Abtauchen in eine andere Welt

München - Bis zu 28 Millionen Zuschauer saßen bei der Erstausstrahlung zwischen 1985 und 1989 vor den Bildschirmen, außer in Deutschland lief die Serie in nicht weniger als 43 Ländern. Die ZDF-"Schwarzwaldklinik" gilt als die bis heute populärste und erfolgreichste deutsche Unterhaltungsserie.

Kein Grund, die mehr als zwanzig Jahre alte Saga um Professor Klaus Brinkmann, dem Halbgott in Weiß, der alle großen und kleinen Wehwehchen seiner Patienten heilt, fortzuschreiben. Sagt der Mainzer Sender. Fans der Serie sehen das anders. Tanja Junginger (31) aus dem baden-württembergischen Grafenhausen und ihr "Schwarzwaldklinik"-Fanclub haben bereits knapp 16 000 Unterschriften gesammelt und suchen derzeit eine Produktionsfirma, damit es bald neue Folgen ihrer Lieblingsserie gibt.

-Warum wollen sie unbedingt, dass die "Schwarzwaldklinik" weitergeht? Gibt es nicht schon genug Arztserien im deutschen Fernsehen?

Andere Serien dieser Art schaue ich mir erst gar nicht an. Die "Schwarzwaldklinik" ist einfach Kult. Sie war die erste erfolgreiche deutsche Krankenhausserie, sie ist das Original. Damit kann für mich keine andere Serie konkurrieren. Das geht schon bei der schönen Landschaft los, den Figuren, die in der "Schwarzwaldklinik" vorkommen, den Geschichten, die erzählt werden. Das gibt es so nur einmal.

-Dafür, dass Sie die altehrwürdige "Schwarzwaldklinik" so heiß lieben, sind Sie ziemlich jung . . .

Ich war neun Jahre alt, als die Serie ausgestrahlt wurde. Ich bin in schwierigen Familienverhältnissen aufgewachsen. Bei mir gab es keine heile Welt. Aber durch die "Schwarzwaldklinik" habe ich diese heile Welt für mich gefunden, das war wie eine Ersatzfamilie für mich. Oberschwester Hildegard war mein Vorbild. Die hat gesagt, was sie will, und auf den Tisch gehauen. Das hätte ich als Kind auch gerne gekonnt.

-Ist dieses Konzept der "heilen Welt", in der alles gut ausgeht, im Fernsehen nicht längst ein alter Hut?

Wenn man heute den Fernseher anschaltet, sieht man so viel Mord und Totschlag. Viele Menschen haben doch sowieso einen hektischen Alltag, es passieren so viele schreckliche Dinge, da muss ich mir so etwas nicht auch noch im Fernsehen ansehen. Bei der "Schwarzwaldklinik" kann man einfach mal entspannen, abtauchen in eine andere Welt.

-Es hat sich aber doch einiges verändert seit den Achtzigerjahren. Das beginnt damit, dass nicht nur Hauptdarsteller Klausjürgen Wussow, sondern auch etliche andere Mitwirkende inzwischen verstorben sind...

Natürlich. Die jüngere Generation löst die ältere ab, wie in der Realität auch. Einiges müsste modernisiert werden. Aber das wäre möglich. Vor drei Jahren hat das ZDF ja bereits zwei Neuauflagen der "Schwarzwaldklinik" ausgestrahlt, in denen Sascha Hehn als neuer Chefarzt und Alexander Wussow als Oberarzt zu sehen waren. Das hat wunderbar funktioniert, und die Quoten waren gar nicht schlecht. Meiner Meinung nach hat das ZDF damit die Weichen für eine Fortsetzung gestellt.

-Das scheint das ZDF selbst aber anders zu sehen.

Ja, leider. Dabei geht es hier doch auch ganz klar um einen Zuschauerauftrag. Wir haben jetzt 16 000 Unterschriften von Leuten, die schließlich alle auch Rundfunkgebühren zahlen. Das darf man nicht vergessen. Das ZDF scheint seinen Auftrag als öffentlich-rechtlicher Sender nicht sehr ernstzunehmen. Trotzdem hoffen wir immer noch, dass es sich der Sender und auch "Schwarzwaldklinik"-Produzent Wolfgang Rademann noch einmal anders überlegen.

-Und wenn nicht?

Wir suchen gerade zusammen mit Günther Gütersloh, dem früheren Gesamtverantwortlichen für die Dreharbeiten, eine neue Produktionsfirma. Erste Anfragen sind schon eingegangen und werden derzeit geprüft.

-Haben Sie denn keine Bedenken, dass eine Fortsetzung nur ein billiger Abklatsch des Originals werden würde?

Nicht mit Günther Gütersloh an unserer Seite. Der wird schon dafür sorgen, dass hier kein minderwertiges Produkt entsteht, sondern wirklich eine Fortsetzung der "Schwarzwaldklinik".

Auch stehen einige Schauspieler mit ihrem Namen für Qualität. Sascha Hehn und Alexander Wussow unterstützen unsere Aktion, ich denke, auch Barbara Wussow würde mitmachen. Und viele andere Darsteller von damals auch.

-Hand aufs Herz - Glauben Sie wirklich, dass es eine Fortsetzung geben wird?

Ja. Die Resonanz ist groß. Da schaue ich ganz positiv in die Zukunft. Und wenn es wirklich klappt, dann gibt es eine ganz große "Schwarzwaldklinik"-Party!

Das Gespräch führte Melanie Brandl.

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