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Thomas Dreßen.

Ski-Weltcup in Kitzbühel

Sensationssieg für Abfahrer Dreßen in Kitzbühel: So feiert ihn Neureuther

Thomas Dreßen hat die Weltcup-Abfahrt auf der berühmt-berüchtigten Streif in Österreichs Ski-Mekka Kitzbühel gewonnen. Es ist das wichtigste Rennen derr Saison. Zeuge Felix Neureuther staunt.

Kitzbühel - Als Zehntausende aufschrien, begriff Thomas Dreßen zunächst gar nicht. Beim zweiten Hinsehen realisierte er, dass da die "1" neben seinem Namen aufleuchtete, riss die Arme in die Höhe, schnallte dann seine Skier ab, wuchtete sie in die Luft - und brüllte seine Freude hinaus. Dann hielt er kurz inne, kniete und senkte den Kopf. Um ihn herum brodelte es. Selbst auf der VIP-Tribüne standen sie, die Reichen und Schönen, und jubelten ihm zu. Ihm, Thomas Dreßen, Deutschland, Sieger beim wichtigsten, prestigeträchtigsten Ski-Rennen diesseits der Olympischen Spiele - der Abfahrt auf der Streif in Kitzbühel.

Sieg auf der Streif: Dreßen kann es nicht fassen

Einer der ersten Gratulanten war Sepp Ferstl, der auf den Tag genau vor 39 Jahren als letzter Deutscher die Abfahrt auf der Streif gewonnen hatte. "Gott sei Dank, dass ich jetzt mal abgelöst bin, weil das hältst du auf Dauer nicht aus", sagte Ferstl, der die Abfahrt auch schon ein Jahr zuvor, 1978, gewonnen hatte.

„Im Ziel habe ich es gar nicht glauben können, ich dachte, die wollen mich verarschen. Für mich ist das auch eine Überraschung“, sagte Dreßen. Der Abfahrtsdritte von Beaver Creek hatte bei seiner herausragenden Fahrt auch etwas Glück: Weil sich Reichelt für die Startnummer 1 entschieden hatte, konnte er die bessere 19 wählen - und bei deutlich besserer Sicht abfahren.

Bilder: Abfahrer Dreßen stellt die Ski-Welt in Kitzbühel auf den Kopf

Dreßen: Der Dank gilt dem toten Papa, aber auch der Mama

Dreßen hatte auch ein bisschen Glück. Als er sich um 12.26 Uhr aus dem Starthaus hinaus auf die 3312 m lange Streif katapultierte, da war gerade die Sonne herausgekommen, und bessere Sicht bedeutet: bessere Zeiten. "Er hat das schamlos ausgenutzt", sagte der Österreicher Hannes Reichelt, Dritter (+0,41 Sekunden) hinter Dreßen und Weltmeister Beat Feuz (Schweiz/+0,21) - und außerdem am Sieg des jungen Deutschen nicht unbeteiligt: Denn Reichelt, 36 Jahre alt, Sieger von 2014, hatte am Vortag noch die Wahl zwischen den Startnummern 1 und 19. Er wählte die 1, für Dreßen blieb die 19. Ein Glücksfall.

"Wer weiß, vielleicht hat von oben wer zugeschaut und hat die Sonne ein bisschen mehr scheinen lassen bei mir", sagte Dreßen. Eine Anspielung auf seinen Vater Dirk, der im September 2005 bei einem Seilbahnunglück in Sölden ums Leben gekommen war. Ihm zu Ehren hat er die "44" auf seinen Helm gemalt, sie steht für "DD" - der vierte Buchstabe im Alphabet ist das D. Der Gedanke an den Vater sei auch diesmal durch den Kopf geschossen, aber, ergänzte Dreßen: "Der Dank geht nicht nur nach oben, sondern auch zu meiner Mama. Wenn die mich nicht so unterstützt hätte und hinter mir gestanden wäre, wäre ich jetzt nicht da."

Sensationszeuge Neureuther über Dreßen: „Ich hatte noch nie so Gänsehaut“

Teamkollege Andreas Sander verspielte einen Podestrang durch einen Fehler auf den letzten Metern und wurde Sechster. Josef Ferstl, der Sohn des bis dahin einzigen deutschen Kitzbühel-Siegers, kam auf den 20. Platz. Manuel Schmid verpasste als 37. die Punktränge.

„Wahnsinn“, sagte Augenzeuge Felix Neureuther über Dreßens Vorstellung, „ich hatte noch nie so Gänsehaut.“

Thomas Dreßen ist einer der besten deutschen Speedfahrer und schließt gerade zur Weltspitze auf. Doch zur Geschichte des 24-Jährigen gehört auch eine Trägodie, die ihn zu dem gemacht hat, der er heute ist, wie Merkur.de* berichtete.

In einem separaten Artikel auf tz.de* haben wir für Sie zusammengefasst, wo und wie Sie den Ski-Weltcup in Kitzbühel live im TV und im Live-Stream sehen können.

Nun wird die bekannte Ski-Stadt von einer erschreckenden Tat erschüttert: Die Polizei ermittelt in einem Fünffachmord in Kitzbühel.

*Merkur.de und tz.de sind Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

SID, mke

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