+
Die „Fastnacht in Franken“ wird 30 Jahre alt.

Allmächd! Die Narren sind los

30 Jahre „Fastnacht in Franken“: Krisen, Pannen & Highlights

  • schließen
  • Katja Kraft
    Katja Kraft
    schließen

Veitshöchheim - Allmächd, die Narren sind los! Am Freitagabend feiert die „Fastnacht in Franken“ des Bayerischen Rundfunks 30. Geburtstag. Ein Rückblick auf Krisen, Pannen & Highlights.

Update vom 17. Februar 2017: Was passiert vor und hinter den Kulissen in Veitshöchheim? Was ist nicht im TV zu sehen? Wir bieten heute auch einen Live-Ticker zur Fastnacht in Franken 2017.

Einmal im Jahr schaut Fernseh-Deutschland nach Veitshöchheim. Wenn in der kleinen Gemeinde nahe Würzburg die Fastnacht in Franken steigt, schauen bis zu vier Millionen Menschen zu. Seit 1967 gibt es die Prunksitzung des Fastnacht-Verbands Franken, seit 1987 wird sie im Bayerischen Rundfunk übertragen – heuer also zum 30. Mal (So sehen Sie die "Fastnacht in Franken" 2017 live im TV und im Live-Stream). Dass die Veranstaltung überhaupt ausgestrahlt wird, ist dem einstigen Verbands-Präsidenten Albert Ehrhardt zu verdanken. Er war Mitglied der Israelitischen Kultusgemeinde in Nürnberg und in dieser Funktion auch Mitglied im Rundfunkrat des BR. „Da konnte er unsere Interessen vorbringen – mit Erfolg“, erinnert sich der amtierende Verbands-Präsident Bernhard Schlereth. Heute ist die Fastnacht in Franken aus dem Programm nicht mehr wegzudenken.

Anlässlich des 30. Geburtstags blicken wir zurück – auf Krisen, Pannen und Highlights und sprechen mit dem Kabarettisten Volker Heißmann über seine persönlichen Erinnerungen an Veitshöchheim.

Urgestein Bernhard Schlereth über Krisen, Pannen & Highlights

Wie das so ist in 30 Jahren Beziehung: Gekracht hat es zwischen dem Fastnacht-Verband Franken und dem Bayerischen Rundfunk öfter. Einmal aber, 2009, standen die Zeichen gar auf Trennung. Die Fernsehübertragung der Fastnacht in Franken hatte dem BR gerade wieder eine Spitzenquote eingefahren (seit den 90er-Jahren ist sie mit bis zu vier Millionen Zuschauern die erfolgreichste Sendung im Programm überhaupt!), trotzdem wollte der Sender Einsparungen vornehmen. Eine Konfetti-Kanone? Überflüssig! Kleinere Fastnachts-Sendungen wie Wehe, wenn wir losgelassen? – unter ­Umständen verzichtbar! Und so weiter.

Bernhard Schlereth erinnert sich allzu gut an diese Zeit. „Das ging damals ziemlich hoch her“, erzählt der Präsident des Fastnacht-Verbands Franken im Gespräch mit der tz. Der 65-Jährige ist der mächtigste Mann der Szene – und nahm die Sache durchaus persönlich. „Ich habe dem Bayerischen Rundfunk dann klar gesagt: Wenn die Zentrale in München meint, sie könne sich die Fastnacht in der Form nicht mehr leisten, dann müssen wir uns nach anderen Partnern umschauen.“

Schlereth hatte gute Kontakte zum ZDF, was er gegenüber dem BR nicht unerwähnt ließ, sprach zudem mit verschiedenen Medien, auch die tz berichtete über den Streit – und prompt wurde eingelenkt. „Kaum, dass ich meinem Ärger auch öffentlich Luft gemacht hatte, klingelte das Telefon“, lacht Schlereth heute. Der damalige Fernsehdirektor persönlich war dran, Gerhard Fuchs, und bat um ein Treffen. Am Ende stand die Einigung: „Es bleibt alles beim Alten.“ Die Trennung war vom Tisch – und heute ist die Beziehung, das bestätigen beide Seiten, so in Takt wie nie, die gegenseitige Wertschätzung immens. Eine gute Zeit also für ein feierliches Jubiläum – auch wenn die Macher betonen, dass der Freitag Abend keine reine „Geburtstagsparty“ werden soll.

