Happy nach einem sagenhaften Höhenflug: Auf der Aussichtsplattform des Münchner Olympiaturms präsentiert Ramona Hofmeister ihre beiden Weltcup-Kristallkugeln.
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Happy nach einem sagenhaften Höhenflug: Auf der Aussichtsplattform des Münchner Olympiaturms präsentiert Ramona Hofmeister ihre beiden Weltcup-Kristallkugeln.

Feierstunde für Hofmeister und Co. auf dem Olympiaturm

Rakete Ramona: Mit zwei Kristallkugeln in den Urlaub dahoam

  • Uli Kellner
    vonUli Kellner
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Snowboard Germany ehrt seine erfolgreichen Athleten und übt Kritik am „Rumgeeiere“ der großen Verbände.

München – Wie bestellt gab der Föhn den Blick auf die Alpen frei, die Sonne nahm die Schatten von der Stadt, und oben im Olympiaturm wurde es feierlich. Nach der Absage des Weltcupfinales in Winterberg wich Snowboard Germany spontan in den Münchner Olympiaturm aus, um seine herausragenden Athleten zu ehren – eine tiefsinnige Idee, wie sich schon bei der Rauffahrt zeigte.

Mit 70 Metern pro Sekunde schießt der Fahrstuhl hoch bis zum Drehrestaurant, und ähnlich atemberaubend ist ja auch das Tempo, mit dem der kleine Verband seit einigen Jahren unterwegs ist. Ramona Hofmeister: Gewinnerin der großen und einer der kleinen Kristallkugeln. Selina Jörg: Dritte im Gesamtweltcup. Stefan Baumeister: Zweiter bei den Männern. Vor der Ehrung seiner erfolgreichen Raceriege nannte Präsident Michael Hölz eine Zahl, die nicht nur ihn selbst mit Stolz erfüllte. „In der Addition aller Weltcupplatzierungen sind wir die zweitbeste Wintersportnation der Welt“, sagte er: „Letzte Saison waren wir noch auf Platz sechs gelegen. Eine Gesamtorientierung, die, glaube ich, einzigartig ist in Sport-Deutschland.“

Die Frau, auf die Snowboard Germany besonders stolz ist, zeigte sich bestens vorbereitet. In eine Umhängetasche hatte sie alle Medaillen und Trophäen gepackt, die sie im zurückliegenden Weltcupwinter eingesammelt hat (u. a. für sechs Einzelsiege), doch es ist ein Irrglaube, dass man sich an Erfolge gewöhnen kann. Nachdem die 23-Jährige jüngst die kleine Kristallkugel entgegennehmen durfte, verschlug es ihr fast die Sprache, als sie von FIS-Vertreter Peter Krogoll, die 7,5 Kilo schwere Gesamtweltcupkugel überreicht bekam. „Wow, das ist verrückt“, entfuhr es ihr: „Ich fand die kleine Kugel schon richtig groß. Noch habe ich das alles nicht realisiert. Es wird noch ein bisschen dauern, bis das ganz oben ankommt in meinem Kopf.“

Die Corona-Krise, die zu ihrem Glück erst in der Schlussphase der Saison einsetzte, wird ihr dabei helfen: Anstatt wie geplant mit der Familie nach Kenia zu reisen, wird Hofmeister die nächsten Wochen daheim in Bischofswiesen verbringen. Mit viel Zeit, die spektakulärste Saison ihrer Karriere sacken zu lassen.

Neben der „Rakete“, wie Hofmeister teamintern genannt wird, strahlte auch Selina Jörg, 32 (Spitzname „Alte Rennsemmel“), die Weltmeisterin von 2019. Aber eher, weil sie das gute Gesamtergebnis für eine Saison versöhnte, die ihr im Januar ein unerklärtes Leistungstief beschert hatte. „Irgendwie ging plötzlich gar nichts mehr“, blickt die Teamseniorin zurück und freut sich schon auf den Sommer im Allgäu: „Nach so einer Achterbahnfahrt bin ich stolz auf meinem 3. Platz.“ Weiterfahren will sie sowieso, „mindestens bis zur WM in China – sofern sie denn stattfindet.“

Nachdenkliche Worte zur Corona-Krise gab es von Verbandschef Hölz, der das „Rumgeeiere“ der Verbände kritisiert. „Man darf nicht erst reagieren, wenn der Druck von außen zu groß wird“, sagte er: „Vor Themen wie Gesundheit und Nachhaltigkeit darf sich der Sport nicht wegducken.“ Sein Vorschlag: Den Weltcup reformieren und künftig mehr auf Kontinentalvergleiche setzen. Wo Snowboard Germany abräumt, ist in diesen Zeiten sekundär.

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