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Peterka beendet wilde Achterbahnfahrt

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- Garmisch-Partenkirchen - Primoz Peterka trommelte mit den Fäusten auf seinen Helm, auf die Absperrung, schüttelte den Kopf. Das leise, ironische Lächeln, das diese Gesten begleitete, betonte seine Fassungslosigkeit. Der Slowene hatte eben das Neujahrs-Springen gewonnen, so wie vor sechs Jahren. Damals gelang ihm sogar der Gesamtsieg, seine Landsleute machten ihn zum Nationalhelden. Primoz (auf deutsch: der Erste) war ganz oben. Doch sein Leben unternahm fortan eine Achterbahnfahrt, die ihm rückblickend mindestens so rätselhaft erscheint wie die plötzliche Rückkehr zu einstiger Größe. "Ich habe keine Erklärung", sagt er.

Zurück zum Neujahrstag 1997. Damals hatte er als 17-Jähriger mit dem überraschenden Triumph in Garmisch-Partenkirchen den Durchbruch geschafft. Der bis heute zweitjüngste Tourneesieger nach dem Finnen Toni Nieminen (16 Jahre - 1992) holte im gleichen Winter auch den Gesamtweltcup, ebenso im darauf folgenden Jahr. In seiner Heimat stieg der Skispringer Peterka zum Superstar auf, die "Miss Slowenien" wurde seine Freundin, er fuhr schnelle Autos, kaufte sich ein Restaurant. Nichts war mehr, wie es vorher war. Heute meint er: "Es war zuviel."

Schon bald wurden Geschichten erzählt, die ganz dem Klischee des strauchelnden, von Geld und Ruhm verführten Wunderkinds entsprachen: Geschichten von Alkohol, langen Nächten, von Autounfällen und schlechten Beratern. Den gleichzeitigen sportlichen Niedergang erlebte Peterka so: "Ich konnte nicht mehr springen, und ich wusste nicht warum."

Der einstige Überflieger hüpfte nur noch hinterher, wurde aus dem Team geworfen, startete zwei Jahre lang nicht mehr im Weltcup. Peterka wollte dennoch nicht aufgeben: "Als ich ganz unten war, habe ich mir gesagt: Ich muss trainieren, hart arbeiten. Das kann lange dauern, aber ich muss nur Geduld haben." Er bestand die Geduldsprobe. Vergangenes Jahr kehrte er in die starke slowenische Mannschaft zurück, wurde 13. der Vierschanzen-Tournee, 25. im Gesamtweltcup und half bei den olympischen Winterspielen in Salt Lake City mit, Team-Bronze zu gewinnen.

Und nun also das Comeback in der Weltklasse. Nach seinem zweiten Saisonsieg sagte Peterka: "Es kommt alles zurück." Die Wende zum Guten hat ihre guten Gründe. Renata, die ehemalige Miss Slowenien, ist nun seine Ehefrau, vor 14 Monaten wurde er Vater eines Sohnes namens Mai. Sein Privatleben liefert keinen Stoff mehr für wilde Geschichten. Peterka, 23, sagt: "Ich bin älter geworden."

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