Ein Arbeitssieg, immerhin

- Man kennt das ja vom Fußball. Erstes Spiel in der ersten Mannschaft - da vibrieren die Nerven, wackelt das Selbstbewusstsein. Und so gesehen hatte die Münchnerin Katrin Müller-Hohenstein bei ihrer Premiere im "ZDF-Sportstudio" einen ganz besondern Härtetest zu überstehen. Zumal ihr Karrieresprung vom Rundfunksender (Antenne Bayern) auf die traditionsreichste Sportbühne im Zweiten mit enormen Erwartungen und verschärfter Aufmerksamkeit verbunden war.

Ein Frau im Sportstudio - da spielt auch immer die Vorgeschichte mit, das unglückliche Scheitern von fünf Vorgängerinnen (bis 1995). Seither ist viel Zeit vergangen, Frauen haben als Moderatorinnen in deutschen TV-Kanälen längst alle Vorurteile widerlegt, sind in prominente Positionen aufgerückt, auch im Sport (siehe Monica Lierhaus/ARD). Somit stellte sich beim Debüt nicht die Frage, ob es der Sportstudio-Moderatorin Müller-Hohenstein gelingt, den Fußballfans den Fußball näher zu bringen, als Frau. Nein, die Zielvorgabe ist im Grunde weitaus anspruchsvoller: Sie soll es besser machen als die Männer.

 Das ZDF-Sportstudio, die einstige Kultsendung, befindet sich bekanntlich schon lange in der Krise. Und so hat der zuständige Chefredakteur Nikolaus Brender mit Katrin Müller-Hohenstein "einen Lattenkracher" angekündigt. Der Sportstudio-Chef Dieter Gruschwitz sprach von "neuen Akzenten" in der Gesprächsführung. Ein bisschen viel das alles für die neue Kraft neben den Kollegen Kerner, Steinbrecher und Poschmann. Und es lässt sich auch kaum behaupten, Katrin Müller-Hohenstein hätte es bei ihrem Einstand gleich gewaltig krachen lassen.

Aber hierfür gab es auch kaum Spielräume. Das Interview mit dem zugeschalteten Jürgen Klinsmann war geprägt von der - gewohnten - Unverbindlichkeit des Teamchefs. Immerhin bot sich nach dessen Lapsus eine schöne Konterchance. Klinsmann hatte sich ein "Frau Müller-Wohlfahrt . . . äh Hohenstein" geleistet. Die Moderatorin ließ schlagfertigerweise "viele Grüße an Frau Müller-Wohlfahrt" ausrichten. Dass dann das Gespräch mit dem notorisch spröden DFB-Chef Theo Zwanziger gerade mal eine winzige Pointe ermöglichte ("Würden Sie einen Zwanziger auf Deutschland wetten?"), war so verwunderlich nicht. Klinsmann, Zwanziger, da lässt sich für einen Interviewer nur schwer was reißen.

Letztlich aber schlug sich die ZDF-Novizin durchaus mit eloquentem Charme. Das Resultat war ein ungefährdeter Arbeitssieg. Die ersten drei Punkte also gleich zum Rückrundenstart für Katrin Müller-Hohenstein - der Weg zur Meisterschaft allerdings ist, wie sollte es auch anders sein, noch lang.

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