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Andy Borg moderierte zum letzten Mal den "Musikantenstadl".

"Wir gehören zum Weltkulturerbe"

So bewegend war Borgs letzter "Musikantenstadl"

Pula - Das war's für Andy Borg. Nach neun Jahren hat er am Samstagabend seinen allerletzten „Musikantenstadl“ moderiert. So pompös war sein Abschied.

In das Amphitheater im kroatischen Pula ziehen am Samstagabend Gladiatoren ein. Sie sind die Vorhut für Andy Borg, der mit dem „Stadllied“ den Musikantenstadl einläutet - wegen des ARD-Brennpunktes zu Griechenland 15 Minuten später als geplant. Es ist Borgs letzte Schlacht und sie war lange vorher schon entschieden. Bereits im Februar hatten die ARD und ihre Partnersender ORF und SRF mitgeteilt, dass Borg den „Stadl“ in Pula zum letzten Mal moderieren wird.

Entsprechend melancholisch angehaucht fällt der Begrüßungsapplaus für den Moderator aus. „Ich hab Euch auch lieb“, sagt Borg zu Beginn, ohne ein Wort über seine letzte Sendung zu verlieren. „Ich weiß, was Ihr meint. Ich meine das genauso.“ 2000 Jahre alt ist die Arena, die die Kulisse für Borgs letzte Sendung bildet. „Wir gehören zum Weltkulturerbe.“

Borg: "Mit Sicherheit keine Trauerveranstaltung"

Die Stimmung wolle er sich nicht vermiesen lassen, hatte Borg im Vorfeld seiner letzten Sendung im Interview der Deutschen Presse-Agentur gesagt. „Es wird meine Abschiedsshow beim Stadl, aber mit Sicherheit keine Trauerveranstaltung.“ Und so gibt er sich in Pula betont gut gelaunt, scherzt, schunkelt und führt mit einem Dauergrinsen durch seine letzten zweieinhalb Stunden als „Stadl“-Moderator. „Unserem Andy ein herzliches Servus“ steht auf einem Plakat im Zuschauerraum.

Seinen ersten Gast Andreas Gabalier kündigt er mit den Worten an: „Die jungen Menschen finden ihn urgeil.“ Im Gespräch mit ihm, gibt Borg sich viel Mühe, zu betonen, wie wenig angestaubt Volksmusik (und der „Stadl“) doch sind. Kurz vor Schluss singt Gabalier „ein letzten Mal für unseren Andy Borg“ seinen Kracher „I sing a Liad für di“.

Nostalgisch wird es nur einmal etwa auf halber Strecke. Sein Publikum habe ihn in all den „Stadl“-Jahren immer umarmt, sagt Borg da. „Diese Umarmung wird jetzt gelöst, aber ich falle in die Arme meiner geliebten Frau.“ Dann singt er eine Schnulze für die Gattin. Als es später anfängt zu regnen, sagt er: „Der Himmel hat gerade ein paar Tränen vergossen.“ Danach stimmt er an: „Bella, bella, bella Marie - vergiss mich nie.“ Künftig heißt es im Stadl wohl eher: Helene Fischer statt Capri-Fischer. Ganz zum Schluss singt Borg - wie angekündigt - „Adios Amor“, das Lied, mit dem seine Karriere vor 33 Jahren begann. „Ich bin stolz, Moderator dieser legendären Sendung gewesen zu sein“, sagt er zum Abschied. „Servus.“

Borg kämpft gegen Jugendwahn - und verliert

Der 54-Jährige hatte für die Sendung, deren Zukunft lange ungewiss war, gekämpft und sich gegen Jugendwahn im Fernsehen stark gemacht. Umso bitterer für ihn, dass es jetzt ohne ihn weiter geht. Nach der Sommerpause übernehmen seine Nachfolger: Alexander Mazza (42) ist 12 Jahre jünger als Borg, Francine Jordi (38) sogar 16 Jahre.

Borg hatte die Show, die zu den ältesten im deutschen Fernsehen gehört, im September 2006 von ihrem Erfinder Karl Moik übernommen, der vor drei Monaten im Alter von 76 Jahren starb.

Während das Durchschnittsalter der Zuschauer mit 68 hoch ist, sinken seit Jahren die Quoten: 1994 schalteten nach Angaben der beteiligten Sender im Schnitt noch 7,53 Millionen Menschen (Marktanteil: 25,9 Prozent) den „Stadl“ ein. 2014 waren es nur noch 3,96 Millionen (13,6 Prozent). Grund genug für die Sender, einen radikalen Schnitt und den „Musikantenstadl 2.0“ zu planen.

Borg gibt dem Format keine Zukunft

Der ARD-Unterhaltungskoordinator Thomas Schreiber betonte, es gehe darum, die Sendung modern zu machen. Borg habe sich aber „jeglicher Form der Veränderung widersetzt“.

Die gewohnten Kulissen der TV-Show, die sonst aus Hallen übertragen wird, seien übrigens bereits zerlegt worden, sagte Borg im dpa-Interview. Für den Neuanfang werden sie nicht mehr benötigt. Der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ sagte Borg: „Ich glaube nicht, dass es den „Stadl“ in der jetzigen Form in zehn Jahren noch geben wird. Nicht wegen der neuen Moderatoren, sondern weil man dem Druck der Veränderung nicht standhalten kann.“

dpa

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