Ätzender Sarkasmus

- Sein Markenzeichen ist Respektlosigkeit. Seit einem Vierteljahrhundert bringt David Letterman Prominente aller Couleur auf seiner Couch zum Schwitzen. Amerika liebt, seine Gäste fürchten das Schandmaul aus der "Late Show" wegen seiner unverblümten Fragen und seines ätzenden Sarkasmus. Letterman, so scheint es, ist nichts heilig. Obwohl von vielen Kollegen ­ in Deutschland vor allem von Harald Schmidt ­ nachgeahmt, ist der einstige Komödiant in seiner frechen, unberechenbaren Art unerreicht. Heute feiert Letterman seinen 60. Geburtstag.

Der Sohn eines Blumenhändlers aus dem US-Bundesstaat Indiana hatte erstmals am Radiosender seiner Universität von sich reden gemacht. Eine lokale Fernsehstation beschäftigte ihn dann als Moderator ­ unter andererem fürs Wetter. Doch schon damals setzte sich Letterman über Regeln hinweg, erfand Städte, die von Hagelkörnern "in der Größe von Dosenschinken" heimgesucht wurden, und beglückwünschte einen tropischen Sturm "zum Aufstieg in den Rang eines Hurrikans".

Dass es dem Sender bald zu bunt wurde, war nicht anders zu erwarten. Letterman zog nach Los Angeles, um dort Bücher für Sitcoms zu schreiben. Dabei fiel er schließlich dem Team um Johnny Carson auf. So erfüllte sich der Traum, einmal in die Fußstapfen seines Idols zu steigen, früher als gedacht. Von 1978 an vertrat Letterman den berühmten Gastgeber der "Tonight Show" regelmäßig. Bald darauf bot ihm NBC einen Sendeplatz im Anschluss an Carsons Plauderstündchen an. Schnell wurde seine "Late Night with David Letterman" zum Inbegriff des subversiven Fernsehens. Doch als sich Altmeister Carson im Jahr 1992 ziemlich unerwartet verabschiedete, machte NBC nicht den von diesem favorisierten Letterman, sondern Jay Leno zu seinem Nachfolger.

Deprimiert verließ Letterman den Sender und übernahm bei CBS zeitgleich mit Leno die "Late Show". Und schon innerhalb weniger Monate hatte er den Konkurrenten überflügelt und mit 5,5 Millionen mehr Zuschauer, als selbst Carson zuletzt erreichen konnte. Für die Massentauglichkeit hatte Letterman aber auch Opfer bringen müssen. So wurden sein Haarschnitt und seine Garderobe aufgepeppt, die Gäste etwas weniger schrill, die Musik einem größeren Publikum zumutbar.

Zwischenzeitliche Ermüdungserscheinungen, schlechte Kritiken für die Präsentation einer Oscar-Gala und die Folgen einer schweren Herzoperation scheinen überwunden. CBS verlängerte seinen Vertrag bis 2010. Und selbst bei Regen und Eis stehen seine Fans ­ wie eh und je ­ schon vor Morgengrauen am New Yorker Broadway Schlange, um den Kulttalker in der "Late Show" persönlich zu erleben.

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