Schock-Diagnose beim FC Bayern: Nächster Star fällt wochenlang aus

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Ein Mythos: Die Gefrorene Wand. Man sieht, dass der Sommer heiß und hart war. Richtig schneeweiß ist‘s hier nicht mehr.

Selbstversuch in Hintertux

Skiwahnsinn im August

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Heute war es wieder heiß. Das mögen nicht alle. Doch kann man dem Hochsommer entkommen? Kann man ihn eintauschen gegen ein Stück Winter, wenigstens für einen Tag? Unser Autor hat die alternative Jahreszeit gesucht, nicht weit weg von München. Auf dem Gletscher, beim Skifahren.

München/Hintertux– Es ist halb sieben Uhr morgens in München und es hat schon 17,5 Grad. Ich trage lange Unterwäsche, eine wasserdichte Hose, einen Anorak mit Kapuze und in der Hand einen Helm. Ich lege meine Ski ins Auto und hoffe, dass mich niemand sieht.

Ein Skifahrer im August ist verrückt und ein Umweltschädigungsarsch. Doch ich will jetzt mal wissen, wie das ist: einen auf Winter machen, wenn definitiv Sommer ist. Ich war mal im Juni auf dem Stubaier Gletscher, das ist 15 Jahre her. Auf über 3000 Metern Höhe, auf der Hütte, aß ich einen Apfelstrudel, eine Biene umsummte ihn; das fand ich befremdlich. Aber ich war noch nie im August Skifahren. Stubai hat schon kapituliert vor dem Klimawandel und macht im richtigen Sommer zu. Es bleibt der Hintertuxer Gletscher. Ein Mythos. Das einzige Ganzjahresskigebiet Österreichs, immer geöffnet, unter allen Umständen, 365 Tage im Jahr.

Wer ist jetzt da oben auf bis zu 3250 Metern? Fahren die Leute dort in Badehose, im Bikini? Oder trifft man nur Leistungsbiester, die im August schon die Rennen des Winters im Sinn haben? Zweieinhalb Stunden dauert die Fahrt von München, bis man den hintersten Winkel des Zillertals erreicht hat. Ein Schild grüßt am Parkplatz: „Gefrorene Wand, 3250 Meter, 3 Grad, Sonne.“ An der Talstation auf 1500 Metern hat es 18 Grad.

An der Kasse: „Sie kennen die Bedingungen“, sagt die Dame, die ich um eine Tageskarte fürs Skifahren bitte, „die Pisten sind in einem sehr schlechten Zustand, Sie werden die meiste Zeit auf Eis fahren.“ Trotzdem: Ja, ich will. Hinauf zu den 3 Grad, in die Kühle, in einen anderen Monat, eine andere Welt.

Man gondelt in Etappen hoch zum Tuxer Fernerhaus (2660 Meter), wo der Gletscher beginnt und wo man immer Skifahren kann. Die Ankunft ist ein Schlag. Eine Desillusionierung. Man sieht viel Weiß, ja, aber es sind die Planen, die Teile des Gletschers abdecken. Als hätte der große Christo Schnee und Eis verpackt für ein großes Kunstprojekt. Doch es ist ein reines Zweckprojekt. Damit es den Gletscher länger gibt. Erstaunlicherweise kann man trotzdem bis hierher abfahren, es führt eine Piste durch die christoartigen Landschaften. Karl aus Wien und seine Tochter Leah haben ihn gefunden, und sie sagen, sie fahren das gleich noch einmal, ich könne mich gerne anschließen.

Sie sind für zwei Tage gekommen. Auf Initiative von Leah. „Ich wollte einmal auf dem Gletscher fahren, solange ich jung bin“, erzählt sie, „wenn ich erwachsen bin, wird’s Sommerskifahren nicht mehr geben“.

Aus der Gondel blicken wir auf schwarze Schollen. Es sieht jetzt gerade nicht schön aus, anders eben als auf den Alles-schneeweiß-Werbebildern. „Ich fahre in Kitzbühel die Streif hinunter“, sagt Leah, „aber hier bin ich oben gestanden und habe geweint.“ Vor Angst, dass es kein schönes Skifahren sein wird.

Vater Karl sagt österreichisch-cool: „Ich finde die Abfahrt lässig. Sie hat halt ein paar Herausforderungen.“ Er und Leah fahren voraus, man merkt nichts mehr von Beklemmung bei ihr. Die beiden sind so flott unterwegs, dass sie auf mich warten müssen. Vier Monate Skipause, die Warnungen an der Kasse, die tatsächlich eisige Piste (an manchen Stellen fährt man über Eiswürfel wie aus dem Kühlschrank) – ich tue erst mal langsam. Doch auf dem letzten Abschnitt zum Tuxer Fernerhaus liegt astreiner Schnee. „Wie Frühjahrsfirn“, meint Karl.