Man verzichtet bewusst auf lange Rückblicke, auf die schönsten Momente oder die größten Pannen, von denen es übrigens auch gar nicht so viele gab. Und wenn, erzählt Schlereth mit einem Schmunzeln, habe der Zuschauer ­daheim davon nichts mit­bekommen.

Einen dramatischen Moment allerdings gab es. 2005 brach der damalige Sitzungspräsident Detlef Wagenthaler während der Live-Sendung zusammen und musste notärztlich versorgt werden. „Das war ein großer Schrecken und eine schwierige Situation“, sagt Schlereth. „Hinter den Kulissen kämpfte ein guter Freund ums Überleben, und wir mussten die Übertragung zu Ende bringen.“ Irgendwie hat es funktioniert, Wagenthaler erholte sich von diesem Abend wieder – auf die Fastnachts-Bühne kehrte er ­allerdings nie wieder zurück. 2007 starb er.

TV-Karnevalist Detlev Wagenthaler starb 2007.

Zurück zu Freitag Abend: Die Zuschauer in den Mainfrankensälen erwartet den Ankündigungen zufolge viel Vertrautes: Volker Heißmann und Martin Rassau, die ziemlich besten Feinde aus der Oberpfalz, die Altneihauser Feierwehrkapell’n, und natürlich die Büttenreden. Warum sollte man von diesem Konzept auch abweichen? Macht doch genau die Mischung den großen Erfolg der Sendung aus.

Es gibt inzwischen nicht wenige, die die Fastnacht in Franken für den besseren Nockherberg halten. Das ist vielleicht ein bisschen gewagt, aber auch nicht ganz abwegig. Die politisch-kabarettistischen Einlagen von Leuten wie ­Peter Kuhn und Michl Müller haben es nämlich tatsächlich in sich. Gerade diese beiden treffen die wunden Punkte der Politiker wahnsinnig gut – und kennen dabei doch die Grenze zum Geschmacklosen sehr genau.

Apropos Politiker: Für die Jubiläumssendung hat sich – mit den zwei Ausnahmen Landwirtschaftsminister Helmut Brunner und Europaministerin Beate Merk – das gesamte bayerische Kabinett angekündigt. Das Wichtigste für Veranstalter Schlereth: Sie kommen alle verkleidet. Bis auf Horst Seehofer. „Der kommt als Ministerpräsident“, lacht er. Der Rest lege sich ordentlich ins Zeug. Legendär, wie Günther Beckstein als Einstein, im Dirndl oder als Löwe erschien. Markus Söder investiert Jahr für Jahr Zeit und Geld in ein aufwendiges Kostüm. Und Joachim Herrmann gibt auch gern zur Fastnacht den Sheriff. Das ist natürlich sehr bemüht, sagt aber auch viel aus. Sie alle wissen: Einmal im Jahr richten sich die Augen von etwa vier Millionen Zuschauern (und potenziellen Wählern) auf den kleinen Ort Veitshöchheim, wo starke Franken eine starke Fastnacht-Sendung auf die Beine stellen. Da will einfach keiner fehlen.

Der jüngste Büttenredner

Büttenredner Marco Breitenbach ist erst 16 Jahre alt.

