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Attacke aus Verärgerung: DSV-Chef und IBU-Vize Alfons Hörmann findet Tichonows Treiben inakzebtabel.

Biathlon-WM

„Tichonow – ein sportpolitischer Geisterfahrer“

Pyeongchang – DSV-Präsident Hörmann übt scharfe Kritik am russischen IBU-Vizepräsidenten, der u.a. Doping bagatellisiert

Alfons Hörmann, der Präsident des Deutschen Skiverbandes (DSV), ist in seiner Funktion als Vizepräsident des Biathlon-Weltverbandes (IBU) am Dienstag bei der WM in Pyeongchang eingetroffen. Der Allgäuer nahm im Gespräch kritisch Stellung zum Verhalten seines Amtskollegen Alexander Tichonow. Der Russe, der auch Vizepräsident seines nationalen Biathlon-Verbandes ist, hat dieser Tage die drei des Dopings überführten russischen Biathleten in Schutz genommen.

-Alfons Hörmann, der IBU-Vizepräsident Alexander Tichonow hat erklärt, er halte die drei russischen Dopingsünder für unschuldig. Wie denken Sie über diese merkwürdige Einschätzung?
Das ist nicht verständlich und nicht nachvollziehbar. Es steht fest, dass drei russische Biathleten die Gesetze des Sports gebrochen haben. Die einzig richtige Vorgehensweise des russischen Verbandes und von Tichonow wäre nun, dass man sich entschuldigt und dafür sorgt, dass solche Dinge nicht mehr vorkommen. Tichonow hat aber versucht, die Dinge zu bagatellisieren und irgendwie zu rechtfertigen. Es ist fatal, wenn ein IBU-Vizepräsident die Rolle des sportpolitischen Geisterfahrers einnimmt. Tichonow stellt doch die vorbildlichen Bemühungen des IBU-Vorstandes im Kampf gegen Doping in Frage.

-Hat die IBU bisher mit Tichonow oder dem russischen Verband Kontakt aufgenommen?
Die IBU-Generalsekretärin Nicole Resch hat mir erzählt, dass kaum eine Stunde vergeht, in der man sich nicht mit der russischen Seite, also nicht nur mit Tichonow, austauscht, um zu erklären, warum bestimmte Dinge gehen oder eben nicht gehen.

-Wie hat Tichonow darauf reagiert?
Sie werden von Tichonow grundsätzlich keine sachlichen Begründungen erhalten, sondern nur emotionale, machtorientierte Aussagen. Es ist schwierig, sich mit ihm über ein Thema sachlich auseinanderzusetzen.

-Was halten Sie davon, dass von der russischen Biathlon-Mannschaft noch kein Wort des Bedauerns über die Dopingfälle zu hören war?
Meines Wissens nach hat sich die russische Vizepräsidentin Elena Anikina von Tichonow klar und deutlich distanziert. Es wäre aber auch von Teammitgliedern an der Zeit zu sagen: ,Wenn Kollegen Fehler gemacht haben, dann halten wir das für verwerflich.’ Was den russischen Verband angeht, so gilt es jetzt für die IBU zu beobachten, ob den schönen Worten von Frau Anikina nun auch konkrete Taten folgen – oder ob es bei Lippenbekenntnissen bleibt.

-Es hat ja schon Forderungen gegeben, den russischen Verband zu bestrafen . . .
Wie gesagt, man muss schauen, ob sich die Dinge ändern oder ob die Russen das Ganze am Ende nur als Betriebsunfall sehen. Es gab ja schon Diskussionen über Boykotts von Weltcup-Rennen oder Weltmeisterschaften in Russland. Aber da bin ich grundsätzlich dagegen. Das führt nur dazu, dass der gesamte Biathlonsport darunter leidet.

-IBU-Präsident Anders Besseberg wird voraussichtlich 2010 sein Amt abgeben. Bislang wird Tichonow als möglicher Nachfolger gehandelt worden. Wie stehen Sie dazu?
Spätestens mit seinen letzten Aussagen hat sich Tichonow als möglicher Präsident des Biathlon-Weltverbandes selbst ins Abseits gestellt. Wer so agiert, wer so auftritt, kann so ein Amt nicht ausüben. Man kann das auch im Zusammenhang mit der Frage sehen: Wie reagieren die Medien, wie reagieren die Sponsoren auf eine Wahl Tichonows zum IBU-Präsidenten? Ich glaube, dass die IBU da eher Schaden als Nutzen hätte.

-Stünden Sie denn selbst für das Amt des IBU-Präsidenten zur Verfügung?
Ich habe immer gesagt: Ich bin rundherum zufrieden und ausgelastet als Präsident des Deutschen Ski-Verbandes und habe keine anderen Ambitionen. An diesem Zustand hat sich nichts geändert. Meine Aufgabe als DSV-Präsident füllt mich so aus, dass ich mit diesem Amt auch in die Zukunft gehen möchte. Wie hat doch Konrad Adenauer gesagt: Das Amt muss zum Manne kommen – und nicht der Mann zum Amte. Damit wären wir wieder bei Tichonow. Der hat sich vielfach selbst zum Präsidenten ausgerufen oder sich als Kandidat ins Spiel gebracht. Allein schon das ist für mich eine wenig gelungene Bewerbungskampagne.

Das Gespräch führte Armin Gibis

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