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Anette Frier bei Dreharbeiten zu der Erfolgsserie "Danni Lowinski".

Zum Abschied von "Danni Lowinski"

Anette Frier: "Ich liebe diese Rolle total"

München - Schauspielerin Annette Frier spricht im Merkur-Interview über „Danni Lowinski“, Detailgenauigkeit in Serien und das Komische im Tragischen.

Sie ist die etwas andere Anwältin. Daniela „Danni“ Lowinski hat auf dem zweiten Bildungsweg Jura studiert, nun bietet sie in einer Kölner Einkaufspassage ihre Dienste an – für einen Euro pro Beratungsminute. Eine Idee, die auch im übertragenen Sinne von Erfolg gekrönt war. Die Serie „Danni Lowinski“ mit Annette Frier als unkonventioneller Advokatin, die vor Gericht für die „kleine Leute“ streitet, entwickelte sich zum Quotenerfolg und wurde mehrfach ausgezeichnet. Von heute an zeigt Sat.1 jeweils montags um 21.15 Uhr die fünfte und letzte Staffel. Die Rolle habe ihr viele Türen geöffnet, sagt die 40-jährige Kölnerin, die durch Formate wie „Switch“, „Die Wochenhow“ und „Schillerstraße“ bekannt wurde, im Gespräch mit unserer Zeitung.

Die Fälle soll der Zuschauer ernst nehmen, die Rahmenhandlung ist sehr komödienhaft – wie schwierig ist es, da die Balance zu halten?

Das war immer die besondere Herausforderung bei „Danni Lowinski“, von der ersten Folge an, sozusagen das Hauptmerkmal dieser Serie. Natürlich ist das eine Gratwanderung, die mal besser, mal weniger gut gelingt.

Wie wichtig war es den Autoren und Ihnen selbst, dass die gezeigten Fälle juristisch Hand und Fuß haben?

Natürlich soll das alles grundsätzlich der deutschen Rechtssprechung und der Strafprozessordnung entsprechen. Aber ich fände es öde, da dauernd die passenden Paragrafen runterzubeten. Ganz abgesehen davon, dass im echten Leben alles viel länger dauert bei juristischen Verfahren. Da liegen zwischen zwei Terminen manchmal Monate, wir erzählen das sozusagen zwischen Mittwoch und Freitag. Ich finde das legitim, solche Abläufe in einer Serie zu verdichten. In einer Arztserie ist auch manches medizinisch nicht möglich, trotzdem wird es erzählt. Entscheidend ist, dass man die Figuren und ihre Positionen ernst nimmt.

Hatten Sie selbst schon einmal mit der Justiz zu tun?

Mein bester Freund ist Anwalt, mein Vater war Anwalt, insofern ist die Juristerei für mich kein fremdes Terrain. Aber privat stand ich noch nie vor Gericht. Weder als Angeklagte noch als Klägerin. Ein Glück.

„Danni Lowinski“ hat inzwischen viel Lob und viele Preise bekommen, doch der Start war chaotisch. Die erste Staffel lag lang auf Halde, dann wurde die Ausstrahlung wochenlang unterbrochen. Verzweifeln Sie da nicht, wenn die Senderchefs immer nur ans Geschäft denken und die Arbeit der Kreativen überhaupt nicht zu würdigen scheinen?

Deswegen habe ich mich bei der ersten Preisverleihung bei vier Geschäftsführern bedankt. Beim ersten, der die Serie in Auftrag gegeben hat, beim zweiten, der sie nicht ausgestrahlt hat, beim dritten, der sie ausgestrahlt hat, und beim vierten, der neue Folgen produzieren ließ. Klar bin ich am Anfang fast verzweifelt darüber, dass offenbar keiner an das Format und jeder nur an die Quote denkt. Heute sehe ich das anders. Vielleicht war es strategisch klüger, die Serie nicht wie geplant 2009 auf den Markt zu bringen, sondern gemeinsam mit dem „Letzten Bullen“ ein Jahr später. Die Privatsender finanzieren sich nun mal aus Werbeeinnahmen, da muss man Kompromisse machen. Absurd finde ich übrigens, dass sich auch bei den Öffentlich-Rechtlichen, die sich ja aus Gebühren finanzieren, alles um die Quote zu drehen scheint.

Überwiegt das Bedauern, dass „Danni Lowinski“ zu Ende geht – oder sind Sie froh, jetzt etwas anderes machen zu können?

Vor allem finde ich gut, dass das Team selbst die Entscheidung getroffen hat, die Serie zu beenden. Nicht aus Kostengründen oder wegen der Quote, sondern weil die Geschichte auserzählt ist. Wir konnten so das Ende selbst gestalten. Aber natürlich bin ich auch traurig, weil ich diese Rolle total liebe. Das ist wie ’ne Beziehung, die man beendet. Das Herz sagt: Ich liebe Dich immer noch. Der Kopf sagt: Ja, aber ich muss jetzt trotzdem gehen.

Jetzt drehen Sie die „Schlikkerfrauen“ über die Pleite der Drogeriemarktkette Schlecker – als Komödie. Geht so etwas bei einem so ernsten Thema?

Ich glaube schon. Für mich gibt es keinen Stoff, der es nicht verdient hätte, auch als Komödie inszeniert zu werden, schon gar nicht die Schlecker-Insolvenz. Die Komödie bietet im Gegenteil die Möglichkeit, den erhobenen Zeigefinger zu vermeiden.

Aber das Risiko, dass man Leute kränkt, die konkret betroffen sind, ist nicht gering, oder?

Das Risiko besteht eigentlich mehr darin, dass uns die Feuilletons verreißen. Ich glaube nicht, dass die Schleckerfrauen da anschließend beleidigt auf dem Sofa sitzen, zumal wir ein paar ehemalige Mitarbeiterinnen einbezogen haben in das Projekt. Die haben das Drehbuch gelesen, waren ziemlich begeistert und freuen sich total auf den Film. Wenn ich diese Frauen nicht ernst nehmen würde, würde ich ja nicht eine von ihnen spielen. Wenn da jemand aufn Sack kriegt, dann der Schlikker selbst, und mit dem Ärger kann ich leben.

Schauspielerinnen und Schauspieler werden ja in Deutschland immer gerne in Schubladen gesteckt. Haben Sie das Gefühl, raus zu sein aus der Komödienschublade, oder bekommen Sie immer noch vor allem eine Sorte Drehbücher?

Das hat sich sehr relativiert. Am Anfang, als ich im Fernsehen noch mehr als Comedian gearbeitet habe, in „Switch“ und der „Wochenshow“, fand ich das sehr anstrengend, als Schauspielerin in der falschen Schublade zu stecken. Da erwarten die Leute etwas, was ich nicht bieten kann. Wenn die Aufschrift Komödiantin lautet, dann kann ich damit gut leben. Ich komme vom Theater, habe früher nur Drama gespielt, für mich ist das ohnehin alles relativ. Eine gute Tragödin sollte in meinen Augen immer auch eine gute Komödiantin sein.

Was stört Sie am Etikett Comedian?

Da erwarten alle sofort einen Witz und alle dreißig Sekunden eine Pointe. Comedians sind für mich Leute, die Sketche spielen und Stand Ups machen, alles ehrenwerte Dinge, die ich als Zuschauer genieße, die aber nicht meinen eigenen Beruf charakterisieren.

 Das Gespräch führte Rudolf Ogiermann.

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