„Der Junge ist ein echter Knaller“, sagt Bernhard Schlereth – und der muss es wissen. Schließlich beobachtet der Präsident des Fastnacht-Verbands Franken den närrischen Nachwuchs wie kein Zweiter. Marco Breitenbach ist 16 Jahre jung, kommt aus Schweinfurt und wird am Freitag in Veitshöchheim auftreten – als jüngster Büttenredner aller Zeiten bei der Fastnacht in Franken. Ist er aufgeregt? Logisch. Aber er hat sich vorgenommen, nicht an die Millionen TV-Zuschauer zu denken, sondern sich nur auf das Publikum im Saal zu konzentrieren. „Dann geht das mit der Aufregung besser klar“, sagt er, der schon als kleiner Bub von der großen Bühne träumte. Der Sitzungspräsident einer Schweinfurter Faschingsgesellschaft gab ihm vor vier Jahren eine Chance. Es lief gut, Auftritte bei Sendungen wie Wehe, wenn wir losgelassen folgten und waren so überzeugend, dass Marco nun Premiere bei der Fastnacht in Franken feiern darf. Sein Ziel? „Ganz klar: Nächstes Jahr wiederkommen zu dürfen.“

Stefanie Thyssen

So hat sich die Show verändert

Seit 20 Jahren sind Volker Heißmann und Martin Rassau bei der Fastnacht in Franken mit dabei. Immer wieder in anderen Rollen – besonders gern gesehen aber freilich als lustige Witwen „Waltraud und Mariechen“. Ein Gespräch mit Heißmann über zwei Jahrzehnte Fastnacht in Franken, Promikostüme und die Vorzüge von Veitshöchheim gegenüber dem Kölner Karneval.

Herr Heißmann, Sie gehören zu den Dienstältesten bei der „Fastnacht“ – und müssen’s wissen: Was hat sich über die Jahre am meisten verändert?

Volker Heißmann: Die mediale Aufmerksamkeit! Als wir vor 20 Jahren das erste Mal da waren, hat das kaum jemanden interessiert (lacht). Und jetzt ist es ja schon eine Meldung wert, wenn jemand neue Kugelschreiber im Revers hat. Gerade heuer zum 30. Geburtstag. Der BR sendet ja fast nur noch Franken-Fastnacht: Rückblicke, Ausschnitte – und das alles bei ­tollen Quoten, das ist schon Wahnsinn.

Und vom Showprogramm her?

Heißmann: Na ja, früher war’s eher so, dass jeder Künstler für sich alleine sein Programm gemacht hat und dann ist das alles fröhlich zusammengeworfen worden. Seitdem Bernhard Schlereth (Präsident des Fastnacht-Verbands Franken, Anm. d. Red.) den Vorsitz übernommen hat, versucht er, das alles zusammenzuweben. Wir treffen uns jetzt einmal im Jahr, und alle Künstler überlegen gemeinsam, was man gemeinsam machen könnte, wo sich gute Übergänge ergeben, welcher Künstler auf wen treffen könnte und so weiter. Früher war es ja wirklich ein reines Nummern­programm: Einer kommt, der andere geht – und tusch und aus – und er war nicht mehr zu sehen. Heute kann es schon sein, dass man den ein oder anderen Künstler mehrere Male antrifft.

Ist es professioneller geworden?

Heißmann: Ich weiß nicht, ob es „professioneller“ trifft. Ich würde sagen: durchdachter.

Und die Politiker: Bekommen die heute mehr ab als ­früher?

Heißmann: Ja, vielleicht. Die Sendung ist schon politischer geworden. Wobei die Damen und Herren aus dem Landtag von uns schon immer einen Spruch um die Ohren bekommen haben. Heute wird mehr darauf geschaut, dass das Ganze nicht nur ein reines Söder-/Seehofer-Programm wird, dass also jeder, der da unten sitzt, mal derbleckt wird. Und dass es ausgewogen ist, über die Parteigrenzen hinweg. Es soll ja nicht immer nur die CSU ihr Fett wegbekommen.

Was hat die Fastnacht, was der Kölner Karneval nicht hat?

Der Elferrat um Verbands-Präsident Bernhard Schlereth (5.v.r.)

