Wie Alice im Wunderland

Roger Cicero über den Grand Prix: - Sein Album "Männersachen" war eine der Überraschungen des vergangenen Jahres. Roger Ciceros Mischung aus klassischem Swing und augenzwinkernden Macho-Texten eroberte auch die Herzen der Frauen. Beim Vorentscheid zum Eurovision Song Contest vergangene Woche überraschte der 36-jährige Berliner, der Jazzgesang, Klavier und Gitarre studiert hat, aber doch.

Haushoch schlug er da die Konkurrenz. Am 12. Mai wird er in Helsinki mit der Startnummer 16 antreten.

Beim Vorentscheid zum Song Contest gab‘s lange Gesichter bei den Favoriten "Monrose". Sie haben die Mädels klar geschlagen, dabei machen die die weitaus "zeitgemäßere Musik". Wie kam‘s?

Roger Cicero: Man müsste sich mal fragen, was überhaupt "zeitgemäß" bedeutet. Ich glaube, da werden die Regeln gerade neu geschrieben. Wir haben das Jahr 2007, und es gibt nichts, was nicht schon da war. Einfach nur immer die gleichen Grooves mit anderen Sounds zu unterlegen - so wird die Musik auch nicht neu erfunden. Ich glaube, mittlerweile sind wir an einem Punkt, wo alles geht. Das Interessante ist, verschiedene Sachen miteinander zu verbinden, Pop und Big-Band-Sound zum Beispiel.

Hätten Sie sich je vorgestellt, beim Eurovision Song Contest aufzutreten? Sie haben wohl eine fundiertere Ausbildung als die allermeisten Ihrer Konkurrenten.

Cicero: Nein, ich habe mir das nie vorgestellt. Schon die Vorstellung, am Vorentscheid teilzunehmen, war für mich unendlich weit weg. Geschweige denn, den zu gewinnen. Das ist jetzt alles ein bisschen Alice-im-Wunderland-mäßig.

Was sind Ihre ersten Erinnerungen an den Grand Prix?

Cicero: Als im Jahr 1982 Nicole gewonnen hat, saß ich als kleiner Junge mit großen Augen vor dem Fernseher und war sehr, sehr begeistert. Ich habe damals schon mitbekommen, dass der Grand Prix eine große Sache ist. Später gab es sicherlich auch mal Phasen, in denen ich das alles nicht mehr so interessant fand und eher die Nase gerümpft habe. Aber wissen, wer gewonnen hat, wollte ich doch immer.

Wie erklären Sie sich, dass Ihr klassischer Swing so eingeschlagen hat?

Cicero: Anscheinend ist das aufgegangen, was wir uns überlegt hatten. Ich denke, einen sehr großen Anteil haben die Texte - sie werden verstanden. Die Leute werden doppelt angesprochen, einerseits durch die Texte, andererseits durch die doch sehr mitreißende Musik. Es ist eine sehr lebendige und improvisationsfreudige Musik.

Ihre Texter haben Ihnen die Rolle des charmanten Macho auf den Leib geschneidert. Können Sie sich damit identifizieren?

Cicero: Es ist ja nicht so, dass ich die Texte im Studio bekomme und es heißt: "Jetzt sing mal!" Ich war am Entstehungsprozess beteiligt. Sagen wir mal so: Diese klassische Macho-Attitüde finde ich überhaupt nicht zeitgemäß. Aber ich fühle mich in meiner Rolle als Mann schon sehr wohl. Das ist vielleicht in den letzten Jahren mit der Emanzipation ein bisschen ins Hintertreffen geraten - ein neues Männerselbstbewusstsein. Das ist völlig in Ordnung, solange dabei eine gewisse Selbstironie nicht fehlt.

Mit den Zeilen "Wenn es geht, bleibe unkonkret./Ja, denn damit machst du nichts verkehrt./Bloß keine Fakten, du bist schließlich nicht die Auskunft./Sie will halt reden, nur das ist ihre Natur." geben Sie Männern Tipps, wie man sich in Beziehungsdingen "rauslaviert". Welche Reaktionen kriegen Sie da von Frauen?

Cicero: Die sind sehr unterschiedlich. Aber viel positiver, als ich befürchtet habe. (Lacht.) Manche sagen vielleicht: "Na, na, das ist jetzt aber frech!" Aber die meisten Frauen finden das lustig und in Ordnung, weil sie merken, dass ich es eben nicht hundertprozentig ernst meine. Und wenn man mich live erlebt, dann kommt das noch viel mehr rüber.

Ihre Zielgruppe ist schätzungsweise so um die 30 und Single?

Cicero: Der harte Kern des Publikums ist zwischen 25 und 35, das ist schon richtig. Aber ich habe auf Konzerten auch sehr, sehr viele Kinder im Publikum. Da sitzen auch ganz viele Teenies und junge Mädchen. Ich habe manchmal ganze Familien im Publikum.

Kann man mit familienfreundlicher Unterhaltung den Grand Prix gewinnen? Bei den letzten Siegern, "Lordi", war da doch einiger Rabatz dabei.

Cicero: Aber wenn man bei denen die Augen schließt und sich nur den Titel anhört, dann ist das ‘ne Glam-Rock-Nummer vom Feinsten. Eine sehr eingängige Melodie, ein sehr mitsingbarer Song - also im Grunde typisch für den Song Contest. Nur die Masken waren ungewöhnlich.

Sie müssen ja nicht wie "Lordi" auftreten. Aber haben Sie sich schon ein Showelement überlegt?

Cicero: Ich glaube, es wäre falsch, wenn Deutschland mich sieht und denkt: "Hoppla, kennen wir den?" Ich werde mich nicht neu erfinden. Ich bin, was ich bin - ein Swingsänger. Feuerspeier wären, glaube ich, keine gute Idee.

Das Gespräch führte Johannes Löhr.

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