+
ARD-Moderatorin Anja Reschke.

Sie fordert "Aufstand der Anständigen"

ARD-Moderatorin Reschke: Schluss mit Hetze gegen Flüchtlinge

  • schließen

"Dagegen halten - Mund aufmachen!": Die ARD-Moderatorin Anja Reschke hat in den "Tagesthemen" mit einem Kommentar gegen Flüchtlingshetze im Netz überrascht. Später erzählt sie, wie die Menschen darauf reagiert haben.

Update vom 24. Oktober 2016: Der USA-Korrespondent der ARD kehrt nach Hamburg zurück: Ab dem heutigen Montag ist Ingo Zamperoni als "Tagesthemen"-Moderator zu sehen.

Fast 70.000 Likes, öfter als 55.000 mal geteilt: So viel Aufmerksamkeit hat ein Facebook-Post des ARD-Magazins "Panorama" bis Donnerstagmorgen erzeugt - innerhalb von lediglich 14 Stunden. Kein Wunder: Das Thema, das er beinhaltet, ist mehr als heikel. 

Gepostet wurde der Kommentar von "Panorama"-Moderatorin Anja Reschke, der am Mittwochabend auch in den "Tagesthemen" gesendet worden war. Bereits der Titel eine klare Ansage: "Mund aufmachen, Haltung zeigen!"

Der Inhalt dann eine Abrechnung mit all jenen, die im Netz gegen Flüchtlinge hetzen. Und die laut Reschke nicht nur Unterstützer sofort verbal niedermachen, sondern auch vor der realen Umsetzung ihres Hasses nicht zurückschrecken.

"Wenn ich mich jetzt hier hinstelle und öffentlich sage: Ich finde, Deutschland soll auch Wirtschaftsflüchtlinge aufnehmen – was glauben Sie, was dann passiert? Es ist nur eine Meinung, die darf man äußern. Schön wäre also, wenn darüber sachlich diskutiert würde. Aber so würde es nicht laufen. Ich bekäme eine Flut von Hasskommentaren. 'Scheiß Kanacken, wie viel wollen wir noch aufnehmen, sollen abhauen, soll man anzünden ...', all sowas halt. Wie üblich."

Bis vor Kurzem, so Reschke, hätten sich solche Kommentatoren noch hinter Pseudonymen versteckt. Aber mittlerweile werde sowas längst unter Klarnamen veröffentlicht. "Anscheinend ist das nicht mal mehr peinlich. Im Gegenteil, auf Sätze wie 'Dreckspack, soll im Meer ersaufen' bekommen sie ja auch noch begeisterten Zuspruch und eine Menge Likes."

Reschkes Erklärung dafür ist simpel: Wenn man bis dahin ein kleiner rassistischer Niemand gewesen sei, fühle man sich da natürlich plötzlich ganz toll. Man könne diese Leute abtun im Sinne von "Idioten gibt es halt immer", meint Reschke. "Aber es sind ja eben nicht nur Worte. Sondern es gibt sie ja schon – die Brandanschläge auf Flüchtlingsunterkünfte. Die Hasstiraden im Internet haben ja längst gruppendynamische Prozesse ausgelöst. Die Zahl der rechtsextremen Gewalttaten ist gestiegen."

So kann es nicht weitergehen, lautet das Fazit der Moderatorin. Die einzige Möglichkeit sei Strafverfolgung der Hetzer. Erst kürzlich sei ein Facebook-Hetzer aus Bayern wegen Volksverhetzung zu einer Geldstrafe verurteilt worden. "Aber das alleine reicht nicht."

Die Hassschreiber, ist Reschke überzeugt, müssen kapieren, dass diese Gesellschaft das nicht toleriert. 

"Wenn man also nicht der Meinung ist, dass alle Flüchtlinge Schmarotzer sind, die verjagt, verbrannt oder vergast werden sollten, dann sollte man das ganz deutlich kundtun. Dagegen halten, Mund aufmachen. Haltung zeigen, öffentlich an den Pranger stellen."

