Talfahrt ausgeschlossen: Der Zielhang der Kandahar-Abfahrt. Foto: Fellner

Frauen-Skirennen abgesagt

So grün ist die Weltcup-Piste Kandahar

Garmisch-Partenkirchen - Weil zu wenig Schnee auf der Kandahar liegt, hat der SC Garmisch vorzeitig den Weltcup abgesagt. Besonders bitter ist das für Maria Höfl-Riesch.

Der Griff zum Telefon fiel Peter Fischer nicht leicht. Montagfrüh wählte er die Nummer von Atle Skaardal. Er hatte dem alpinen Renndirektor des Internationalen Skiverbands FIS etwas mitzuteilen – etwas Negatives: Die Weltcup-Rennen am Wochenende 24./25. Januar auf der Kandahar in Garmisch-Partenkirchen können nicht stattfinden. Zu wenig Schnee liegt am Kreuzeck, vor allem im unteren Streckendrittel sind die geplanten Frauen-Rennen (Abfahrt und Super-G) undenkbar. „Wir hätten von der FIS eine Fristverlängerung bekommen“, sagt Fischer, Chef des Weltcup-Organisationskomitees. „Aber wir müssen realistisch sein. Bei der Wettervorhersage haben wir keine Chance.“

Damit fallen für Maria Höfl-Riesch zwei Wochen vor Beginn der Winterspiele in Sotschi ihre möglicherweise beiden letzten Heimrennen aus. Die 29-Jährige spielt bekanntlich mit dem Gedanken, ihre Karriere nach diesem Winter zu beenden.

Es sieht traurig aus im Zielraum der Kandahar. Ein mickriges schmales Schneeband zieht sich den Zielschuss hinauf bis zur FIS-Schneise, daneben ist alles grün und braun. Kein Gramm Schnee liegt rund um die großen Fangnetze, Sturzräume gibt es nicht. „Und darum geht es ja“, sagt Skaardal, der bei der FIS für den Frauen-Bereich zuständig ist. „Wir brauchen nicht nur Schnee auf der Rennlinie.“ Gewaltige Mengen seien notwendig, um die Strecke für einen Wettbewerb zu präparieren. Fischer spricht von unglaublichen 50 000 Kubikmetern (rund 650 große Schiffscontainer). „Wir sehen keine Möglichkeit, den Schnee zu produzieren“, bedauert Skaardal. „Wenn es die nötigen Minusgrade nicht gibt, schaffen wir das einfach nicht.“

Die Enttäuschung ist groß beim Skiclub Garmisch (SCG), der die alpinen Weltcups in der Marktgemeinde seit jeher ausrichtet. „Das ist Mist für die Leute“, sagt Fischer gerade heraus. „Wir haben 400 Helfer, die sich extra Urlaub nehmen. Und nun das.“ Doch die Bedingungen derzeit lassen eine Beschneiung einfach nicht. Minusgrade in den Nächten, die für die vergangenen Tage immer wieder mal angekündigt worden waren, blieben aus. „Wir konnten die komplette Strecke zuletzt in der Nacht von 30. auf 31. Dezember beschneien“, sagt Verena Lothes, Pressesprecherin der Zugspitzbahn AG, in deren Händen der Pistendienst liegt. Die Krux an der Sache: „Die Bedingungen für den Breitensport sind noch ideal, aber da herrschen eben komplett andere Anforderungen.“

Die Weltcup-Rennen der Männer am ersten Februar-Wochenende haben die Verantwortlichen noch nicht abgeschrieben. „Der Wetterumschwung soll kommen.“ Fischer fiebert dem entgegen. „Auf irgendwas müssen wir uns ja stützen.“ Trotz allem bedarf es noch Tonnen an Schnee, um die Kandahar rennfertig zu machen. „Aber wir können es schaffen, das ist noch realistisch. Darauf richten wir unsere volle Konzentration.“ Denn der wirtschaftliche Schaden sei jetzt schon groß. „Sechsstellig“, so Fischer. Die erste vorzeitige Rennabsage in 17 Jahren als OK-Chef ist für ihn nicht nur bitter, sondern auch teuer.

Von Christian Fellner

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