Partnerin beim mit Olympia-Gold gekrönten Teamsprint von Vancouver 2010. 

So was kann auch einem Ernährungsberater passieren. Ich hab mich schon in meinen letzten Jahren im Leistungssport sehr viel mit dem Thema befasst – und sehr auf meine Ernährung geachtet. Gerade auch auf pflanzliche Sachen. Dass man nicht irgendwelche Pillen einschmeißen muss – oder sonstige Chemie. Aber ein Sportler verbraucht halt mehr, hat einfach einen größeren Energiebedarf. Man ist in Hotels, hat nicht das allerbeste Essen und muss schauen, dass man seinen Körper optimal versorgt. Ich hab immer versucht, das auf natürliche Art und Weise zu machen – und das ist mir letzten Endes zum Verhängnis geworden.

Was geht in Ihnen vor, wenn Sie an den Dopingbetrug denken, der während der Nordischen WM in Seefeld aufgeflogen ist? Ist die Szene durch und durch verseucht?

Ich find’s brutal, was gerade passiert. Der Leistungssport wird so dargestellt, als ob alle dopen würden – aber das ist absolut nicht der Fall. Die Aussage vom Johannes Dürr ist ja: Wenn du vorne mitlaufen willst, kannst du gar nicht auf Doping verzichten. Meine Aussage dazu ist ganz klar: Es geht sehr wohl ohne Doping. Ich weiß nicht, in welchen Kreisen die sich befinden. Ich war ewige Jahre im Leistungssport und hab nie was in diese Richtung mitgekriegt. Es ist auch nie jemand auf mich zugekommen und hat versucht, in die Richtung was anzufangen. Es ist ein Wahnsinn, wie der Leistungssport gerade hingestellt wird – das macht mich zornig. Ich werde verurteilt wegen eines verunreinigten Tees, aber was die machen, ist kriminell. Das ist wirklich schade für den Sport.

Sie sind also nie mit dem klassischen Doping in Berührung gekommen?

Nein. Daher finde ich das so erschreckend, was da gerade aufgedeckt wird. Das ist alles unvorstellbar für mich. Aber: Vielleicht hilft das jetzt, den Sport sauberer zu machen. Gerade, weil auch die Staatsanwaltschaft mit drin ist.

Mit der haben Sie auch 2014 Ihre Erfahrung gemacht . . .

Ja. Daher weiß ich auch genau, was auf die zukommt, die gerade aufgeflogen sind. Bei mir war auch die Staatsanwaltschaft zu Hause, da war ich ja noch in Sotschi – und die haben wirklich unser komplettes Haus ausgeräumt. Die haben alles mitgenommen: Handys, Computer. Da wird dann jeder einzelne Anruf ausgewertet. Ich bin sieben Stunden verhört worden – brutal ist das. Ich hab nur noch geheult und gedacht: Was um Himmels Willen soll ich Euch erzählen? Wenn du da drin hockst – du kannst da nichts anders als die Wahrheit sagen.

Fühlen Sie sich im Nachhinein rehabilitiert?

Ich bin froh, dass die Staatsanwaltschaft genau nachweisen konnte, wo das bei mir herkam. Die haben sogar noch mal den Tee bei dieser Firma bestellt, haben auch von anderen Kunden die Tees geholt und durchgetestet. Das Zeug war zu einem gewissen Prozentsatz in den Proben drin – Gott sei Dank. Denn wäre das nicht der Fall gewesen, wäre für immer ein Fragezeichen geblieben – und ein blödes Gefühl.

Und was ist mit dem Fragezeichen, das über Ihrer Teilnahme an den Spielen in Turin 2006 schwebt? Über der Schutzsperre wegen eines erhöhten Hämoglobinwerts?

Gut, der ist ja bei mir von Haus aus erhöht. Das war immer so – und ist auch nach wie vor so. Turin liegt auf einer gewissen Höhe – da musst du dich natürlich vorher in einer Höhenlage vorbereiten. Andernfalls hast du gar keine Chance. Mir war bewusst, dass das für mich kritisch sein kann, aber ich musste ja trotzdem vorher in der Höhe trainieren.

Sie konnten also stets mit einem guten Gewissen in den Spiegel schauen?

Auf jeden Fall, ja. Ich würde alles wieder so machen. Okay, vielleicht sollte ich öfter Kaffee trinken, aber ich mag halt lieber Tee(lacht).

Was würden Sie Ihren Töchtern raten, wenn sie auf die Idee kämen, eines Tages selber in den Leistungssport zu gehen?

Langlauf und Biathlon wäre mir natürlich lieber als Alpin – weil das im Vergleich dazu der gesündere Sport ist, mit geringerem Verletzungsrisiko. Die sollen aber machen, worauf sie Lust haben – und wenn sie Leistungssport machen wollen, dann ist das völlig in Ordnung.

Kurz müssen wir auch noch auf Ihre Karriere als Promibäckerin zu sprechen kommen – und auf TV-Formate wie „Echte Helden“, an denen Sie teilgenommen habe. Fehlt Ihnen das Rampenlicht oder warum zieht es Sie regelmäßig ins Fernsehen?

Mei, es kommen halt hin und wieder Anfragen rein – und ich hab ja Spaß an solchen Geschichten. Dschungelcamp käme für mich jetzt nie infrage – da gibt es klare Grenzen. Aber ich backe ja auch privat unheimlich gern. Und zwischendurch mal aus dem Alltag zu kommen, so gerne ich Mama bin – das ist dann auch mal ganz schön.

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