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Wladimir Putin: Leben und Karriere des russischen Präsidenten

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Über 20 Jahren ist Wladimir Putin an der Spitze Russlands. Seitdem der Präsident seine Macht erweitert. Nicht nur im Ukraine-Krieg zeigt er sich radikal.

Moskau - Der russische Präsident Wladimir Wladimirowitsch Putin wurde am 7. Oktober 1952 in Sankt Petersburg, damals Leningrad, geboren. Die meisten Angaben zu seiner Kindheit finden sich in seiner Autobiografie, weshalb es immer wieder Zweifel an ihrer Korrektheit gibt. Seine Eltern waren die Fabrikarbeiter Maria Iwanowa Putina und Wladimir Spiridonowitsch Putin, welcher Anhänger der Kommunistischen Partei war. Laut Wladimir Putin habe die russisch-orthodoxe Maria Iwanowa ihren Sohn heimlich taufen lassen. Er war das dritte Kind der Familie, seine älteren Brüder starben bereits im Kindesalter. Die Familie lebte in ärmlichen Verhältnissen in einer kommunistischen Wohngemeinschaft und teilte sich Bad und Küche mit ihren Nachbarn.

Geburtstag07.10.1952
GeburtsortSt. Petersburg
NationalitätRusse
Größe1,70m
KinderMaria und Jekaterina
StudiumWirtschaftswissenschaften, Universität Leningrad

Wladimir Putins politische Anfänge und Werdegang

Als Kind fiel Putin negativ durch seine Verwicklung in Prügeleien auf. Sein Interesse für Kampfsportarten führte dazu, dass er Kenntnisse in Judo, Boxen und Ringen erwarb. Bis heute trainiert der Präsident regelmäßig Kampfsportarten. Inspiriert durch sowjetische Spionagefilme entwickelte der junge Putin schnell den Wunsch, Agent zu werden. Prompt bewarb er sich beim sowjetischen Geheimdienst KGB, begnügte sich aber vorerst mit einem Jura-Studium an der Universität Leningrad.

Während des Studiums trat Putin der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU) bei und absolvierte eine KGB-Ausbildung. Von 1985 bis 1990 arbeitete er im Auslandsressort des KGB in Dresden und kehrte nach der Auflösung der DDR zurück. Dort unterrichtete er Wirtschaftsrecht an der Universität Leningrad und freundete sich mit seinem früheren Professor Anatolij Sobtschak an. 1990 stellte dieser ihn als Berater ein, ein Jahr später wurde Sobtschak zum Oberbürgermeister von Sankt Petersburg gewählt. Damit wurde Putin zum Vorsitzenden des Städtischen Komitees für Auslandsbeziehungen ernannt. 1994 fiel ihm die Rolle des ersten Vizebürgermeisters von Sankt Petersburg zu. Als Sobtschak die Wahl 1996 verlor, trat auch Putin von seinem Amt zurück.

Studium und Plagiatsvorwürfe gegen Wladimir Putin

Stattdessen unterstützte er Boris Jelzin bei der russischen Präsidentschaftswahl und wurde im selben Jahr zum Stellvertretenden Leiter der Geschäftsführung des Präsidenten. In der Folge stieg er zum Stellvertretenden Chef der Präsidialverwaltung auf und war für die Durchsetzung von Gesetzen und Dekreten zuständig.

1997 promovierte Putin an der Hochschule Sankt Petersburg in Wirtschaftswissenschaften. Allerdings existieren zahlreiche Plagiats- und Betrugsvorwürfe gegen den Politiker, wonach er die Arbeit größtenteils abgeschrieben oder nicht selbst verfasst habe. 1998 übernahm Putin die Leitung des Geheimdienstes FSB, dem Nachfolger des KGB. Ein Jahr später wurde der aufstrebende Politiker zum Sekretär des Sicherheitsrates der Russischen Föderation ernannt.

