Ramona Hofmeister rast auf dem Snowboard einen Hang runter.
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Schwarz-rot-goldene Medaillenhoffnung: Ramona Hofmeister reist als Topfavoritin zur WM in Rogla.

Interview mit Ramona Hofmeister vor der Snowboard-WM

„Weltmeisterin - ein verlockender Titel“

  • Uli Kellner
    vonUli Kellner
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Ramona Hofmeister hat einen Traum, den sie sich an diesem Montag (14 Uhr, ARD-Livestream) erfüllen kann - ihren ersten WM-Titel auf dem Snowboard. Bei der WM in Rogla geht die 24-Jährige aus Bad Reichenhall als Topfavoritin an den Start und hat kein Problem mit dem Druck, den sie sich selber gemacht hat mit den vielen Top-Platzierungen im Weltcup. Unser Interview mit der Frontfrau von Snowboard Germany.

Ramona, Slowenien statt China, Sparten-WM statt Mega-Event am Austragungsort der Winterspiele 2022. Wie ist Ihre Meinung zur Verlegung des Jahreshöhepunktes?

Hofmeister: Natürlich war ich erst mal geknickt, als China abgesagt wurde – obwohl es absehbar war. Für mich ist es sehr schade, weil ich vorletztes Jahr schon mal an diesem Hang gewonnen habe – und weil es im Hinblick auf Olympia ein sehr gutes Training gewesen wäre. Trotzdem bin ich sehr froh, dass überhaupt eine WM stattfindet und Rogla kurzfristig eingesprungen ist.

Ein bisschen froh wenigstens auch, dass in Pandemie-Zeiten eine beschwerliche Reise entfällt?

Hofmeister: Das ist Abwägungssache. Auf das Rennen hatte ich sehr große Lust gehabt. Aber dann in China in Quarantäne zu sitzen, wäre auch nicht so sinnvoll und toll gewesen. So gesehen passt das schon.

Seit mindestens eineinhalb Jahren in WM-Form: Snowboard-Überfliegerin Ramona Hofmeister.

WM-Form haben Sie bereits, eigentlich seit Jahren durchgehend. Die Frage nach der Topfavoritin dürfte sich erübrigen . . .

Hofmeister: Na ja, das Feld ist schon recht eng da vorne. Es gibt viele Konkurrentinnen. Allein in unserem Team sind es drei, die ganz vorne reinfahren können. Ester Ledecká (Olympiasiegerin aus Tschechien/Red.), hab ich gehört, will auch kommen. Und die junge Russin (Sofia Nadyrshina, 17) ist auch sehr stark.

Sie haben es angedeutet: Auch Ihre Teamkolleginnen sind gut drauf. Was macht Snowboard Germany richtiger als andere Nationalverbände?

Hofmeister: Ich verrate doch hier nicht unsere Geheimnisse . . . (lacht) Nein, im Ernst: Bei uns passt’s einfach, es ist alles auf unser Team abgestimmt. Wir haben es super im Griff, auch mit dem Hygienekonzept – seit der Corona-Infektion von Selina (Jörg) und mir war da nichts mehr. Der Konkurrenzkampf spornt zusätzlich an. Wir sind auch in solchen Zeiten sehr gut aufgestellt.

Selina Jörg und Cheyenne Loch stehen häufig gemeinsam mit Ihnen auf dem Podest. Welche Konkurrentin aus dem eigenen Lager fürchten Sie am meisten?

Hofmeister: (denkt nach) Fürchten tu’ ich keine. Ich weiß, wie schnell sie sind, aber ich bin generell kein Mensch, der vor etwas Angst hat. Es gibt für mich auch keine Angstgegnerinnen oder so. Klar: Am Anfang war natürlich viel Respekt dabei, wenn zum Beispiel die Ester am Start war – aber wir haben ja schon ein paarmal gezeigt, dass wir sie schlagen können.

Es fällt auf, dass Sie zehn Ihrer zwölf Weltcupsiege in der Königsdisziplin PGS eingefahren haben. Warum liegt Ihnen der Riesenslalom mehr als der enger gesteckte Slalom?

Hofmeister: Gute Frage. Früher war’s der Slalom, den ich lieber mochte. Aber wenn man sich die Quote meiner Ausfälle anschaut ... Dieses Jahr lief’s im Slalom eher bescheiden: In Gastein bin ich nicht so reingekommen, in Russland lag ich zwei Tore vorne und hab dann einen sinnlosen Sturz hingelegt. Irgendwie hat es sich herauskristallisiert, dass mir der Riesenslalom besser liegt. Könnte natürlich auch an der Geschwindigkeit liegen (lacht).

Im WM-Austragungsort Rogla haben Sie vor drei Jahren Ihren allerersten Parallelriesenslalom gewonnen. Ein gutes Omen?

Hofmeister: Auf jeden Fall. In Rogla hatte ich schon viele gute Tage, hab dort ja auch 2016 die J-WM gewonnen. Ich mag den Hang dort sehr gerne. Nach dem ersten Flachstück geht’s bald ins Steile rein, was mir sehr gelegen kommt. Ich freue mich auf jeden Fall drauf, auch weil die die Piste immer sehr gut im Griff haben – selbst bei schlechten Schneeverhältnissen.

In der aktuellen Weltcup-Gesamtwertung führen Sie vor Selina Jörg und Cheyenne Loch. Es riecht nach Titelverteidigung. Was würde Ihnen die Wiederholung Ihres Vorjahreserfolges bedeuten?

Hofmeister: Wir haben noch zwei Weltcups, die in die Wertung mit reinzählen. Wenn ich dann wirklich am Ende mit der Kugel oben stehe, wow . . . Das kann ich wahrscheinlich erst dann beschreiben.

Wenn ich dann wirklich am Ende mit der Kugel oben stehe, wow . . . Das kann ich wahrscheinlich erst dann beschreiben.

Ramona Hofmeister über die Aussichten, Ihren Sieg im Gesamtweltcup zu wiederholen.

Sportler sagen ja, dass es schwerer ist, einen Erfolg zu wiederholen, als ihn zum ersten Mal zu erreichen. Ist dem so?

Hofmeister: Ich denke, das ist vor allem eine Kopfsache. In der Vorbereitung hab ich mal darüber nachgedacht. Man kann ja nicht wie selbstverständlich davon ausgehen, dass man die Leistung vom Vorjahr wieder bringt. Die Konkurrenz schläft auch nicht, deswegen bin ich total froh, dass ich immer noch oben stehe. Ich versuche einfach, Spaß zu haben, relaxed an die Sache ranzugehen und mir nicht so einen Kopf zu machen.

Und wie würde das für Sie klingen: Weltmeisterin Ramona Hofmeister?

Hofmeister: Würde ich sofort unterschreiben (lacht). Das ist schon ein verlockender Titel.

Am 28. März, kurz nach dem Saisonfinale dahoam in Berchtesgaden, feiern Sie dann 25. Geburtstag. Was ist Ihr größter Wunsch zum abgeschlossenen Vierteljahrhundert?

Hofmeister: Das ist einfach: Ich wünsche mir endlich wieder eine normale Welt – ohne das ganze Corona-Theater.

Nach einer großen Saisonabschlussfeier sieht es ja auch nicht aus . . .

Hofmeister: Ja, leider. Das war ja schon letztes Jahr so, dass ich den Gesamtweltcupsieg nullkommanull feiern konnte. Genau da ging es damals los . . . Aber was soll’s: Ist ja noch ein bisschen Zeit bis dahin. Jetzt hole ich mir erst mal die Kugel, und dann sehen wir weiter.

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