Berliner Flughafen BER soll im Oktober 2020 in Betrieb gehen

Berliner Flughafen BER soll im Oktober 2020 in Betrieb gehen

(Ab-)Wege zum Bildschirmglück

- Wer kam, wer ging, was wurde zum großen Erfolg, was hat man schon vergessen? Ein - nicht ganz ernst gemeinter Rückblick auf die Namen und Ereignisse des Jahres in der deutschen Fernsehlandschaft.

Abenteuer Mittelalter" - das jüngste Erzeugnis des Genres "Gelebte Geschichte" im Ersten. Wer gerade nichts Besseres zu tun hat, lässt das Handy und die Waschlotion daheim, hüllt sich in grobes Leinen und bibbert für ein paar Wochen hinter dicken Mauern. Die Erkenntnisse aus solchen Reisen in die Vergangenheit lassen sich in dem Satz "Früher war das Leben härter" zusammenfassen. Nur böse Zungen behaupten, eine öffentlich-rechtliche Reihe wie "Abenteuer Mittelalter" unterscheide sich nur wenig vom "Big Brother"-Klon "Die Burg" (Pro Sieben).

Baur, Gracia - den nationalen Vorentscheid zum Eurovision Song Contest konnte die Münchnerin noch knapp für sich entscheiden. Beim Finale in Kiew jodelte sich die Sängerin mit "Run And Hide" für Deutschland auf den letzten Platz.

Der "Bundesvision Song Contest" Stefan Raabs (Pro Sieben) dagegen demonstrierte, dass eine Parodie des angestaubten Schlagerwettbewerbs nicht nur viel Spaß machen kann, sondern auch noch die besseren Ergebnisse bringt.

Connor, Sarah - der Sängerin reichen die Kameras auf der Bühne nicht aus, sie und Ehemann Marc Terenzi ließen sich für Pro Sieben auch gerne zu Hause filmen. Und bewiesen, dass auch perfekte Inszenierungen langweilen können.

Domino Day" - dem Fallen von Dominosteinen zuzusehen kann abendfüllend sein. Jedoch bestimmt der übertragende Sender, wann in der Halle der erste Stein fällt - und nicht etwa ein Spatz, der sich dorthin verflogen hat. Deswegen schoss RTL den Vogel ab.

Drexel, Ruth - eine charismatische Schauspielerin wertet auch durchschnittliche Drehbücher auf. Das Debüt der "bayerischen Miss Marple" in "Agathe kann's nicht lassen" (ARD) kam gut an.

Emig, Jürgen - verdiente offenbar nicht gut genug als Sportchef des Hessischen Rundfunks (HR), war deshalb gern bereit, gegen etwas Kohle extra auch Vertretern weniger populärer Sportarten zu Fernsehauftritten zu verhelfen. Jetzt ermittelt der Staatsanwalt.

Fliege, Jürgen - machte nach fast zwölf Jahren dieselbe bei der ARD, natürlich nicht ganz freiwillig. Statt Lebensberatung gibt's um diese Zeit nun eine Seifenoper. Taschentücher sind auch hier nötig.

Gottschalk, Thomas - auch im vergangenen Jahr wieder Quotengarant des ZDF, allerdings nur, wenn er "Wetten, dass . . . ?" präsentiert.

Hagen Boßdorf - übte einst den Stechschritt im DDR-Wachregiment "Feliks Dzierzynki". Beim Durchmarsch auf den Posten des NDR-Sportchefs geriet er jedoch ins Stolpern. Der Sender entschied sich unter dem Druck der Medien, Hinweise auf eine Verstrickung des Journalisten in Aktivitäten der Stasi vielleicht doch ernst nehmen zu sollen.

Information - wird bei der ARD kräftig gekürzt. Die Politmagazine des Senderverbundes dauern künftig jeweils nicht mehr eine Dreiviertel-, sondern nur noch eine halbe Stunde.

Jetzt red i" - rares Beispiel für ein Format, bei dem nicht die immer gleichen Politiker und Experten, sondern einfache Bürger öffentlich (-rechtlich) sagen dürfen, wo sie der Schuh drückt. Tilman Schöberl löste heuer als Moderator des BR-Klassikers den legendären Dietmar Gaiser ab.

Kabale und Liebe" - ZDF und 3 sat ließen Leander Haußmann Schillers Drama fürs Fernsehen inszenieren und kehrten damit für einen Moment zu den Anfängen des Mediums zurück, als solche Klassiker-Adaptionen noch üblich waren. Sehenswert.

Literarisches Quartett" - es wird nur noch zu runden Dichtergeburts- oder -todestagen gespielt. Bei der Bewertung von Werken eines Thomas Mann oder eines Friedrich Schiller sind sich die Streithähne von einst stets ziemlich einig.

"Luftbrücke, Die" - Geschichten aus der (jüngeren) deutschen Geschichte, in denen es ordentlich menscheln soll, haben im Fernsehen Konjunktur. Der SAT 1-Zweiteiler mit dem hauptamtlichen Heldendarsteller Heino Ferch erwies sich in diesem Sinne allerdings als Luftloch.

Marias letzte Reise" - der mehrfach ausgezeichnete Fernsehfilm mit Monica Bleibtreu in der Titelrolle beweist, dass die Sender ihrem Publikum im fiktionalen Bereich auch einmal etwas anderes als die so genannte "Heile Welt" zumuten können.

Moik, Karl - seine Stimmung ist im Keller. Die ARD kündigte ihm aus Altersgründen als Moderator des "Musikantenstadls". Der 67-Jährige kommentierte seine Ablösung verbittert als "Entscheidung besser verdienender Herren". Die Inauguration von Mross, Stefan als neues ARD-Gesicht im Genre des organisierten Frohsinns lässt befürchten, dass nichts Besseres nachkommt.

