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Der Teil-Spezialist

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Von: Patrick Hilmes

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Simon Jocher im Slalom bei der WM in Cortina d‘Ampezzo.
Kann sowohl Super-G als auch Slalom fahren: Simon Jocher wird bei der WM Kombinations-Fünfter. © Sammy Minkoff via www.imago-images.de

Was für ein Erfolg! Simon Jocher vom SC Garmisch erreicht bei der alpinen Ski-WM in Cortina d‘Ampezzo sensationell Platz fünf in der Kombination.

Cortina d’Ampezzo – Kurz vor dem Start gibt Simon Jocher dem ARD noch ein Interview. „Meine Slalomjahre sind ja schon etwas vorbei. Aber ich denke, ich kann das schon einigermaßen fahren“, sagt Jocher. Zudem betont er, dass er lediglich vier Tage seit dem vergangenen Sommer diese Disziplin trainiert habe. Nicht die besten Voraussetzungen, um bei der alpinen Ski-Weltmeisterschaft in der Kombination den achten Rang aus dem Super-G im Slalom zu verteidigen. Einigermaßen fahren genügt da nicht. Und dieses Adjektiv passte dann auch keinesfalls zu der Fahrt, die der Athlet des SC Garmisch in den Schnee von Cortina d’Ampezzo zauberte.

Nach Jochers Rennen fragten sich die ARD-Kommentatoren Felix Neureuther und Bernd Schmelzer, ob denn der 24-Jährige, der in Grainau lebt, auch die Wahrheit gesagt hat. „Mich würd’s interessieren, ob er wirklich nur so wenige Tage Slalom trainiert hat“, sagt Neureuther. Jocher bestätigte es unten im Ziel nochmals. „Zwei Tage im Sommer in einer Halle in Belgien, zwei Tage im Winter.“ Mehr nicht, das war’s. Umso unglaublicher ist Jochers Abschneiden. Er konnte seinen eh schon starken achten Platz, den er wenige Stunden zuvor im Super-G eingefahren hatte, nicht nur verteidigen, er schob sich gar um drei Ränge nach vorne. Platz fünf in der Kombination bei seiner ersten WM!

Verblüfft über sein Abschneiden

Ist er also enttäuscht, dass er nicht wie seine Teamkollegen Kira Weidle, Romed Baumann und Andreas Sander Überraschungssilber geholt hat? „Extrem traurig“, scherzt Jocher. „Nein, nein, ich bin wahnsinnig happy“, sagt er dem Tagblatt. Das konnte er auch sein, denn er überraschte neben den Kommentatoren auch sich selbst. „Das Gefühl war während der Fahrt gar nicht so gut. Es war sauschwierig zu fahren, da die Piste so eisig war, daher hab’ ich teils auch den Grip verloren.“ Im Ziel angekommen war er dann selbst verblüfft von seinem fünften Platz. Er rechnete aber damit, noch weiter nach hinten zu rutschen. Immerhin standen noch einige Slalomspezialisten oben im Starthaus. Doch einer nach dem anderen biss sich nicht nur die Zähne an der Zeit des Führenden und späteren Weltmeisters Marco Schwarz (Österreich) aus, auch an Jochers Fahrt kam niemand mehr heran.

Großes Lob von Felix Neureuther

Neureuther hatte dafür einen Grund ausgemacht: „Er hat von der zweiten zur dritten Zwischenzeit nur zwei Zehntel auf Schwarz verloren. Da ist er wie ein Slalomspezialist gefahren. Sensationell.“ Ein ganz besonderes Lob von einem ehemaligen Weltklasse-Slalomfahrer. „Das freut mich sehr, so etwas von jemandem wie Felix zu hören“, sagt Jocher darauf angesprochen.

Heimfahrt und anstoßen mit der Familie

Die Speed-Disziplinen sind damit bei der WM Geschichte. Angesichts des Auftritts in der Kombination: Wäre Jocher nicht auch einer für die anstehenden Slalomrennen bei der WM? „Nein, besser nicht“, sagt er lachend. Das überlässt er dann doch den echten Spezialisten. Damit ist das Abenteuer in Cortina d’Ampezzo für den gebürtigen Schongauer beendet. Bereits am Montagabend machte sich Jocher sich auf den Heimweg. Seine Ankunftszeit: 21.15 Uhr laut Navigationsgerät. Sein Plan: „Ein bisschen mit der Familie und meiner Freundin anstoßen.“ Danach wahrscheinlich völlig erschöpft ins Bett. Hat er sich mehr als verdient, der Teil-Spezialist.

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