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Schweres Erbe: Sonja Kling in der Lach & Schieß vor den Karikaturen von Klaus Havenstein und Ursula Noack.

Apokalypse selbstgemacht: Das neue Lach & Schieß-Programm

Sie ist ein Teil der kleinen Revolution der Münchner Lach- und Schießgesellschaft: Sonja Kling (37) bildet mit Ecco Meineke und Thomas Wenke seit 2004 das neue Ensemble der altehrwürdigen Kabarettbühne, auf der einst Dieter Hildebrandt und Bruno Jonas standen.

Hat der Name des Programms auch damit zu tun, wann Sie mit dem Schreiben fertig wurden?

(lacht) Den Scherz haben wir auch gemacht. Wir haben eigentlich schon vor einem Jahr angefangen, das Stück zu planen. Es stand diese Idee im Raum: Lasst uns Engel auf die Bühne stellen und versuchen, die Welt zu retten! Dann haben wir aber lange darüber diskutiert - und tatsächlich erst im Juli mit dem Schreiben angefangen. Das war sehr knapp - hatte aber Vorteile: So konnten wir noch Aktuelles einbauen, wie die Bankenkrise.

Engel in der Lach- und Schießgesellschaft? Was hat es damit auf sich?

In dem Programm wollen wir erzählen, dass es keinen Gott gibt, der uns Menschen hilft. Sogar die Apokalypse kriegen wir prima selber hin. Aber wir haben auch alles, was wir brauchen, um uns selber aus dem Dreck zu ziehen. Um das den Menschen zu sagen, schickt Gott im Stück einen Erzengel. Der wählt eine junge Frau als Prophetin aus: Sie macht eigentlich gerade Last-Minute-Urlaub in Neapel, um sich das Rauchen abzugewöhnen. Sie sehen schon: Auch die Raucherdebatte wird angerissen.

Ist das Stück also ein richtiges philosophisch-theologisches Statement?

Hoffentlich! Deshalb haben wir auch so lange darüber debattiert. Es ist ja eigentlich recht unkabarettistisch, sich dem anzunehmen. Aber wir glauben, Kabarett soll Zeitgeist spiegeln. Und Religion ist im Moment gerade stark im Bewusstsein unseres Alltags. Neulich haben in den Tagesthemen zwei Theologen über die Finanzkrise diskutiert.

Sie sind seit 2004 im Ensemble. Wie unterscheidet sich Ihre Arbeit von früheren Programmen?

Früher standen Kabarettisten oft den ganzen Abend vorn an der Rampe und sprachen zum Publikum. Wir spielen Szenen und erzählen zusammenhängende Geschichten. Der Vorteil dabei ist, dass man das Publikum emotional involviert, dass es mit den Figuren fühlt und nicht nur über Politiker lacht. Wir arbeiten zudem nicht nur mit Wortwitz, sondern lieben auch den situativen, gespielten Witz und den skurrilen Humor.

Wie schwer ist das Erbe von Hildebrandt & Co.?

Als ich hier hinkam, war ich naiv. Mir war nicht klar, wie groß diese Fußstapfen sind, wie sehr man immer dem Vergleich ausgesetzt ist. Es gab anfangs tatsächlich einige Stammgäste, die nichts anfangen konnten mit unserem neuen Stil. Das hatte was von einer Schocktherapie - für uns wie fürs Publikum. Es hat sich aber eingependelt. Inzwischen kommen die Münchner wegen uns hierher - und nicht, obwohl wir hier sind.

Das Gespräch führte Johannes Patzig

Vorstellungen: 21.10 - 8.11: Di. bis Sa., jeweils 20 Uhr, Karten: 089/39 19 97.

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