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Spione nach der James-Bond-Manier sind out. Heutzutage kommte der Agent virtuell daher.

ARD-Doku: "Angriff aus dem Internet"

Hamburg - Geheimagenten vom Schlage eines James Bond wirken im Web-Zeitalter irgendwie anachronistisch. Heutzutage ist Spionage häufig eine virtuelle Angelegenheit.

Bei Angriffen auf Computer und Netzwerke geht es um Politik- und Wirtschaftsspionage ebenso wie um simple Kriminalität, Voyeurismus oder Zerstörung. Doch wie können sich Regierungen, Unternehmen und Bürger vor solchen Angriffen schützen? Einen Einblick gibt die Dokumentation “Angriff aus dem Internet - Wie Online-Täter uns bedrohen“, die die ARD am Donnerstag um 22.45 Uhr zeigt.

Der ARD-Korrespondent in Washington, Klaus Scherer, war durch eine persönliche Erfahrung auf das Thema gestoßen, einen Anruf seiner Bank: Jemand wolle mit seiner Kreditkarte gerade etwas in Philadelphia kaufen - er sei aber doch wohl gerade in New York, hieß es von der Bank. Diese unliebsame Erfahrung mit Kreditkartenklau per Computer sowie geheimnisumwitterte Hackerangriffe auf Google und andere Wirtschaftsunternehmen angeblich von China gaben schließlich den Impuls zu der Doku, die bereits Ende Januar ausgestrahlt werden sollte, dann aber wegen der aktuellen Berichterstattung zum Tod von Filmproduzent Bernd Eichinger verschoben wurde.

Nun hat Scherer den 45-Minuten-Film nochmals ergänzt und umgeschnitten, so arbeitete er auch die Pläne zu einem nationalen Cyber-Abwehrzentrum ein, das Ende Februar vom Bundesinnenministerium vorgestellt wurde und am 1. April die Arbeit aufnehmen soll. Die USA haben so etwas bereits, die National Cyber Forensics Training Alliance - und die spricht von einer Zunahme von Wirtschaftsspionage per Netz: “Da geht es um das neue Jet-Design, die umweltschonendere Kraftstoff-Formel oder das nächste Wunder-Medikament“, sagte ihr Chef, Ron Plesco. “Hacker forschen immer häufiger gezielt Firmenchefs, Vorstände oder Aufsichtsräte aus, über deren E-Mail-Briefkästen sie dann in die Firmennetzwerke vordringen.“

Doch nicht nur die große Kriminalität per Cyber-Attacke zeigt Scherer auf, auch die kleine schmutzige Spionage im Privaten: So schleicht sich ein Hacker per E-Mail in den Computer zweier argloser Teenies. Per Webcam kann er sie nun beobachten, wie sie sich umziehen, anziehen, schlafen gehen. Die Opfer merken davon meist gar nichts - und die Behörden haben es auch schwer. Scherer spricht vom Hase-und-Igel-Effekt: “Natürlich gibt es Abwehrmittel. Aber sie hinken der gegenwärtigen Entwicklung gewaltig hinterher.“ Und das Internet schafft eine neue Lebensform, die die meisten Menschen erst noch in den Griff bekommen müssen.

Scherer, Vater dreier Kinder: “Wir sagten früher unseren Sprösslingen: Geht mal abends um zehn nicht ins Bahnhofsviertel! Wenn sie heute Internet-Zugang haben, sind solche Mahnungen fast töricht. Jetzt drohen ganz andere Gefahren. Wir müssen also auch in der Erziehung junger Menschen umdenken.“

dpa

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