Klartext im tagesthemen/ Kommentar von Anja Reschke: (@tagesschau)"Wenn ich mich jetzt hier hinstelle und ö...

Posted by Panorama on Mittwoch, 5. August 2015

Einige sehr verdienstvolle Blogs täten das schon, aber es seien noch zu wenige. Reschke schreibt abschließend: "Der letzte Aufstand der Anständigen ist 15 Jahre her. Ich glaube, es ist mal wieder Zeit. Und: Ich freue mich schon jetzt auf die Kommentare zu diesem Kommentar."

Die lassen natürlich nicht lange auf sich warten. Erwartungsgemäß waren einige sehr positiv, befürworten Reschkes Vorstoß und bedanken sich für ihren Kommentar.

Andere kritisieren die Moderatorin harsch - statt der sachlichen Diskussion, die sie fordere, versorge sie auch nur ihr rot-grünes Stammpublikum mit politisch korrektem "Mainstream-Bla-Bla" im Sinne von "öffentlich - rechtlich - blind", schrieb ein User. 

Moderatorin Reschke freut sich über "so viele positive Rückmeldungen"

Auf tagesschau.de erzählt die NDR-Moderatorin im Interview, dass sie von den vielen Reaktionen auf ihren Kommentar "ehrlich" überrascht sei. Sie freue sich, "so viele positive Rückmeldungen" bekommen zu haben. Genau diese wollte sie mit ihrem Appell auslösen. Sie will übelster Hetze etwas entgegen halten. 

Ihr sei aufgefallen, dass die Menschen inzwischen mit ihrem richtigen Namen böse kommentieren, statt hinter einem Fantasienamen versteckt. "Sie fühlen sich mittlerweile in der Mehrheit und die Medien sind ihrer Meinung nach Medien, die lügen und die Meinung einer Minderheit darstellen. Und deswegen halte ich es für wichtig zu sagen: Nee, ihr seid die Minderheit und wir sind die Mehrheit", sagt Reschke.

Mit ihrem Kommentar reiht sich Reschke ein in die Reihe Prominenter, die zuletzt versuchten, der zunehmenden Feindseligkeit gegen Flüchtlinge öffentlich Paroli zu bieten. Zuletzt legte sich Schauspieler Til Schweiger auf Facebook mit Usern an, die gegen Flüchtlinge hetzten. Kurz darauf gab er bekannt, aus eigenen Mitteln ein Flüchtlingsheim bauen zu wollen.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Netflix: Mit diesem Tweet verärgerte der Streaming-Dienst seine Kunden
Mit einem Twitter-Post führte der US-Streamingdienst Netflix seinen Kunden vor Augen, wie genau er über diese Bescheid weiß. Viele Kunden reagierten empört.
Netflix: Mit diesem Tweet verärgerte der Streaming-Dienst seine Kunden
Hört Inka Bause bei "Bauer sucht Frau" auf? Sie hat neue Pläne
Sie ist das Gesicht der RTL-Sendung „Bauer sucht Frau“: Inka Bause (49). Schon die 13. Staffel flimmerte bis vor kurzem über die TV-Bildschirme in ganz Deutschland.
Hört Inka Bause bei "Bauer sucht Frau" auf? Sie hat neue Pläne
Wo läuft „Sissi“ an Weihnachten 2017 im TV?
Es ist jedes Jahr wieder eine der wichtigsten Fragen zum Fest: Kommt „Sissi“ an Weihnachten im Fernsehen? Hier erfahren Sie die Sendetermine zum Fernsehklassiker 2017.
Wo läuft „Sissi“ an Weihnachten 2017 im TV?
„Schwiegertochter gesucht“-Beate: Traurige Beichte
Pünktlich zum elften Staffelfinale von „Schwiegertochter gesucht“ hat sich Kult-Single Beate mit Moderatorin Vera getroffen, um über Männer zu reden. Das endet in einer …
„Schwiegertochter gesucht“-Beate: Traurige Beichte

Kommentare