Aufstieg zum Präsidenten der Russischen Föderation

Im August 1999 entließ der russische Präsident Boris Jelzin den damaligen Ministerpräsidenten Sergej Stepaschin und beauftragte stattdessen Wladimir Putin mit dem Amt. Damit stieg er zum zweitmächtigsten Mann in Russland auf. In diese Zeit fiel auch der Zweite Tschetschenienkrieg, der mit Terroranschlägen in der Moskauer Innenstadt begann. Der Ministerpräsident machte tschetschenische Terroristen für die Taten verantwortlich und erklärte ihnen öffentlich den Krieg. Durch die zunehmende Macht der Zentralregierung entwickelte sich das politische System Russlands währenddessen immer mehr von einer defekten zu einer gelenkten Demokratie.

Am 31. Dezember 1999 verkündete Jelzin überraschend seinen Rücktritt als Präsident der Russischen Föderation. Daraufhin war Putin geschäftsführender Präsident und leitete die Amtsgeschäfte bis zu den Präsidentschaftswahlen im März 2000. Im Volk war der Politiker aufgrund seines harten Durchgreifens im Tschetschenien-Krieg populär geworden und gewann die Wahl souverän mit 52,9 Prozent der Stimmen.

Moskau als Zentrum der Macht

Ein großer Schwerpunkt Putins war die Etablierung einer vertikalen Macht, die die Zentralregierung in Moskau wieder stärken sollte. In den Jahren davor hatten die Regionen Russlands immer metf5hr Autonomie gewonnen und verfolgten zum Teil separatistische Bestrebungen. Außerdem entmachtete er die Oligarchen Russlands, die seiner Ansicht nach zu viel Einfluss hatten.

Ukraine-Krieg: Wladimir Putin bei einer Pressekonferenz in Bischkek in Kirgistan am 13. Oktober 2023.
Über 20 Jahren ist Wladimir Putin an der Spitze Russlands. Seitdem hat der Präsident seine Macht stetig erweitert. Nicht nur im Ukraine-Krieg zeigt er sich radikal. © Pavel Bednyakov/Imago

Putin grenzte sich von der Amtszeit seines Vorgängers ab und verwies auf die Bedeutung der sowjetischen Regierung für die Geschichte Russlands. Sogar die Melodie der sowjetischen Nationalhymne wurde wiedereingeführt. Im schwelenden Tschetschenien-Konflikt griff der Putin derweil weiter hart durch. Im Juni 2000 stellte er die Republik per Dekret unter die direkte Verwaltung Russlands.

Zweite Amtszeit und Antritt als Ministerpräsident

Am 14. März 2004 wurde Wladimir Putin mit 74 Prozent der Stimmen erneut zum Präsidenten der Russischen Föderation gewählt. Allerdings stellten die staatlich gelenkten Medien im Voraus sicher, dass es nie wirklich einen ernsthaften Konkurrenten für Putin gab. Daraufhin setzte der Politiker eine weitere Stärkung seiner Machtbefugnisse durch. Unter anderem fiel es ihm fortan zu, Gouverneure vorzuschlagen, anstatt diese direkt wählen zu lassen. Auch die Wirtschaft Russlands förderte er weiter, die dank des steigenden Ölpreises einen überwältigenden Aufschwung erlebt hatte. Dadurch konnten auch die Lebensverhältnisse der Bevölkerung verbessert werden, was zu Putins Beliebtheit betrug.

Nachdem ein russischer Präsident laut Verfassung nur zwei Perioden in Folge im Amt bleiben darf, durfte Putin 2008 nicht erneut antreten. Stattdessen unterstützte er seinen engen Vertrauten, den bisherigen Vize-Ministerpräsidenten und Gazprom-Aufsichtsratsvorsitzenden Dmitri Medwedew, der die Wahl spielend gewann. Medwedew wiederum schlug Putin als Ministerpräsidenten vor, was das Parlament mit 87,1 Prozent der Stimmen absegnete. Der neue Präsident gehörte der Partei Einiges Russland an, die geschlossen hinter Putin steht und eine klare Mehrheit im Parlament hat.

Machterhalt als Ministerpräsident

Dem Ministerpräsidenten hatte Putin vor dem Machtwechsel mehrere neue Privilegien eingeräumt, wie etwa die Leitung der Gouverneure. Obwohl der Politiker also de facto zweiter Mann hinter Medwedew war, blieb er weiterhin der tonangebende Regierungschef. 2010 wurde durchgesetzt, dass die Amtszeit eines Präsidenten ab der nächsten Wahl sechs statt vier Jahre betragen würde.

