Das Abgründige im Glauben

- Die Frage, die Christian Görlitz in vielen seiner Filme beschäftigt, lautet: "Was ist gut, was böse?" In seinem Drama "Die Verlorenen", das die ARD heute zeigt, meinen Sektierer, Gutes zu tun, wenn sie böse Priester beseitigen. Regisseur Görlitz, selbst studierter Psychologe, schrieb das Drehbuch nach einem Roman von Hansjörg Schertenleib, der ihn auf Anhieb faszinierte.

Kirchenrevolutionäre

Doch Görlitz hält sich in seinem Film nicht streng an die Handlungsstränge des Romans "Die Namenlosen", darum gab er ihm auch einen anderen Titel. Vor allem auf das zentrale Ziel der Verschwörer aus dem Roman verzichtete er ganz - ein Attentat auf den Papst. "Das wäre eine andere Geschichte gewesen, und die hätte mich nicht so sehr interessiert", sagt er. Dagegen interessierte ihn, wie Opfer zu Tätern werden. Krista Notter etwa, die mit 16 von einem Priester ein Kind bekam, das dann zur Adoption freigegeben wurde.

Karoline Eichhorn spielt die junge Frau, die diesen Schock nie verwunden hat. Sie wird ein williges Opfer des charismatischen Sektierers und selbst ernannten Kirchenrevolutionärs Carlos (David Selvas), den ein eigenes Trauma plagt: Seine Schwester war einst an den Folgen einer klerikalen "Teufelsaustreibung" zugrunde gegangen. Jetzt sieht er es als sein gutes Recht an, mit einer brutal zusammengeschweißten Gefolgschaft eingeschworener Mittäter die Existenz schuldig gewordener Geistlicher zu zerstören.

Für die Produktion hatte der NDR auch einen spanischen Fernsehsender als Koproduzenten gefunden, so entstand ein Teil der Aufnahmen an der Costa Brava. Das jedoch ging nicht ohne Probleme mit den örtlichen Kirchenbehörden vonstatten, die das Drehbuch zunächst einmal hatten lesen wollen. "Wir haben keine Erlaubnis für Innenaufnahmen in Kirchen bekommen", erzählt Görlitz.

Das äußerste Extrem zur südlich leuchtenden Farbenpracht Spaniens ist die norddeutsche Kargheit und Düsternis der Landschaft an der Nordsee, wohin sich die endlich wach gewordene Krista flüchtet. Dafür war man ins Nordseebad St. Peter gezogen. Und hier kommt es zur tragischen Eskalation der finsteren Geschichte, die nach Görlitz' Ansicht allerdings nicht zu finster für ein breites Publikum ist.

Der hochsommerliche Sendetermin stört ihn ebenso wenig wie die anderthalb Jahre Wartezeit bis zur Sendung des schon 2004/05 entstandenen Films: "Gerade jetzt liegt er richtig. Wir haben eine wahre Welle neuer Gläubigkeit. Das lenkt aber auch den Blick auf das Abgründige im Glauben." Nicht ohne Grund fülle derzeit ein Film wie "The Da Vinci Code - Sakrileg" die Kassen. In ihm sieht Görlitz allerdings keine Konkurrenz. Er sagt selbstbewusst: "Ich bin froh, meinen Film gemacht zu haben und nicht den anderen."

ARD, heute, um 20.15 Uhr.

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