+
Sie riskiert alles für ihren Hajo: Birgit „Biggi“ Lohmann (Katharina Marie Schubert). 

„Falscher Hase“

Alles andere als ein klassischer Krimi: TV-Kritik zum Tatort aus Frankfurt

Beim Krimi am Sonntag in der ARD war für die Zuschauer schon wenige Minuten nach Beginn klar, was es mit dem Fall auf sich hat. TV-Kritik zum Tatort „Falscher Hase“ aus Frankfurt.

Grau und kalt ist dieser Frankfurter November. Und als wäre das nicht genug, ist im Polizeipräsidium auch noch die Heizung ausgefallen. Da kommt der Ruf an einen neuen Tatort für die Kommissare Anna Janneke (Margarita Broich) und Paul Brix (Wolfram Koch) mehr als recht. Er führt sie in eine Firma für Solartechnologie, wo – natürlich – eine Leiche gefunden wurde. Ansonsten ist dieser „Tatort: Falscher Hase“ aus Hessen alles andere als ein klassischer Krimi.

Drehbuch und Regie verantwortet die vielfach ausgezeichnete Emily Atef, die hier eine mehr als gelungene Hommage an den Kinoklassiker „Fargo“ (1996) geschaffen hat. Es geht um die Frage, was wir für unser Glück alles opfern und tun würden.

Anders als die Ermittler wissen die Zuschauer schon in den ersten Minuten, was es mit dem Tod eines Wachmanns und dem angeschossenen Inhaber der Solarfirma, Hajo Lohmann (Peter Trabner), auf sich hat. Ein versuchter Versicherungsbetrug ist hier gründlich schiefgegangen. Insofern weiß der Zuschauer auch um die Täterin – Lohmanns Ehefrau Biggi (Katharina Marie Schubert). Sie versucht nun alles, um ihr Verbrechen zu vertuschen. Das ist bisweilen anrührend, sogar komisch. Vor allem aber erzählen diese Szenen von der tiefen Liebe zwischen Biggi und Hajo. Die ist so unverbrüchlich, dass auch Krankenschwestern und Polizistinnen sentimental werden, wenn sie die beiden kuscheln sehen.

Lesen Sie auch: Psychologin untersucht Beziehungen der „Tatort“-Ermittler - und macht verblüffende Erkenntnis

An schrägen Figuren und Dialogen herrscht ebenfalls kein Mangel in diesem Film. Die Farben erinnern an verblasste Polaroid-Bilder aus den Siebziger- und Achtzigerjahren. Wenn Hajo und Biggi etwas zu feiern haben, gibt es Toast Hawaii und Käsespießchen. Die Fön-Welle der Witwe des Wachmanns wirkt wie erstarrt unter Haarspray. Und Anouk, die Frau eines Feinkosthändlers, ist ein selbstbewusstes Luxus-Biest wie aus den TV-Serien der Achtziger. Da wirken Brix, Janneke und die Kriminaltechniker, als seien sie in die Vergangenheit gereist.

Schon die jüngsten Fälle des Frankfurter „Tatort“ spielten mit anderen Genres. Im Fall von „Falscher Hase“ ist eine Mischung von Krimi, schwarzer Komödie und Liebesgeschichte voller Antihelden entstanden. Auch kleine Rollen setzen Akzente – wobei Schuberts Figur diesen „Tatort“ prägt mit ihrer verzweifelten Hoffnung, dass alles doch noch gut werden könnte.

EVA KRAFCZYK

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

„Bauer sucht Frau“: Flirt-Desaster der Landwirte - Enorme Patzer beim Scheunenfest
Die bekannte RTL-Kuppelshow „Bauer sucht Frau“ startet in die nächste Runde. Bereits bei der ersten Folge leisteten sich die einsamen Landwirte erste Patzer.
„Bauer sucht Frau“: Flirt-Desaster der Landwirte - Enorme Patzer beim Scheunenfest
Am Sonntag im TV: Neuer Tukur-Tatort wurde teilweise in Hanau gedreht
Am Sonntag ist Hanau im Tatort zu sehen. Die Stadt ist einer der Schauplätze für „Angriff auf Wache 08“. Der neue Krimi mit Ulrich Tukur verspricht wieder, extravagant …
Am Sonntag im TV: Neuer Tukur-Tatort wurde teilweise in Hanau gedreht
Michel Friedman: „Es gibt einen strukturellen Judenhass im Land“
Die Republik nach den Morden von Halle: Frank Plasberg fragt im „Hart aber fair“-Talk nach dem alltäglichen Judenhass.
Michel Friedman: „Es gibt einen strukturellen Judenhass im Land“
„Joker“ in der Kritik: Wer hat Angst vorm kranken Mann - Zuschauer verlässt Kino
Batmans wohl größter Widersacher ist so alt wie der Mann im Fledermauskostüm und besitzt zahlreiche Facetten. Im Film Joker kommt eine hinzu: die eines Mannes, der sich …
„Joker“ in der Kritik: Wer hat Angst vorm kranken Mann - Zuschauer verlässt Kino

Kommentare