Das Machtspiel wurde fortgesetzt, als Medwedew Putin im September 2011 als Nachfolger im Amt des Präsidenten vorschlug. Putin selbst bestätigte seine Kandidatur wenig später. Am 4. März 2012 wurde er im ersten Wahlgang in seine dritte Amtsperiode als Staatspräsident gewählt.

Die Ukraine-Krise und internationale Sanktionen

2013 verschärften sich die Beziehungen Russlands zur Ukraine, woraufhin es zur sogenannten Krim-Krise kam. Im März 2014 besetzte Russland die ukrainische Halbinsel Krim. Wenig später verkündete das russische Parlament, dass die Krim der Russischen Föderation beigetreten sei. Dem voran ging ein Referendum, bei dem offenbar 96 Prozent für diese Entscheidung gestimmt hätten. Putins Regierung wird außerdem vorgeworfen, absichtlich Unruhen geschürt zu haben, um den Nachbarstaat zu schwächen, indem sie pro-russische Separatisten im Osten der Ukraine militärisch unterstützt. Im Ukraine-Krieg kämpfen die Milizen weiter für die Abspaltung der „Volksrepubliken“ Donezk und Luhansk.

Die Annexion der Krim führte zu scharfen internationalen EU-Sanktionen gegen Russland. Putin wurde völkerrechtswidriges Handeln vorgeworfen. Die Vereinten Nationen gaben bekannt, dass das Referendum ungültig sei und die Krim weiterhin Teil der Ukraine sei. Zudem wurde Russland 2014 vom damaligen US-Präsidenten Barack Obama aus den G8 ausgeschlossen. Die wirtschaftlichen Sanktionen machten sich schnell am fallenden Kurs der russischen Währung Rubel bemerkbar. Putin wies die Schuld daraufhin dem westlichen Ausland zu.

Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine

2022 gipfelte der lange schwelende Konflikt in einem Angriff Russlands auf die Ukraine. In einer „militärischen Spezialoperation“ überfielen russische Truppen ukrainisches Gebiet entlang der gesamten Landesgrenze. Der Überfall, der sich eigentlich nur über wenige Tage ziehen sollte, konzentrierte sich hauptsächlich auf die Hauptstadt Kiew und sollte die vorherrschende Regierung um Präsident Wolodymyr Selenskyj stürzen. Der Plan eines Blitzkriegs ging jedoch nicht auf und ein vollumfänglicher Krieg zwischen den beiden Staaten entfachte. Die Kämpfe konzentrieren sich seither vor allem auf die Ost-Ukraine.

Mit dem völkerrechtswidrigen Angriffskrieg sorgte Putin erneut für internationale Empörung, die sich in weiteren Sanktionen gegen Russland und weitreichender Unterstützung für die Ukraine äußerte. Bundeskanzler Olaf Scholz sprach in diesem Zusammenhang von einer „Zeitenwende in der Geschichte unseres Kontinents“ und sicherte der Ukraine anhaltende Unterstützung zur Verteidigung gegen Russland zu.

Kontroversen um den Präsidenten Russlands

Wladimir Putin wird ein autoritärer Regierungsstil vorgeworfen, der mit einer Beschränkung der Presse- und Meinungsfreiheit sowie Verletzung von Menschenrechten einhergehe. Andersdenkende werden konsequent unterdrückt und verfolgt. Obwohl das russische Gesetz eine staatliche Zensur de facto verbietet, ist in der Realität das Gegenteil der Fall. Kreml-kritische Journalisten müssen laut der Nichtregierungsorganisation Reporter ohne Grenzen damit rechnen, verhaftet oder zum Opfer von Gewalt zu werden. Die meisten Medien sind gleichgeschaltet und berichten positiv über Staatspräsident Putin. Das russische Fernsehen untersteht der Regierung und widmet Putin gerne bis zu 80 Prozent der Sendezeit.