Müller-Hohenstein, Katrin - das ZDF leistet sich nach mehreren Jahren wieder eine Moderatorin für das "Aktuelle Sportstudio". Wer da auf fatale Versprecher lauert, ist doof.

Nacht der großen Flut" - nicht etwa das Synonym für ein "Best of" Sabine Christiansen nach 0 Uhr, sondern Titel eines dokumentarischen ARD-Fernsehspiels über die Hamburger Sturmflut im Jahr 1962. Präzise, unprätentiös - und berührend.

Ottfried Fischer - der "Bulle von Tölz" ist nicht nur bei SAT 1, sondern auch beim Bayerischen Rundfunk fest im Geschirr und demonstriert mit "Ottis Schlachthof" (der heuer zum 100. Mal auf Sendung war), dass die Zeiten vorbei sind, in denen die Münchner Anstalt ihre Zuschauer vor guter Satire schützen musste.

Premiere - der Chef des Bezahlfernsehsenders, Georg Kofler, pokerte hoch um die Übertragungsrechte an den Spielen der Bundesliga. Und verlor. Jetzt wird beim Münchner Pay-TV-Kanal bereits über eine Namensänderung nachgedacht. In der engeren Wahl ist auch "Derniere".

Quote - auch 2005 das Maß aller Dinge.

Reiber, Carolin - erlitt das Schicksal Karl Moiks. Das ZDF schob die 65-jährige Moderatorin volkstümlicher Musiksendungen aufs Abstellgleis. Auch der Mainzer Sender stellt also bei der Zielgruppenbetreuung von Altenpfleger(inne)n auf Zivis um.

Schleichwerbung - schlich sich in so manche Sendung der öffentlich-rechtlichen wie auch der privaten Anbieter. So wurde im Ersten eine Soap zum Reisemagazin, eine Krankenhausserie mutierte zur Apothekenumschau. Dass die verantwortlichen Redakteure das Product Placement in diversen "Tatort"-Krimis zunächst nicht entdeckten, kann nur damit zu tun haben, dass die Fälle der Fernsehermittler alle so schrecklich spannend waren.

"Schwarzwaldklinik" - die Legende lebt, auch wenn an den Hauptdarstellern der Zahn der Zeit genagt hat. Insbesondere für den einstigen Star Klausjürgen Wussow alias Professor Brinkmann gilt die Devise "Spielen, bis der Arzt kommt".

"Speer und Er" - dokumentarisches ARD-Fernsehspiel von Heinrich Breloer mit dem überragenden Sebastian Koch in der Hauptrolle. Qualität und großes Publikum müssen sich nicht zwangsläufig ausschließen.

Sodann, Peter - wäre gerne für die PDS für den Bundestag eingezogen. Das wollte der Mitteldeutsche Rundfunk nicht und drohte, den 69-Jährigen nicht mehr für den Posten eines ARD-"Tatort"-Kommissars aufzustellen. Daraufhin entschied sich der Schauspieler gegen Rot und für Blau(-Licht).

Talk der Woche" - SAT 1 wollte die Tradition des Polittalks am Sonntagabend wiederbeleben. Doch Altmeister Erich Böhme wird sich vermutlich mit der gepunkteten Krawatte Augen und Ohren zugehalten haben. Moderatorin Bettina Rust brachte das Gespräch nicht über das Niveau eines Pläuschchens an der Supermarktkasse hinaus. Der Sender reagierte schon bald . . .

"Telenovela" - das Format des Jahres. Ihrem Bildungsauftrag gemäß überboten sich die Öffentlich-Rechtlichen im Platzieren so vielversprechender Serien wie "Sturm der Liebe", "Julia - Wege zum Glück" oder "Sophie - Braut wider Willen". Für das kommende Jahr sind unbestätigten Gerüchten zufolge unter anderem geplant "Bräute der Liebe", "Glück - Wege zu Julia" und "Julia - Sophie wider Willen".

Untergang, Der" - Bernd Eichingers Kinofilm mit Bruno Ganz, dem zweitbesten "Führer"-Darsteller nach Adolf Hitler, war im Herbst auch im Fernsehen zu sehen, als "Director's Cut", bei dem es noch ein wenig länger dauert, bis endlich die Russen kommen.

Von der Tann, Hartmann (ARD) und Brender, Nikolaus (ZDF) - die beiden Chefredakteure bewiesen bei der denkwürdigen "Elefantenrunde" nach der Bundestagswahl im September, dass Journalisten nicht notwendigerweise vor Politikern kuschen müssen, sondern auch einen amtierenden Kanzler in die Schranken weisen können, wenn es geboten erscheint.

Wind Of Change" - von den "Scorpions" ist der Lieblingshit der Deutschen aus einheimischer Produktion. Das ermittelte das ZDF. Ob sich in der Entscheidung der Zuschauer für diesen Titel wohl auch die Bereitschaft zur Veränderung widerspiegelt?

Wickert, Ulrich und Will, Anne - moderieren die "Tagesthemen" jetzt stehend, was bei Ersterem, wohl ohne dass die ARD dies beabsichtigt hätte, hörbar auch der Versprechensbekämpfung dient.

XYungelöst - der ZDF-Dauerbrenner muss noch lange im Programm bleiben, sonst ist diese Chronik unvollständig.

Zeiler, Gerhard - der Chef der RTL-Gruppe schickte nach nur drei Monaten RTL-Geschäftsführer Marc Conrad in die Wüste. Conrad habe keine Konzepte präsentieren können, lautete der Vorwurf. Inzwischen hat der Übervater des Konzerns Anke Schäferkordt mit der Leitung des Kölner Privatsenders betraut. Doch eine Personalentscheidung ist noch lange keine Programminnovation.

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