Heißmann: Uns (lacht)! Wenn ich mir eine Karnevalssitzung aus Köln anschaue, dann ist das zu 80 Prozent eine Musikveranstaltung, bei der eine Band nach der anderen Stimmungslieder singt. Wo die Leute im Saal tanzen, trinken und eine einzige, große Party feiern. Bei uns muss man mehr mitdenken, man kann eigentlich gar nicht so viel Wein trinken, wenn man mitbekommen möchte, was da oben auf der Bühne abgeht. Bei den geschliffenen Worten von Peter Kuhn oder Michl Müller – da muss man aufpassen, dass man erstens den Dialekt und zweitens die Gags versteht. Nichts ist schlimmer, als wenn es einem ergeht wie Edmund Stoiber, dem seine Karin unterm Tisch immer einen sanften Tritt geben muss, damit er weiß, wann er lachen soll.

Was waren besonders schöne Momente in der Fastnacht?

Heißmann: Der schönste Moment war ­natürlich, die Reaktionen nach unserem allerersten Auftritt zu erleben. Wir hätten nicht gedacht, dass das unsere Karriere so verändern würde. Die Verantwortlichen haben zwar gesagt: Ihr werdet sehen, das geht durch die Decke. Aber wir dachten: Na ja, das ist halt eine Fernsehsendung … Tags drauf kam ich heim nach Fürth und wurde in der Fußgängerzone wirklich von jedem Zweiten angesprochen, wie lustig er die Nummer fand.

Welche Kostüme von Promis bleiben für Sie unvergessen?

Heißmann: Da gab es so viele! Aber sehr mutig fand ich, als Günther Beckstein seinerzeit als bayerischer ­Löwe kam. Der Mann hat fürchterlich geschwitzt, das hat uns so leidgetan! Der ist zwei-, dreimal rausgegangen, um keinen Hitzeschlag zu bekommen.

Feiern Sie privat eigentlich noch Fasching?

Heißmann: Nee, beruflich feiere ich das ja genug. Und die Fastnacht in Franken ist nach der Sendung nicht vorbei. Das ist das Schöne: Dass viele vom Team und von den Derbleckten noch dabei sind und wir alle gemeinsam durch die Kneipen von Veitshöchheim ziehen, manchmal bis zum nächsten Morgen. Denn die Barbara Stamm hat uns gelehrt: Morgens früh um sechs noch alle gemeinsam zum Bäcker, da ist der Abschluss – und dann um sieben darf jeder heim, ab ins Bett.

Interview: Katja Kraft

„Fastnacht in Franken“, Freitag , 19 Uhr, BR Fernsehen

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Promi Big Brother: Wer ist raus? Wer ist noch dabei?
Es geht schon wieder los: Promi Big Brother bittet erneut mehr oder minder bekannte Stars in den Container und sperrt hinter diesen ab. Wer bei der aktuellen Staffel …
Promi Big Brother: Wer ist raus? Wer ist noch dabei?
Das Sommerhaus der Stars 2017: Wer ist raus? Wer ist noch dabei?
RTL zeigt „Das Sommerhaus der Stars“ 2017. Hier erfahren Sie, wer nach der dritten Folge schon raus ist und welche Kandidaten noch dabei sind.
Das Sommerhaus der Stars 2017: Wer ist raus? Wer ist noch dabei?
MTV hat eine sensationelle Nachricht für alle Musikfans
Nachdem der Musiksender MTV 2011 ins Pay-TV wechselte, soll er nun am 1. Januar 2018 wieder ins deutsche Free-TV zurückkehren. 
MTV hat eine sensationelle Nachricht für alle Musikfans
Schauspielerin zusammengebrochen: ZDF bricht TV-Dreh in Vietnam ab
Von Mai bis Juli sollte der Film „Ein Sommer in Vietnam“ des ZDF in Vietnam gedreht werden. Doch die Hitze machte den Dreharbeiten einen Strich durch die Rechnung.
Schauspielerin zusammengebrochen: ZDF bricht TV-Dreh in Vietnam ab

Kommentare