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In Lake Louise fällt für Simon Jocher der Startschuss in den Olympia-Winter

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Der Schongauer Simon Jocher  beim Speed-Training am 26.10.2021 auf dem Rettenbachferner, Sölden, AUT
Mit Vollgas in die neue Saison: Simon Jocher – hier beim Training in Sölden – hat für seinen zweiten Winter im Weltcup-Team große Ziele. © Imago Images

Fernab der Heimat in Übersee startet Simon Jocher in den Weltcup. Für den Schongauer ist es eine wichtige Saison, die in Peking ihren Höhepunkt finden soll.

Schongau – Es wird ernst: Am Montag ging es richtig los für Simon Jocher (SC Garmisch). In Lake Louise (Kanada) startet mit dem ersten Trainingslauf zum Weltcupauftakt in den Speed-Disziplinen die Olympia-Saison 2021/22. Freitag bis Sonntag stehen dann zwei Abfahrten und ein Super-G auf dem Programm. Obwohl die Olympia-Qualifikation natürlich vom ersten Rennen an im Hinterkopf ist, versucht der 26-jährige Schongauer. die Gedanken daran so gut wie möglich auszublenden.

Ski alpin: Jocher mit dem Speed-Team zwei Wochen zur Vorbereitung in Copper Mountain

Die vergangenen zwei Wochen haben Jocher und das Weltcup-Speed-Team in Copper Mountain (Colorado) verbracht. „Die Trainingsbedingungen waren top, auch wenn es heuer weit weniger winterlich war als sonst“, erzählt Jocher. Manche Trainingstage haben sich fast nach Frühlingsskilauf angefühlt. Trotzdem waren die zwei Riesentorlauftrainings und die vielen Speedeinheiten von höchster Qualität und der gebürtige Schongauer fühlt sich gut vorbereitet. „Ich bin fit und habe ein gutes Gefühl auf den Skiern“, sagt er. Im Training sei derzeit immer noch der Super-G seine stärkere Disziplin, aber auch in der Abfahrt komme er immer besser in Schwung. Der anstehende Winter ist Jochers zweite Saison unter den Weltcup-Speedprofis. Die beiden Nordamerika-Rennen in Lake Louise und Beaver Creek (Colorado), die 2020/21 nicht im Programm waren, und der Klassiker in Wengen (Schweiz) sind drei Strecken, die dem 25-Jährigen noch in seinem Repertoire fehlen – so ist er auch heute wieder der Newcomer.

Simon Jocher vom SC Garmisch
Simon Jocher war mit dem Training in Copper Mountain zufrieden. © Peter Kornatz

Ski alpin: In Lake Louise startete Jocher schon 2017 bei einem Rennen um den North America Cup

Dennoch hat er den Kükenstatus im Team verloren. „Man merkt einen Unterschied zum vergangenen Jahr“, meint Jocher, der spätestens mit Rang 16 im Super-G und Rang fünf in der Kombination bei den Weltmeisterschaften in Cortina (Italien) die Position des Hilfe benötigenden Neulings verloren hat. Es sei wirklich so, dass ihm die Arrivierten weniger Hilfestellung und Tipps geben. „Schließlich bin ich ja auch nicht mehr grün hinter den Ohren, sondern habe jetzt einen roten Faden“, meint er lachend. Dennoch ist Fragen natürlich nach wie vor erlaubt. Die Piste von Lake Louise ist nicht komplett neu für Jocher. „Ich war 2017 schon einmal zu einem Nor-Am-Rennen dort.“ (Der North America Cup ist eine Rennserie in den USA und Kanada ähnlich den hiesigen Europacup-Rennen; Anm. d. Red.). Damals konnte der Sportsoldat die Strecke kennenlernen und weiß, dass sie von der Topografie her nicht unbedingt das ist, was ihm gefällt. „Sie ist ganz anders als Bormio oder Garmisch-Partenkirchen; sehr flach, sehr schnell und erfordert enorm viel Feingefühl.“ Jochers Einschätzung nach müsste ihm Beaver Creek, wo von 30. November bis 5. Dezember zwei Super-Gs und eine Abfahrt stattfinden, mit seinem knackigen Steilhang, besser liegen. „Aber da war ich noch nie. Wer weiß, wie es dann ist, wenn ich tatsächlich im Steilhang stehe.“

Ski alpin: In Lake Louise stürzte 2017 Nachwuchsfahrer Max Burkhart schwer und verstarb später

An Lake Louise beschäftigt Jocher nicht nur die Art der Strecke. Bei dem Nor-Am-Rennen damals im Dezember 2017 kam der deutsche Nachwuchsfahrer Max Burkhart (SCP) schwer zu Sturz und verstarb später an seinen Verletzungen. „Wir waren zwar nie in einem Team, weil Max vier Jahre jünger ist als ich, aber ich kannte ihn vom Training in der Kraftkammer und es hat uns alle sehr getroffen. Ich muss jetzt noch an ihn denken“, gesteht Jocher. Er sei zwar Profi genug, um die Geschehnisse von damals und seine Läufe heute zu trennen, dennoch sei die Erinnerung präsent. Das Ausblenden schwerer Stürze oder schlimmer Erfahrungen gehört für die Speedathleten immer wieder zu ihrem Alltag. Sich stets auf sich selbst, den eigenen Körper und die eigene Skitechnik fokussieren zu können, ist daher eine ihrer wichtigsten Fähigkeiten.

Ski alpin: Jochers großer Traum ist der Start bei Olympia 2022 in Peking

Diese hilft auch, wenn es um die großen Ziele und Träume geht. Ziel und Traum von Jocher sind 2022 natürlich die Olympischen Spiele in Peking (China). Doch auch das muss er ausblenden. „Denn wenn ich mit dem Gedanken ‘ich muss mich qualifizieren’ an den Start gehe, dann blockiere ich mich nur.“ Obwohl im Team schon zu spüren ist, dass jede Trainingsfahrt mit ein bisschen mehr Gas und Druck gefahren wird, will sich Jocher nicht nervös machen lassen, sondern einfach von Rennen zu Rennen schauen und jedes Mal seine beste Leistung abrufen. Eine Taktik, die ihn schon im vergangenen Jahr zu einem großen Ziel, der WM, geführt hat. KATHRIN EBENHOCH

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