Anne Will verabschiedet sich von den "Tagesthemen"

Hamburg - Am kommenden Sonntag gegen 23 Uhr wird sich Anne Will von den Zuschauern der ARD-"Tagesthemen" verabschieden - ihr letzter Arbeitstag nach etwas mehr als sechs Jahren in der Redaktion von ARD aktuell.

Das Publikum wird auf die hartnäckige, sachliche und bisweilen leicht ironische Art der Journalistin mit dem Markenzeichen hochgezogene, linke Augenbraue aber nicht verzichten müssen. Die 41- jährige Journalistin wird vom 16. September an die Nachfolge von Sabine Christiansen als ARD-Polit-Talkerin antreten. Wills Nachfolgerin bei den "Tagesthemen" wird wiederum Caren Miosga, die im Juli ihren Dienst antreten wird.

Rückblende: Zu Beginn dieses Jahres hatte Anne Will ihr Leben gerade neu organisiert. Ihr Vertrag mit ARD aktuell war kurz zuvor um drei Jahre bis 2009 verlängert worden, gerade hatte sie in Hamburg mit Wirkung vom 1. Februar an eine Wohnung gemietet, weil ihr die ständige Pendelei zwischen Berlin und Hamburg zu viel geworden war. Am Donnerstag, 11. Januar, wurde dann bekannt: Günther Jauch verzichtete darauf, die Nachfolge von Sabine Christiansen anzutreten. "Ich bin morgens ins Büro gekommen, wir haben in einer Sitzung spekuliert, wer denn nun den Talk machen könnte", erinnert sich Will. "Kurz danach rief schon NDR-Intendant Jobst Plog bei mir an."

Will signalisierte ihr Einverständnis. Am 5. Februar entschieden die ARD-Intendanten, dass sie den Talk übernehmen solle. "Ich wäre gerne bei den "Tagesthemen" geblieben", sagt die gebürtige Kölnerin. "Aber ein so fantastisches Angebot, wie den Talk am Sonntagabend zu übernehmen, konnte ich nicht ausschlagen. Schön war, dass mir meine ARD-aktuell-Kollegen nie das Gefühl gegeben haben, ich würde sie im Stich lassen." Nun ist Will nicht nur Journalistin, sie ist als geschäftsführende Gesellschafterin der Will Media GmbH auch Geschäftsfrau und Chefin von rund 20 Mitarbeitern, die ihre neue Talkshow mit Inhalt bestücken.

Zweifelsohne hat Will bei den "Tagesthemen" viel gelernt, denn gleich im ersten Moderationsjahr veränderten die Anschläge vom 11. September die Welt. "Die Attentate waren das entscheidende weltpolitische Ereignis der sechs Jahre, die Kriege in Afghanistan und im Irak waren ja Folgen davon", sagt Will. "In diesen sechs Jahren hat sich auch unsere Arbeit verändert. Nachrichten werden immer noch schneller produziert. Geschwindigkeit ist inzwischen das entscheidende Qualitätskriterium geworden. Das muss man nicht gut finden. Das ist aber so."

Sie erinnert daran, dass sich dieser Ehrgeiz beim Tod von Johannes Paul II. besonders fatal ausgewirkt hat. Da "zuckte einer zu früh" und vermeldete den Tod schon, obwohl der Papst noch lebte. In der Phase habe sich erneut gezeigt, dass "unklare Quellenlagen sorgsam zu überprüfen oder als unklar zu benennen sind. Klassisches journalistisches Handwerk, das beim tollsten Tempo gelten muss."

Die Vorverlegung der "Tagesthemen" auf 22.15 Uhr hat nach Wills Ansicht der Sendung gut getan, denn sie habe jetzt mehr Zuschauer. Grundlegende Verbesserungen an der Sendung selbst müsse es nicht geben. Sie sagt jedoch mit Blick auf die künftig spätere Sendezeit am Mittwoch wegen Frank Plasbergs neuer Talkshow: "Natürlich ist es nicht optimal, dass die Sendung künftig verschiedene Anfangszeiten hat. Aber wenn Frank Plasberg für einen guten Vorlauf sorgt, können auch die "Tagesthemen" profitieren."

Gibt es für Anne Will eine Rückkehr zu den "Tagesthemen", sollten alle Stränge reißen? "Ich sage keineswegs: "Nie wieder"", sagt sie. Aber im Augenblick sei diese Option sehr weit entfernt. Inzwischen ist Will zum zweiten Mal in diesem Jahr umgezogen, und zwar wieder zurück nach Berlin, aber in eine neue Wohnung, denn die alte war schon wieder vergeben.

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