Alles bleibt Spekulation

- Eigentlich habe sie nur schlechte Nachrichten zu verkünden, scherzt Bettina Reitz, Fernsehfilmchefin des Bayerischen Rundfunks: "Mozart, das Genie, wurde in München zeitlebens abgelehnt." Trotzdem - oder gerade deshalb - habe sich der Sender entschlossen, die Feiern zu Mozarts 250. Geburtstag mit einem Film über den Komponisten und seine Beziehung zu München zu krönen. "Mozart - Ich hätte München Ehre gemacht" erzählt vom verzweifelten Bemühen des Genies, in der bayerischen Metropole Fuß zu fassen. Doch Mozart scheitert. Er wird Opfer höfischer Intrigen und Machtspiele.

Ob sich das Ganze tatsächlich so abgespielt hat, bleibt Spekulation. "Wir haben hier ja keinen Dokumentarfilm gedreht", stellt Regisseur Bernd Fischerauer klar. Seine künstlerische Freiheit beginne mit der ersten und ende mit der letzten Einstellung, so Fischerauer. "Ich sage nur: Mozart hätte vielleicht so sein können - nicht mehr." Neben Xaver Hutter in der Titelrolle spielen unter anderen Hans-Michael Rehberg als Hofintendant Graf Seeau, Maximilian Brückner als Mozarts Freund Carl und Konstantin Wecker als dessen Vater Franz in dem aufwändig inszenierten Rokokospektakel mit.

"Stellen Sie sich vor, solch ein Brimborium gäbe es für Dieter Bohlen! Da sind wir doch froh, dass es für Mozart ist!" Konstantin Wecker

Gerade Wecker hat als Musiker natürlich eine besonders innige Beziehung zu Mozart. "Jetzt, im Alter, bin ich ein echter Fan", schwärmt der gebürtige Münchner. Als Kind habe er bei seinen Klavierübungen die Musik des Salzburger Meisters oft als "zu leicht" empfunden. "Aber heute weiß ich, dass vieles Dramatische einfacher herzustellen ist als diese Leichtigkeit. Mozart schreibt so, wie Vögel singen." Die Rolle des von seiner Kunst besessenen, kompromisslosen Musikers sei ihm persönlich natürlich

viel näher als die des vernünftigen väterlichen Freundes Franz, gibt der 58-jährige Wecker lachend zu. "Aber für den Mozart bin ich dann doch zu alt. Deshalb habe ich mit der langweiligsten Rolle im Film vorlieb nehmen müssen. Aber das hat ja auch Spaß gemacht."

Doch Fischerauer will mit seinem Mozart-Film nicht nur unterhalten, sondern gleichzeitig "zum Nachdenken anregen", wie er betont. "Wenn man genau hinschaut, sieht man gerade in den höfischen Intrigen deutliche Parallelen zur Gegenwart", erläutert Wecker. "Die Musik- und Fernsehindustrie, die Privatsender - das sind die Fürsten von damals. Wenn du nicht schleimst, wird deine Musik nicht mehr gespielt. Daran hat sich nichts geändert." Deshalb bedürfe es immer Einzelner, die dagegen aufbegehrten, die den Mut hätten, ihre mahnende Stimme zu erheben, wenn sie eine Ungerechtigkeit sähen - auch mit dem Risiko, die eigene Karriere zu riskieren.

"Oft denke ich bei so manchem Kollegen: Auf der Bühne bist du scharf. Aber wenn es darauf ankommt, sich im wirklichen Leben politisch zu engagieren, kommt nichts." Mozart hingegen habe sich gewehrt, und nicht zuletzt deswegen könne man seinen Geburtstag gar nicht genug würdigen.

Die Gefahr, das Genie damit im Nachhinein "totzufeiern", sieht Wecker nicht: "Wir leben in einer Gesellschaft, die dauernd irgendwelche Hypes hat. Teilweise wird doch ein totaler Schmarrn gefeiert. Stellen Sie sich vor, solch ein Brimborium gäbe es für Dieter Bohlen! Da sind wir doch froh, dass es für Mozart ist!"

ARD, heute, um 20.15 Uhr.

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