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Alle Mühen sind vergessen: Vanessa Hinz ist glücklich über ihren Erfolg als Vize-Weltmeisterin.

Silbermedaille im Einzel

Vanessa Hinz wird Vize-Weltmeisterin - und alle freuen sich

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Sie kann die Freuden und Tränen mit anderen teilen. Sie kann gönnen. Und sie kann sich mit Konkurrentinnen freuen wie keine Zweite. Gestern Nachmittag bekam Vanessa Hinz alles zurück, was sie in den vergangenen sieben Jahren im Biathlon-Weltcup gegeben hatte.

Die Schlierseerin hat im Einzel von Antholz die Silbermedaille gewonnen. Und dabei jubeln nicht nur ihre Fans, Trainer und Teamkolleginnen, sondern der gesamte Biathlon-Zirkus strahlt mit ihr.

„Es ist einfach unglaublich, wie sich alle mit mir freuen“, erzählt Vanessa Hinz gerührt im Interview. „Der italienische Trainer hat mich von der ersten Runde an angefeuert, der Schweizer Trainer hat mir auf der Schlussrunde sogar die Zwischenzeiten zugerufen, und auch die anderen Athletinnen freuen sich mit mir.“

Im TV-Interview zeigte auch Teamkollegin Denise Herrmann Emotionen: „Egal, was bei mir heute war. Für Vanessa freut es mich einfach extrem.“ Währenddessen ist in Hinz’ Heimat der Jubel riesengroß. In Schliersee fuhren spontan nach dem Rennen Autos mit weiß-blauen Fahnen am Fenster durch den Ort.

Hinz holt mit der Silbermedaille ihre erste Einzelmedaille bei einem Großereignis. Und das zum Höhepunkt einer Saison, die für die 27-Jährige wirklich schwierig war. „Der ganze Schmerz ist vergessen“, sagt die Schlierseerin. Da waren ein 42. Platz im Sprint von Hochfilzen oder Platz 64 in Annecy-Le Grand Bornand. „Es war nicht leicht, aber das bedeutet mir jetzt umso mehr.“ Eigentlich seien die Beine nach dem Aufstehen schwer gewesen. Die Verfolgung vom Sonntag, bei der Hinz mit Platz fünf schon eine starke Leistung gezeigt hatte, machte sich noch bemerkbar. Auch das Einschießen sei nicht optimal gelaufen. Doch als das Rennen begann, drehte die Schlierseerin richtig auf.

Mit Startnummer 35 ging sie spät ins Rennen und merkte schnell, dass was gehen könnte. Die erste Schießeinheit löste sie souverän, während die Konkurrenz um Tiril Eckhoff (Norwegen), Kaisa Mäkäräinän (Finnland) und Hanna Öberg (Schweden) patzte.

„Ich habe beim ersten Stehendanschlag gemerkt, wie ich gezittert habe“, berichtet Hinz. Beim dritten Schuss dachte sie an einen Fehler, bekam erst danach mit, dass alle Scheiben gefallen sind. So führte die Biathletin des SC Schliersee nach dem zweiten Schießen.

Der Rückhalt kommt nicht nur aus der Familie, sondern auch aus dem gesamten Team aus Technikern, Physios und Ärzten. „Das Material war richtig gut. Es funktioniert einfach alles so gut hier“, schwärmt Hinz. Ihre Schwester Viktoria – als hätte sie es geahnt – hat sich noch am Dienstagmorgen kurzfristig auf den Weg nach Südtirol gemacht und war so beim größten Moment in der Karriere ihrer eineinhalb Jahre älteren Schwester dabei.

Auch beim dritten Mal am Schießstand blieb Hinz cool, baute ihre Führung sogar etwas aus. Erst beim 19. von 20 Schüssen wollte eine Scheibe nicht fallen. Im Ziel angekommen fiel die 27-Jährige in den Schnee, schlug sich vor Freude auf die Oberschenkel und übernahm zwischenzeitlich die Führung. Lokalmatadorin Dorothea Wierer leistete sich zwar einen Fehler mehr, kam Hinz aber gefährlich nahe. Ihre fünf Treffer im letzten Schießen schoben sie 2,2 Sekunden schneller als Hinz auf die Schlussrunde. Wierer hielt den Vorsprung und holte nach der Verfolgung am Sonntag knapp vor Hinz ihr zweites Gold. „Natürlich hofft man, aber Doro ist brutal gelaufen“, sagt Hinz, die nicht traurig ist. „Ich bin Vize-Weltmeisterin und das hört sich verdammt geil an.“

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