Der Altmeister zieht an der Kordel

- Vorbei die Witze über die lange Nase von Mike Krüger, kein Schlagabtausch mehr zwischen Bernd Stelter und Kalle Pohl, endgültig der Abschied vom "Silberpüdelchen" Rudi Carrell. Fast zehn Jahre nach ihrem Start wird morgen um 22.15 Uhr die letzte Ausgabe der RTL-Show "7 Tage - 7 Köpfe" ausgestrahlt. Fröhlich und feierlich geht es beim Finale zu. An einer Bar, bei Cocktails und Erdnüssen, blicken die Komiker in ihrer ironisch-witzigen Art zurück auf das zu Ende gehende Jahr und auf besondere Höhepunkte aus früheren Folgen.

Bei der Abschiedsparty sitzen - neben der Stammbesetzung aus Gaby Köster, Kalle Pohl, Mike Krüger, Bernd Stelter, Oliver Welke und Jochen Busse - auch Michael Mittermeier, Dieter Nuhr, Willy Astor, Bernhard Hoecker und Hans Meiser auf dem Podium. Rudi Carrell, der zuletzt als Produzent von "7 Tage - 7 Köpfe" hinter der Kamera stand, erscheint beim Finale seiner Show nur für wenige Sekunden auf der Bühne. Ohne Worte zieht der Altmeister der Fernsehunterhaltung an einer Kordel und kippt so seinem Gast Harald Schmidt den Inhalt eines Wasserglases auf die Hose.

Carrell (71), der eigentlich Rudolf Wijbrand Kesselaar heißt und aus dem niederländischen Alkmaar stammt, leidet an Krebs und lebt zurückgezogen an seinem Wohnort bei Syke in Niedersachsen. Die Stammbesetzung betonte nach der Aufzeichnung der letzten "7 Tage - 7 Köpfe"-Ausgabe, Carrells kurzer Auftritt habe nichts mit seiner Krankheit zu tun. "Ein kurzer Auftritt erzielt doch einen viel größeren Effekt", sagte Bernd Stelter. "Der Auftritt entspricht Rudis Art von Humor", fügte Jochen Busse hinzu.

Beim Finale witzeln die Comedians über den Schiedsrichterskandal um Robert Hoyzer, die Schlagzeile "Wir sind Papst" oder die Show "Deutschland sucht den Superstar". Auch die Hochzeit von Prinz Charles und Camilla ist Thema. Am Ende der Abschiedsgala kommen die Comedians und ihre Gäste ein letztes Mal auf der Bühne zusammen - bis auf Rudi Carrell. Gaby Köster ist sichtlich gerührt, einige ihrer Kollegen schweigen bedrückt. "Ich bin knapp den Tränen entkommen, ich bin halt sentimental", gestand Stelter nach der Aufzeichnung. Traurig über das Ende von "7 Tage - 7 Köpfe" ist er nicht, vielmehr zufrieden, dass die Show so lange lief. Fast 300 Mal gingen die "Köpfe" mit ihrer Comedy auf Sendung.

Der witzige Wochenrückblick startete am 23. Februar 1996. Freitag für Freitag begrüßte Jochen Busse in seiner "bekannt liebenswürdigen Art" die Fernsehzuschauer - so auch bei der letzten Ausgabe. Zusammen mit seinem Team nahm er die Schlagzeilen der Woche aufs Korn. Dafür hagelte es Auszeichnungen. Im Jahr 1998 den "Bambi" und den "Goldene Löwen" für die beste Comedyshow, 1999 den "Goldenen Gong" und 2004 den Deutsche Comedypreis. Zuletzt litt "7 Tage - 7 Köpfe" unter niedrigen Einschaltquoten. Die Höchstzahl von 7,04 Millionen Zuschauern wurde am 18. Dezember 1998 erreicht.

RTL, morgen, um 22.15 Uhr.

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