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Möchte in Stockholm antreten: Alex Diehl.

Interview

Alex Diehl: „Ich bin sehr stolz auf dieses Land“

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München - Es sei „Nur ein Lied“, so hat Alex Diehl das Video tituliert, das er nach den Pariser Anschlägen online stellte. Seitdem wurde es millionenfach angeklickt. Heute ist der 28-jährige Traunsteiner um 20.15 Uhr in der ARD zu sehen und zu hören, wenn „Unser Lied für Stockholm“ gesucht wird. Ein Gespräch über Superhelden und die Angst vor null Punkten.

Kürzlich haben Sie sich für die Schulkantine Traunstein eingesetzt. Soziales Engament ist für Sie nicht nur ein leeres Wort, oder?

(Lacht herzlich.) Ja, ich bin ein bissel Gerechtigkeitsfanatiker. Wenn ich Zeit habe für so etwas, bin ich immer dabei. Ich bin riesiger Fan von Superhelden, von Marvel Comics. Als Kind habe ich mir oft Bleistifte zwischen die Knöchel gespannt und einen auf Wolverine gemacht. So habe ich abends vorm Bett gekniet und gebetet: Wenn ich morgen aufwache, dann kann ich doch bitte endlich fliegen. Und wenn ich morgens aufgewacht bin, dachte ich wirklich: So, und jetzt schwebe ich überm Bett.

Das ist aber nie passiert?

Leider nein. (Lacht.) Irgendwann habe ich dann auch verstanden, dass das alles nichts wird – und hab’ stattdessen angefangen, Musik zu machen. Und auf einmal kamen da Menschen jeden Alters auf mich zu und sagten: „Wow, was für ein tolles Lied, kann ich das haben?“ Oder sie haben mir auf die Schulter geklopft, haben mich beiseite genommen und gesagt: „Danke für den großartigen Song!“ Da dachte ich mir: Musik ist doch auch ’ne tolle Superkraft, dann werde ich halt Musiker. (Lacht.)

Jetzt kommt der Eurovision Song Contest. Wird Ihr Song das neue „Ein bisschen Frieden“ sein?

Keine Ahnung! Die Lieder unterscheiden sich natürlich grundsätzlich: „Ein bisschen Frieden“ ist extra für diese Veranstaltung komponiert worden. Von einem großen Team und aus einem kommerziellen Gedanken heraus. Das war bei mir überhaupt nicht der Fall. Ganz im Gegenteil, es ist weder musikalisch, noch gesanglich meine Glanzleistung. Es ist eigentlich nur... (Pause) ... ein Lied! (Lacht.)  Wer den Text genau hört, weiß, dass es mit den Attentaten in Paris nicht so viel zu tun hat, sondern eigentlich geht es um unsere Flüchtlingspolitik und die Menschen, die zu uns kommen.

Wenn Ihre Vorbilder Superhelden sind, möchten Sie dann heute Abend unbedingt gewinnen?

Der einzige Grund, warum ich gewinnen möchte, ist die Möglichkeit, dass ich vor ganz Europa Mitmenschlichkeit repräsentieren kann – als nicht perfekter Mensch, der offensichtlich kein ESC-Castingstar-Lederjacken-Typ ist, sondern jemand, der sich wirklich interessiert für die Menschen und der viel Energie dafür aufwendet, etwas zu verändern.

Sollten Sie nach Stockholm reisen, repräsentieren Sie das Land. Spüren Sie Verantwortungsdruck?

Ja, ich bin mir der Verantwortung bewusst. Ich bin mir auch der Ehre bewusst, sollte es passieren. Ich fände es großartig, wenn sich Deutschland das traut, so eine Botschaft abzuschicken. Für mich gäbe es in Zeiten wie diesen keinen anderen Song, den ich dort singen wollte. Ich weiß, dass über Deutschland gerade sehr heiß diskutiert wird und es auch umstritten ist auf EU-Ebene – gerade wegen unserer Flüchtlingspolitik. Wir sind nicht überall beliebt. Aber genau deshalb würde ich jetzt hingehen und sagen: So, und jetzt erst recht. Ich bin sehr stolz auf dieses Land und die Politik von Angela Merkel. Ich find’ das menschlich gesehen großartig. Dass wir hergehen und sagen: Nein, wir definieren keine Obergrenze, nein, wir machen keine Grenzen dicht, nein, wir schießen nicht auf Menschen. Ich bin stolz, dass so viele Leute das unterstützen.

Sie sind Idealist – aber Sie wollen doch auch sicher für sich punkten. Wie wäre es, wenn Sie keine Punkte erhalten würden?

Ich bin jetzt ganz ehrlich: Es ist mir völlig egal. Viele von denen, die nominiert sind, sagen: „Mein größter Traum war es, beim ESC teilzunehmen.“ Nee, war es für mich nie. Ich habe nie daran gedacht, dort teilzunehmen. Doch mit dem Song ist es mir nicht egal. Ich würde mich sehr freuen, wenn ich nach Stockholm fahren dürfte, um genau das dort zu singen. In der Hoffnung, dass viele Europäer Deutschland in einem anderen Licht sehen. Ich habe keinen Konkurrenzgedanken und keine Angst vor null Punkten.

Woher nehmen Sie diese Selbstsicherheit?

Ich mache das jetzt einfach schon zu lange. Ich hab’ so viel Kritik geerntet. Ich komme aus einem kleinen Dorf – da ist das, was ich jetzt tue, eine Utopie. Das ist wie vom DJK Otting zu kommen und Profistürmer beim FC Bayern zu werden – das ist ’ne Utopie, dieser Traum, den ich mir zu erfüllen versuche. Nämlich, ein bedeutender Musiker in Deutschland zu werden, der etwas gibt, was Menschen brauchen könnten. Der etwas bedeuten kann. Das ist ein großer Antrieb. Und ich glaube, dass ich das bin und den Leuten auch vermittele – dass das hier keine Show ist. Deshalb habe ich keine Angst davor, dass es nicht erfolgreich ist. Sich darüber ärgern können dann andere. (Lacht.)

Das Gespräch führte

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