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Bessere Zeiten? Im vergangenen Jahr war die AfD noch häufiger in Polittalkshows vertreten, hier Beatrix von Storch (li.) bei Anne Will im Ersten. 

Parteichef Meuthen verärgert

AfD-Politiker - unbeliebte Gäste in Talkshows?

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Nicht weniger als 26 Mal saßen im vergangenen Jahr Vertreter der AfD in den Polittalkshows von ARD und ZDF. Im laufenden Jahr waren es gerade einmal vier, die Letzte war Beatrix von Storch am 11. Mai. Das ärgert Parteichef Jörg Meuthen.

München - Beatrix von Storch redet schnell, denn sie muss aufholen. Die Hälfte der Spezialausgabe von „Maybrit Illner“ im ZDF ist schon rum, dann endlich, bei Sendeminute 43, kommt die stellvertretende AfD-Vorsitzende zu Wort. Sie redet von kriminellen Zuwanderern, fehlendem Respekt gegenüber Polizisten, der Notwendigkeit konsequenter Abschiebungen. Innere Sicherheit also – eines der Lieblingsthemen der AfD. Bei ihrem Auftritt gibt es aber einen Haken. Von Storch darf jetzt zwar mitreden, doch nicht mitdiskutieren. Sie wird separat an einem Stehpult neun Minuten lang befragt. Immerhin, könnte man heute sagen. Momentan sind gar keine AfD-Politiker mehr in den Gesprächsrunden zu sehen.

Der Auftritt heuer am 11. Mai war der vierte und bislang letzte eines AfD-Politikers in den Polittalkshows im Ersten und im ZDF. Vergangenes Jahr um diese Zeit waren es 14. Die Partei poltert – und will sich notfalls in die Sendungen klagen. „Der öffentlich-rechtliche Rundfunk muss der AfD wie jeder anderen Partei eine Chancengleichheit der medialen Berücksichtigung einräumen“, sagt Bundessprecher Jörg Meuthen unserer Zeitung. Insbesondere in den vergangenen Monaten sei das nicht der Fall gewesen.

Heuer häufig Auslandsthemen: Brexit, Wahl in Frankreich, Trump

Zieht man die Sonntagsfrage als Vergleichswert heran, kommt die AfD in der Tat schlecht weg. Bei der Wahl bekäme sie derzeit etwa neun Prozent der Stimmen, in den 79 Gesprächsrunden bis zur Sommerpause stellte sie aber nur zwei Prozent der politischen Gäste. Bei den anderen Parteien stimmte der Proporz eher – auch bei der FDP, die wie die AfD nicht im Bundestag vertreten ist. Gibt es also eine öffentlich-rechtliche Verschwörung gegen die AfD? Soll die Partei totgeschwiegen werden?

Bei den Sendern weist man die Vorwürfe zurück. Man wähle nach journalistischen Kriterien aus, „die Redaktionen entscheiden selbst, welche Gäste sie zu welchen Themen einladen“, sagt ARD-Chefredakteur Rainald Becker. „Über eine längere Zeitachse gesehen, gleicht sich das entsprechend den Mehrheitsverhältnissen wieder aus.“ Vorschriften oder Quotierungen gebe es nicht. Im Ersten geht es um die Sendungen „Anne Will“, „Menschen bei Maischberger“ und „Hart aber fair“, im ZDF um „Maybrit Illner“.

Tatsächlich wurden heuer häufig Auslandsthemen behandelt – der Brexit, die Wahl in Frankreich, die Politik des türkischen Staatschefs Recep Tayyip Erdogan und die von US-Präsident Donald Trump. Im vergangenen Jahr, als die AfD noch 26 Auftritte hatte, war die Themenlage anders – Zuwanderung, Islam, Terrorismus. Die Partei erwartet trotzdem mehr Präsenz, sonst werde man „juristische Mittel prüfen und einsetzen“, sagt Meuthen. Die ARD ist gelassen – Rechtsansprüche gebe es nicht.

Jörg Meuthen, AfD-Bundessprecher, erwägt eine Klage.

Nicht jeder Einladung folgt auch ein Auftritt. So habe Spitzenkandidatin Alice Weidel auch vereinzelt Einladungen ausgeschlagen, da es „vor allem um ihr Privatleben und um innerparteiliche Querelen gehen sollte“, wie AfD-Pressesprecher Christian Lüth einräumt. Für August und September habe sie bisher drei Einladungen erhalten und auch angenommen.

Worum geht es den Zuschauern?

Und worum geht es den Zuschauern? Wohl eher um die Köpfe als um die Themen. Zur Auswahl der Gäste erhalte man „täglich eine Vielzahl an Zuschauerstimmen – positive wie negative“, heißt es vom Management von „Anne Will“. Laut ARD-Programmdirektion gehen die Meinungen gerade bei der AfD auseinander. „Die einen sehen sie unterrepräsentiert, die anderen werfen uns vor, die AfD salonfähig zu machen.“ Die Antwort laute dann, dass die Politiker eben je nach Thema „unterschiedlich profiliert sind“.

Im Internet gibt es Statistiken, welcher Politiker wann, wo und wie oft zu sehen ist. Spitzenreiterin im Jahr 2016 war Sahra Wagenknecht (Linke) mit neun Auftritten, vor Markus Söder (CSU), Katja Kipping (Linke) und Thomas Oppermann (SPD). Sieger in den drei Jahren zuvor war Wolfgang Bosbach (CDU).

Den Abseits-Auftritt von Beatrix von Storch im Mai erklärt Moderatorin Maybrit Illner übrigens direkt in der Sendung. Drei Tage vor der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen dürften mit CDU, SPD, Grünen und FDP die vier Parteien in die Runde, die bereits im Landtag vertreten sind. AfD und Linke sollten ein Streitgespräch am Rande führen. Die Linken-Politikerin hatte aber kurzfristig abgesagt.

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