Leise Töne, starke Sprünge

- Garmisch-Partenkirchen - Die Frage hat nicht lange auf sich warten lassen. Und obwohl sie nichts mit Skispringen zu tun hatte, war ihr doch zu entnehmen, dass Georg Späth, 22, einen Karrieresprung gemacht hat. Am Abend seines bisher größten Erfolgs also, dem 3. Platz im Neujahrsspringen von Garmisch-Partenkirchen, ist der Sportsoldat aus Oberstdorf im Pressezelt auch um einen kurzen Einblick in sein Privatleben gebeten worden: "Haben Sie denn eine Freundin?"

<P>So ist das nun einmal im deutschen Skisprung dieser Jahre: Die Besten werden da gleich ein wenig als Popstars vereinnahmt, persönliche Details sind somit unentbehrlich. Späth, Single übrigens und noch bei den Eltern wohnend, gab sich einsichtsfähig: "Ich mache Sport, um ganz vorne hinzukommen. Da gehört das dazu."</P><P>Und dennoch: So recht passt Georg Späth nicht ins Klischee der fliegenden Boygroup. Sein Auftreten ist von freundlicher Zurückhaltung geprägt, er spricht leise, bedacht, unaufgeregt. Auf diese Art hat sich bisher auch seine Karriere entwickelt: unspektakulär, in kleinen stetigen Schritten. Über eine Zeitungsannonce kam er als Neunjähriger zum Kinderschnuppertraining des SC Oberstdorf, als Junior holte er mit dem Team WM-Gold, 2002 wurde Späth 15. der Vierschanzen-Tournee, letztes Jahr verbesserte er sich um einen Rang. Sein bestes Weltcup-Ergebnis vor dieser Saison war ein 9. Platz.</P><P>Und nun also, urplötzlich, stieg der Allgäuer in die Springer-Elite auf. Zusammen mit Michael Uhrmann, seinem Zimmerkollegen, ist er die große deutsche Hoffnung dieser Tournee. Späth Gesamtdritter, Uhrmann Vierter - die Stars sind dagegen abgeschlagen: Sven Hannawald Zwölfter, Martin Schmitt auf Rang 22. Eine Palastrevolution möchte man meinen. Doch Späth reiht sich weiter brav ins gewohnte Gefüge ein. "Die Hierarchie in der Mannschaft verändert sich nicht von einem Wettkampf auf den anderen; die hat sich über Jahre aufgebaut," betont er. Allerdings ist es nicht so, dass er seinen 3. Platz als Zufallsprodukt ansieht: "Ich wusste, dass ich das drauf habe." Ihm seien sogar kleinere technische Fehler unterlaufen: "Es ist beruhigend, wenn man trotzdem Dritter wird." Sein besonderer Dank gilt dabei dem neuen Trainer Wolfgang Steiert und dessen Helfern. "Sie glauben an mich und betrachten mich nicht mehr nur als Anschlusskader." Beim früheren Bundestrainer Reinhard Heß sei das anders gewesen: "Er hat zugegeben, dass er mir das nie zugetraut hätte."</P>

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