Seit 2014 besagt das russische Mediengesetz, dass der Anteil ausländischer Unternehmen an russischen Medien nicht mehr als 20 Prozent betragen darf. Dadurch gerieten kleinere, unabhängige Medien in finanzielle Schwierigkeiten. Auch kritische Websites und Blogs dürfen ohne Weiteres gesperrt werden. Mittlerweile können auch einzelne Journalisten und Blogger verschärft überwacht und als „ausländische Agenten“ eingestuft werden.

Aktivisten müssen in Russland um ihre „Freiheit, Gesundheit und ihr Leben fürchten“

Oppositionelle werden so gut wie möglich ausgeschaltet. So kommt es immer wieder zu willkürlichen Verhaftungen und politisch motivierten Verfolgungen. Als 2017 Proteste gegen Putin stattfanden, bei denen Zehntausende auf die Straßen gingen, wurden tausende Demonstranten von der Regierung verhaftet. Insbesondere junge Menschen wurden festgenommen und anschließend von ihren Lehrern als Staatsfeinde beschimpft.

Wladimir Putin während einer Eröffnungsfeier einer russischen Sportanlage. (Archivfoto)
Der russische Präsident Putin verfolgt einen radikalen Regierungsstil. Kritiker müssen mit Konsequenzen rechnen. © Aleksey Nikolskyi/Imago

Laut der Organisation Amnesty International wurde der Einsatz für Menschenrechte, insbesondere seit Putins dritter Amtszeit 2012, immer gefährlicher. Die Aktivisten müssten in Russland um ihre „Freiheit, Gesundheit und ihr Leben fürchten“, nachdem die Regierung immer aggressiver gegen sie vorgeht. Auch Minderheiten werden unterdrückt. Im Juni 2013 wurde ein Gesetz verabschiedet, wonach sich Homosexuelle nicht öffentlich zu ihrer Sexualität bekennen dürfen und auch Medien nicht öffentlich über Homosexualität berichten dürfen.

Putin will seine Macht um jeden Preis erhalten

Am 18. März 2018 setzte sich Wladimir Putin mit 76,6 Prozent der Stimmen abermals in der russischen Präsidentschaftswahl durch. Anfang 2020 kündigte er Verfassungsänderungen an, wonach der Ministerpräsident künftig mehr Befugnisse erhalte. Daraufhin gab Premierminister Dmitri Medwedew aus Protest den Rücktritt seiner Regierung bekannt. Das Gesetz sah weiter vor, dass die bisherigen Amtszeiten der russischen Präsidenten auf Null gesetzt würden, wodurch Putin weiter im Amt des Staatspräsidenten bleiben darf.

Das neue Gesetz wurde vom Parlament und dem Verfassungsgericht bereitwillig angenommen und trat am 18. März 2020 in Kraft – ohne die davor groß angekündigte „breite gesellschaftlichen Debatte“. Zum neuen Ministerpräsidenten wurde der parteilose Politiker Michail Mischustin ernannt. 

Familie und Privatleben des russischen Machthabers

Wladimir Putin war von 1983 bis 2014 mit der Linguistin Ljudmila Schkrebnewa verheiratet. Zusammen hat das Paar zwei Töchter namens Maria und Jekaterina, die die Deutsche Schule in Moskau und die Staatliche Universität Sankt Petersburg besuchten. Nach fast 30 Jahren Ehe gaben die Putins 2013 bekannt, dass sie sich einvernehmlich getrennt hatten. Davor waren sie fast ein Jahr nicht mehr zusammen in der Öffentlichkeit aufgetreten. Als Grund gaben sie an, sich aufgrund Putins Amt kaum mehr gesehen zu haben. Das Paar habe sich auseinandergelebt, außerdem habe die Deutschlehrerin Probleme mit dem Leben in der Öffentlichkeit.

Öffentlich ist wenig über die Töchter Putins bekannt. Allerdings wurde berichtet, dass sie im Ausland studierten, was der Politiker vehement dementierte. Beide hätten ausschließlich in Russland gelebt. Er sei allerdings stolz darauf, dass sie zwei bis drei Fremdsprachen beherrschen würden.

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