Den Rennfahrer Andreas Strodl gibt’s nicht mehr: Der Mann von SC Partenkirchen beendet seine Karriere. foto: imago

In die Knie gezwungen

Garmisch-Partenkirchen - Den Tribut, den er zahlen musste, ist hoch. Seine Karriere als Skifahrer hat Andreas Strodl ein Stück Gesundheit gekostet. Sein rechtes Knie ist derart in Mitleidenschaft gezogen, dass Rennsport auf höchstem Niveau nicht mehr möglich ist. Deshalb hat Strodl seine Karriere jetzt beendet.

Irgendwann reicht’s. Irgendwann geht’s einfach nicht mehr. Irgendwann ist man an der Schmerzgrenze angekommen. Irgendwann ist man des Kämpfens und der ewigen Comeback-Versuche müde, ist es leid, immer wieder von vorne anzufangen. Irgendwann gibt man auf. Irgendwann war irgendwann im Januar. Es war ein erneuter Comeback-Versuch den Andreas Strodl bei den Europacup-Rennen in Val d’ Isère unternehmen wollte, nachdem die Saison im Weltcup nicht so verlaufen war, wie erhofft. Er blieb immer unter seinen Erwartungen und Möglichkeiten, als beste Platzierung stand ein 60. Rang beim Abfahrtsrennen von Gröden in den Ergebnislisten. Als er auch in Val d’ Isère das Ziel nicht erreichte, weil er auf der Strecke abschwang, war ihm klar: bis hierhin und nicht mehr weiter. „Da habe ich mich entschlossen aufzuhören, dass es das für mich war.“ Im stillen Kämmerlein hat er das Ende seiner Karriere mit sich ausgemacht, niemand um Rat gefragt - weder Freunde noch Familie noch Trainer. „Ich bin keiner, der mit so etwas haussieren geht“, sagt er. An diesem Tag habe er sich extrem schlecht gefühlt. „Da sind schon viele Emotionen in mir hochgekommen.“

Der dauernde Knies mit dem rechten Knie hatte ihn in die Knie gezwungen, ihn physisch und vor allem psychisch ausgelaugt. Nach einer Leidenszeit fast ohnegleichen kein Wunder. Über zwei Jahren musste er nach diversen Verletzungen im Gelenk - Kreuzbandriss, Knorpelschaden, nichts blieb Strodl erspart - aussetzen. Die Fortsetzung seiner Karriere, die hoffnungsvoll begonnen hatte, war mehr als ungewiss. Bis sich zu Beginn des vergangenen Jahres eine plötzliche Besserung einstellte. Strodl konnte nahezu schmerzfrei trainieren. Der Mann vom Skiclub Partenkirchen war wieder ein fester Bestandteil der deutschen Ski-Nationalmannschaft. Er nahm am Trainingslager der Speedspezialisten im August und September in Chile teil und setzte dort mehrere Ausrufezeichen. Beim South-American-Cup - vergleichbar mit dem Europacup - erreichte er beim Abfahrtsrennen in La Parva den zweiten Platz, im Super-G an gleicher Stelle einen Tag später Rang vier. Besonders die Stockerl-Platzierung in der Abfahrt machte ihn stolz und zuversichtlich. „Das waren meine besten FIS-Punkte, die ich je geholt habe. Und diese Rennen haben mir gezeigt, dass ich mithalten kann, dass ich wieder da bin“, sagte er im Oktober 2013.

Die Hoffnung, seine Karriere würde noch einmal Fahrt aufnehmen - trügerisch. Plötzlich begann das Knie gegen die Belastung wieder zu rebellieren. Die Schmerzen nahmen zu und mit ihnen die mentalen Blockaden. Strodl fuhr die Rennen nicht mehr mit letzter Konsequenz, die man braucht, um zu den Besten der Welt zu gehören. Häufig stieg er auf halbe Strecke aus, weil er die Sinnlosigkeit seines Tuns begriff. Schwünge über dem rechten Bein hatten häufig einen viel zu großen Radius. „Ich habe mich nicht getraut, richtig zu belasten.“ Wahrhaben wollte er es aber lange nicht. Der Prozess der Einsicht - ein langer und schwieriger. „Ich hatte eine ganz spezielle Karriere“, sagt er. Eine mit Höhen und vielen Tiefen.“ Ständige Begleiter in den vergangenen Jahren waren Ernst-Otto Münch, der Teamarzt des Deutschen Skiverbands (DSV), und Max Rieder, Sportwissenschaftler am Olympia-Stützpunkt. „Beiden habe ich viel zu verdanken. Ohne sie wäre es nie zu einem Comeback gekommen.“

Jetzt arbeitet der Zeitsoldat daran, sich neue Standbeine nach seinem Rennfahrer-Dasein zu schaffen. In Traunstein absolviert er derzeit einen Kurs zum Bürokaufmann, seine Zukunft sieht er allerdings weiter im Skisport. Er kann sich einen Trainer-Job vorstellen. In Val d’Isère, als er nicht mehr fahren konnte, hat er ein bisschen mitgeholfen und gemerkt: „Das wäre was für mich. Da habe ich den Sport ein bisschen von der anderen Seite kennengelernt.“ Er hofft auf die Unterstützung von DSV-Alpin-Direktor Wolfgang Maier und des scheidenden Cheftrainers Charly Waibel. Und darauf, dass sein Knie sich etwas bessert. Derzeit hat er sogar Probleme beim Treppensteigen. Irgendwann reicht’s.

Peter Reinbold

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