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Pechstein-Coach Franke erklärt Rücktritt

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Claudia Pechstein (l.), fünfmalige Olympiasiegerin, bildete mit ihrem Coach Joachim Franke 20 Jahre lang ein Dream-Team © dpa

Inzell - Joachim Franke, Trainer von Eisschnellläuferin Claudia Pechstein, erklärt zum Ende der Saison seinen endgültigen Rücktritt. Damit steht die 39-Jährige vor einer ungewissen sportlichen Zukunft.

Ihr Erfolgstrainer Joachim Franke verlässt endgültig das Eis, für Claudia Pechstein beginnt nun eine Zeit neuer Ungewissheit. Bisher hat sie das verdrängt, doch nach ihrem gelungenen Comeback nach zweijähriger Sperre muss sich die fünfmalige Eisschnelllauf-Olympiasiegerin neuen Herausforderungen stellen.

“Ich habe mich damit wirklich noch nicht beschäftigt“, beteuerte die 39-Jährige nach dem Championat von Inzell, bei dem sie ihre WM-Rekordserie verlängerte. Sie gewann nicht nur zwei unverhoffte Bronzemedaillen, sondern empfand danach auch Genugtuung, dass sich der niederländische Coach Bart Veldkamp bei ihr für seine Angriffe in Salt Lake City entschuldigte. Er hatte Pechstein dort als “ekliges Geschwür“ des Eisschnelllaufs beleidigt.

Doch es scheint, als wolle Pechstein den Rücktritt ihres 70-jährigen Trainers noch nicht wahrhaben. “Es geht nicht mehr. Meine Gesundheit macht das nicht mehr mit“, bekräftigte hingegen Franke. “Es war ganz klar ausgemacht, dass ich bis zur WM auf dem Eis stehe, aber nun ist Schluss. Man muss die Kirche auch mal im Dorf lassen.“

Natürlich werde er ihr auch weiterhin beratend zur Seite stehen. “Sie kann mit jedem Problem zu mir kommen“, bot Franke an, der eigentlich seine Trainer-Laufbahn 2007 beendet hatte und kurzfristig als “Feuerwehrmann“ einsprang, um der Athletin den Weg zu einem gelungenen Comeback zu bereiten. Deutschlands erfolgreichster Eisschnelllauf-Coach und Pechstein hatten seit 20 Jahren ein Dream- Team gebildet. Nun sorgt er sich um ihre Zukunft.

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“Ich würde ja gern mein Wissen einbringen, um für Claudia möglichst optimale Wege zu finden. Aber bisher hat es keine Gespräche gegeben. Da gibt es noch große Baustellen“, sagte Franke in Richtung der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft (DESG). Cheftrainer Markus Eicher schwebt vor, die umstrittene Ausnahme-Athletin in sein Gesamtkonzept einzubinden. Schon bei Amtsantritt hatte er Sonderwege wie einst für Anni Friesinger oder Pechstein im Ausland ausgeschlossen. “Ich denke, dass sie sich gut einfügt wie hier in Inzell. Da gab es gar keine Probleme“, sagte Eicher.

Bei einer Klausurtagung der DESG in acht Tagen sollen die Wege abgesteckt werden. Unter einem Co-Bundestrainer soll Pechstein in Berlin nach Eichers Vorstellungen in einer Gruppe mit Isabell Ost, Katrin Mattscherodt und den Herren trainieren. Doch in der Hauptstadt gibt es nach den Rücktritten von Tobias Schneider sowie Jörg Dallmann und dem möglichen Karriere-Ende des frustrierten Marco Weber im Erfurter Robert Lehmann nur noch einen Auswahl-Langstreckler.

Pechstein reiste am Montag mit ihren Eltern nach München, um beim Hämatologen Stefan Eber bei einer DNA-Untersuchung nach einem Gen zu fahnden, das ihre diagnostizierte, genetisch bedingte Blutanomalie ausgelöst haben könnte. Für sie ein weiterer Mosaikstein im Kampf gegen den Weltverband ISU, um ihre Rehabilitation für die aus ihrer Sicht ungerechtfertigte Sperre wegen hoher Blutwerte zu erwirken. Danach nimmt sie ihren Erholungsurlaub und hofft auf ein Entgegenkommen des neuen Innenministers Hans-Peter Friedrich im Streit um weitere Sportförderung bei der Bundespolizei.

dpa

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