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Mehmet Scholl und Matthias Opdenhövel in Aktion. 

Aus als TV-Experte

Warum die ARD Scholl gefeuert hat - und wie es jetzt weiter geht

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Die ARD verkündet überraschend, sich nun doch von TV-Experte Mehmet Scholl zu trennen. Wird Stefan Effenberg sein Nachfolger?

Die Fernseh-Scheidung des Jahres ist perfekt! Mehmet Scholl ist ab sofort nicht mehr Fußballexperte im Ersten. Der Ex-Bayern-Star und die ARD einigten sich auf eine Auflösung des bis 2018 laufenden Vertrags, das wurde gestern bekannt. Am Dienstag hatte die ARD noch erklärt, dass Scholl Experte bleibt. Nun ist nach neun Jahren doch Schluss. Nach unseren Informationen haben neue Äußerungen des 46-Jährigen in seiner BR-Radiosendung „Mehmets Schollplatten“ das Fass zum Überlaufen gebracht, Scholl musste gehen.

Was war die Vorgeschichte?Der Anfang vom Ende war Scholls eigenmächtige Abreise aus dem Studio in Baden-Baden beim Confed Cup. Die Redaktion wollte vor dem Halbfinale Portugal – Chile über Doping-Vorwürfe gegen Russlands Nationalmannschaft sprechen, Scholl fand das Thema „nicht relevant“ und fuhr ab. Ein Affront, und auch inhaltlich nicht nachzuvollziehen. Wenn Doping-Vorwürfe gegen den Gastgeber ein Jahr vor der WM kein relevantes Thema sind – wann denn dann? Die ARD wollte trotzdem an ihrem Star-Experten festhalten. Sportkoordinator Axel Balkausky versicherte noch am Dienstag, dass Scholl bleibt – verbunden mit einer letzten Warnung: „Er muss den Inhalt und die redaktionelle Hoheit akzeptieren.“

Wie kam es zur Trennung? Als Balkausky den Verbleib verkündete, hatte er offenbar noch nichts von Scholls neuen Äußerungen am Sonntag in den „Schollplatten“ gehört. Völlig ohne Not hatte Mehmet dort nachgelegt und noch mal seinen Abgang in Baden-Baden begründet: „An diesem Tag hatte das Thema nichts in der Sendung verloren.“ Zudem attackierte er einen nicht genannten ARD-Sender: „Immer, wenn ein gewisser Sender das Programm macht, fangen wir mit negativen Storys an.“ Gemeint waren offenbar der WDR und Doping-Experte Hajo Seppelt. Scholl klang uneinsichtig und bockig – was ihn nun den Job kostete. Am Ende blieben nur die üblichen Scheidungsfloskeln. Balkausky lobte Scholl gestern als „meinungsstarken, streitbaren und originellen Experten“, Scholl bedankte sich „für tolle und ereignisreiche Jahre“.

War das der einzige Grund? Sicherlich nicht. Der eigenwillige Experte hatte sich bei der ARD oft in die Nesseln gesetzt. Hauptvorwurf: Er sei kein Mannschaftsspieler. Außerhalb seiner TV-Auftritte stand Scholl der ARD nicht zur Verfügung. Interviews für die ARD-Radiosender, Auftritte im Internet oder in den Regionalprogrammen – was für andere Experten selbstverständlich ist, lehnte er ab. Zuletzt soll er keine Lust gehabt haben, die Relegation der Löwen gegen Regensburg zu analysieren. Dass er sich stets von einem eigenen Fahrer und Adlatus betreuen ließ, machte die Sache nicht besser.

Wer wird Nachfolger? Beim Confed Cup vertrat ihn Thomas Hitzlsperger. Der BR-Experte gilt als fachkundig, eloquent und teamfähig, hat aber zwei Handicaps. Er ist Präsidiumsmitglied beim VfB Stuttgart, und die ARD will eigentlich keinen Experten, der in höherer Position bei einem Klub tätig ist. Außerdem fehlt ihm der Glamour-Faktor, „Hitzi“ dürfte vielen ARD-Granden eine Nummer zu klein sein. Traumkandidat des Ersten wäre Philipp Lahm, der aber kaum Lust auf den Job haben dürfte. Eine Alternative wäre, Lothar Matthäus von Sky loszueisen. Klarer Favorit ist Stefan Effenberg. Effe hat keinen festen Job, machte als Einspring-Experte bei der EM 2016 eine gute Figur und hat gute Kontakte zum mächtigen WDR. Günstiger als Scholl wäre Effenberg auch. Die ARD kann das Geld brauchen – zum Beispiel für Winter-Olympia 2018 in Südkorea.

Was wird aus Scholl? Beim FC Bayern sind die 2001er-Champions gefragt wie lange nicht. Ein Vollzeit-Job an der Säbener dürfte dennoch nicht drin sein – denn als emsiger Arbeiter à la Brazzo Salihamidzic ist Scholl eher nicht bekannt. Klub-Botschafter – nach Brazzos Beförderung zum Sportdirektor ist eine Stelle offen – schon eher. Ein Trainer-Comeback wäre schwer, in der ARD hat Mehmet oft gezeigt, dass moderner „Laptop-Fußball“ nicht mehr seine Welt ist. Falls er im Experten-Geschäft bleiben will, dürfte es bei Anbietern wie DAZN oder Amazon gute Möglichkeiten geben.

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