Alles, nur keine tiefgefrostete Schonkost

München - Das Prinzip Lemke ist vielleicht das ehrlichste im deutschen Filmgeschäft: Was nicht geht, geht nicht. Dann heißt es abbrechen, aufhören, Aus und Schluss ­ bevor ein Projekt, das es nicht verdient hat, künstlich am Leben gehalten und irgendwie an irgendein Ende gebracht wird.

Gesünder ist da, die Reißleine zu ziehen ­ wie bei "Schmutziger Süden", den Klaus Lemke nicht beendet hat, weil es eben nicht mehr ging.

Ein solcher Fall ist jedoch die Ausnahme. Gerade hat der Münchner Regisseur, der im Sommer mit dem Schwabinger Kunstpreis ausgezeichnet wurde, wieder ein Projekt erfolgreich abgedreht: Der Rohschnitt von "Dancing with Devils" soll nun bis Anfang des neuen Jahres fertig sein. Alles weitere wird sich dann zeigen, etwa auch, wann und wo der Film letztlich ausgestrahlt wird.

Die Hauptrolle spielt erneut Saralisa Volm, eine 22-Jährige, die Lemke für "Finale", seine zügellos-krachende Geschichte des WM-Sommers, erstmals verpflichtete. Dieser Film, im Juli im ZDF um Mitternacht ausgestrahlt, sorgte dort für eine Rekordeinschaltquote um diese Uhrzeit.

"Dancing with Devils" ist natürlich auch nach den weiteren bewährten Lemke-Prinzipien entstanden. Als da wären: Kein Drehbuch, weil sich der Regisseur gerne von den Geschichten überfallen lässt. Keine Profi-Schauspieler, weil Lemke die unverbrauchte, "fiese Authentizität" in den Gesichtern seiner Darsteller liebt, die er ­ wie nebenbei ­ von der Straße aufliest und die allesamt Schauspiel-Laien sind (Volm etwa, die in Freising aufgewachsen ist, hatte nach dem Abitur als Verkäuferin gejobbt. Bis Lemke kam).

Und ­ nicht minder wichtiges Lemke-Gesetz: Keine öffentlichen Fördergelder, weil der Regisseur immer schon gern unabhängig gearbeitet hat. Natürlich. Denn nur, wenn er niemandem Rechenschaft ablegen und auf keinerlei Befindlichkeiten Rücksicht nehmen muss, kann er seine Filme machen, die in Deutschland mit keinen anderen Produktionen zu vergleichen sind.

"Film muss wieder raus aus dem Gefängnis der Filmförderung", sagt der 67-Jährige daher auch, "denn die Förderung aus Steuermitteln war von Anfang an Gift für das System." Lemke arbeitet dagegen nach einem einfachen, ehrlichen Prinzip: 50 Euro bekommt jeder Mitwirkende pro Drehtag ­ egal, ob er vor oder hinter der Kamera arbeitet. Das Geld schießt der Regisseur vor, in der Hoffnung, seine Arbeit danach an einen Fernsehsender verkaufen zu können.

Regisseure, die mit staatlicher Hilfe ihre Projekte realisieren, hätten "im Kopf nichts anderes, als erneut eine Förderung zu kriegen. Man ist total kaputt durch das viele Geld, das man da bekommt." Lemke, in den Siebzigern gern mit dem Untertitel "König von Schwabing" versehen, sieht Alexander Kluge in der Verantwortung. Der Autorenfilmer hätte eine "geniale Idee" gehabt ­ "wenn die Deutschen schon die Filme der jungen Regisseure nicht sehen wollen, dann sollen sie zumindest dafür bezahlen". Und das nervt Lemke. Denn: "Würde man die Filmförderung aus Steuermitteln über Nacht abschaffen: Deutschland wäre in zwei Jahren das führende Filmland in Europa und Konkurrenz für Hollywood." Mit diesen, seinen Prinzipien gelingen Klaus Lemke in der Tat immer wieder aufregende, ungewöhnliche, spannende und ehrliche Filme. Und egal, wie "Dancing with Devils" nachher ausschauen wird. Eines ist auch dieser Film sicher nicht: tiefgefrostete Schonkost.

Biografisches zu Klaus Lemke

Nach dem Studium der Kunstgeschichte und Philosophie arbeitete Klaus Lemke, Jahrgang 1940, als Regie-Assistent in Düsseldorf und an den Münchner Kammerspielen. Sein Durchbruch als Filmregisseur hatte er 1967 mit "48 Stunden bis Acapulco". Kult wurde sein Film "Rocker", der bis heute immer wieder im Stadion am Millerntor des FC St. Pauli gezeigt wird. Vor sieben Jahren drehte er die Schwabing-Dokumentation "Denk ich an Deutschland ­ Leopoldstraße kills me". Lemke gilt als Entdecker von Iris Berben, Wolfgang Fierek und Cleo Kretschmer. Er wurde mit dem Grimme-Preis und dem Schwabinger Kunstpreis ausgezeichnet.

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