Von der Antike besessen

"Der geheimnisvolle Schatz von Troja": - Ob in "Die Mauer", "Die Luftbrücke" oder "Der Tunnel", derzeit ist Heino Ferch (43) der wohl beliebteste Schauspieler für das deutsche historische Fernsehdrama. Ab heute ist er als Homer-Forscher Heinrich Schliemann (1822-1890) unterwegs: im SAT.1-Zweiteiler "Der geheimnisvolle Schatz von Troja".

Wie haben Sie sich vorbereitet? Sie haben nicht etwa die komplette "Ilias" gelesen?

Heino Ferch: Doch. Aber wir haben auch schon vor fünf Jahren den Anstoß dazu gegeben, einen Film über Troja und diesen doch sehr merkwürdigen und eher unsympathischen, ehrgeizigen, arroganten, chauvinistischen, aber doch visionären und dabei auch sehr faszinierenden Charakter Schliemann zu machen. Keiner von uns hat ihn je kennen gelernt, aber es gibt eine Menge Bücher, die man lesen kann.

Eben noch verkörperten Sie junge Familienmenschen, nun einen oberlehrerhaften Nickelbrillenträger mit Stock und Melone. Ist dieser Film für Sie der Sprung in ein älteres Figurensemester?

Ferch: Das weiß ich gar nicht. Aber es ist schön, dass Sie es erwähnen, weil wir in der Tat versucht haben, etwas Knorrigkeit und Behäbigkeit in die Figur einzubringen. Schliemann war nicht so viel älter als ich; es ist seine Zeit, die Leute in meinem Alter einfach zehn Jahre älter erscheinen lässt. Wir haben auch versucht, den Kontrast zu Mélanie Doutey, die unsere Sophia gespielt hat, glaubhaft zu unterstützen: Schliemann war damals 47 und Sophia war 19!

Wie möchte man als Schauspieler altern: mit, vor, nach seinen Figuren? Gibt es da Vorbilder für Sie?

Ferch: Ich glaube, man hat gar keine andere Wahl, als in seinen Rollen zu altern. Der Komiker in seiner Tragik von Heinz Rühmann und fast noch mehr der erwachsene Curd Jürgens mit seiner Gradlinigkeit und Selbstverständlichkeit: Das sind Männer aus der jüngeren deutschen Vergangenheit, die einfach immer großartige Kerle gewesen sind.

Auf der einen Seite die Abenteuergeschichte, auf der anderen die Liebesgeschichte zwischen Schliemann und seiner erkauften "Helena" Sophia ...

Ferch:  .... , die man bei der Entdeckung von Troja nicht weglassen kann. Denn das war das Parallelleben.

Ist sie authentisch erzählt?

Ferch: Ja, es war so. Der Mann kam mit Geld, Sophias Familie brauchte Geld, die Tochter hatte keine andere Wahl, das ist die Geschichte. Auch dass es Millimeterschritte waren, bis sie sich überhaupt näher gekommen sind. Das war ein ständiger Entwicklungsprozess: Wie machen wir den Stoff so reich es geht filmisch wie auch historisch authentisch?

Haben Sie neue Erfahrungen am "Troja"-Set gewonnen?

Ferch: Na ja, bei 60 Drehtagen in drei Monaten, in einem 50 Grad heißen Sommer in Kroatien\x0f.\x0f.\x0f. Es war, obwohl eine lustvolle Anstrengung, schon ein enormer Kraftakt, sich über so eine lange Zeit jeden Tag zu disziplinieren.

Ihr Schliemann erinnert an den traurigen Clown eines Charlie Chaplin.

Ferch: Chaplin ist mir nie in den Sinn gekommen, aber das kann ich nachvollziehen: Am Anfang ist Schliemann der Preußische, der voller akademischer Überzeugung, perfekt angezogen den ersten Spatenstich in sengender Hitze tut. Es ist behämmert ­ und dadurch natürlich auch komisch. Das Tragische ist, dass das Unternehmen jede Sekunde zum Scheitern verurteilt ist. Dass jemand, der so egoistisch und auch so besessen seinen Lebenstraum durchzieht, alles auf eine Karte setzt. Er hat sich in seiner Vision, etwas für die Ewigkeit machen zu wollen, in dieser Antiken-Besessenheit, komplett inszeniert.

Das Gespräch führte Teresa Grenzmann.

SAT.1, heute und morgen, 20.15 Uhr.

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