Der Hauptbetrieb nun im Sommer spielt sich ganz oben über 3000 Metern bei den Gletscherschleppliften ab. Höchste Stelle ist die „Gefrorene Wand“ (3250 Meter), sie trägt ihren Namen zurecht. Hier sind nebeneinander ein Slalom- und ein Riesenslalom-Kurs gesteckt. Training ist heute ein hartes Brot mitten im Eis. Junge Rennfahrer aus Slowenien brechen alle paar Tore den Lauf ab, sammeln sich, versuchen neu in den Kurs zu kommen. Unten wartet der Trainer und staucht sie zusammen. Gegenüber: der Olperer-Lift. Ein sanfter Hang, der viel Sonne abbekommt; die Liftspur wurd von Rinnsalen durchzogen, die Auffahrt wird zum Wasserskierlebnis.

Hier trainiert die Welt, der Gletscher wird zum Mikrokosmos. „Im August sind viele Jugend-Nationalmannschaften da, die Elite kommt im Oktober“, sagt ein fröhlicher tschechischer Liftmann, der Skifahrer-Pragmatismus lebt. „Wenn schwierige Kondition, muss ma machen mähr Kreation.“ Man sieht Rennanzüge aus Italien, Kroatien, Zypern, unter den jungen Rennfahrern sind welche mit einem Bein und ein Chinese ohne Arme. Skifahren hat die fernen Märkte erreicht, ohne Schneetage im Sommer kommt keiner in die Weltspitze. Private Trainingscamps boomen.

Sergej hält eines ab. Er ist Trainer aus Russland und mit drei Schülern für zwei Wochen hierhergekommen. Er hat sein Funkgerät umhängen, sammelt gerade die Stangen ein. „Tux ist sehr gut. Normalerweise. Aber nicht jetzt“, sagt er. Er spricht hartes Russen-Englisch, bringt seine Kritik an den Zuständen auf den Punkt: „The snow is soft, the snow is dirty, it’s a river.“ Die Piste hat sich in ein Flussdelta verwandelt. Doch was tun? Es geht ja auch um die Kosten: „Vor zwei Tagen waren wir in Saas Fee in der Schweiz. Dort war es besser – aber es ist auch viel teurer.“ Hintertux kann man sich noch leisten.

Ein vereinzelter Skilehrer ist mit einer Privatschülerin auf dem Gletscher unterwegs. Eigentlich sind Skilehrer Saisonarbeiter. „Hier ist es ein Ganzjahresjob“, sagt er. So etwas wie einen Tiefpunktmonat im Jahreszyklus gebe es gar nicht mehr: „Irgendwer kommt immer hierher – egal, wie schlecht der Schnee ist. Im Moment sind viele zum Trainieren da.“ Es sind Hunderte an diesem Tag, an dem dann auch an der Gefrorenen Wand die Temperatur nach oben klettert – bis auf 8 Grad.

Man weiß durchs Internet, was einen erwartet. Live-Cams zeigen die Wahrheit, die manchmal hässlich ist: apere Stellen, schneelose Geröllfelder. Unter Tux-Fans herrscht aber Verstimmung, weil die Kamera am Fernerhaus im Sommer abgeschaltet ist. Auf dem Portal „Bergfex“ wird unter der Überschrift „Das Ende naht?!“ debattiert. Einer schreibt: „Die Bilder sind im Hochsommer natürlich keine hilfreiche Werbung mehr. Wunder darf man da oben keine mehr erwarten, wie auf allen Alpengletschern ist die große Zeit erst einmal vorbei.“

Kommen denn überhaupt noch die Normalskifahrer? Ja, auch sie gibt es, aber man sollte keine Sommerfrischler erwarten, die luftig bekleidet sind und das Haar im Fahrtwind wehen lassen. Ski fährt man heutzutage mit Helm.

Es sind auch Snowboarder da, obwohl der Gletscher ihnen im Moment nicht mal einen Funpark bieten kann, den gibt es erst wieder ab Mitte September. Tobi, Romina, Dustin und Josef machen fünf Tage Hintertux. Gekommen sind sie aus – man glaubt es kaum – Gelsenkirchen. „Besser als in der Skihalle in Bottrop ist es hier allemal“, versichert Tobi. Ein echter Berg hat im Sommer mehr Winter als eine heruntergekühlte Kunstwelt. Auch das Restaurant im Fernerhaus zieht das mit dem Winter gnadenlos durch: Es gibt Jagertee und Glühwein. Draußen auf der Terrasse sitzt der erste Skifahrer mit blankem Oberkörper in der Sonne, derweil vermeldet das Smartphone, dass es in München 28 Grad hat.

Die Schlepplifte ganz oben machen um 13.30 Uhr zu. Die Sportler sind alle schon ins Tal runter, dort haben sie am Nachmittag Athletiktraining. Man kann noch mit der Gondel hinauffahren. Still ist es, bis auf das Brummen der Pistenraupen, die die Wunden, die der Tag dem Gletscher geschlagen hat, zutupfen. Es ist ein erhabener und anrührender Moment.

Bis halb drei Skifahren reicht. Der Liftmann isst ein Steckerleis, das Thermometer im Auto auf dem Parkplatz zeigt 25 Grad. Ich wechsle jetzt in die kurze Hose. Der Winter ist vorbei, der Sommer hat gesiegt. Als ich in München die Ski auslade, hat es 31 Grad.

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