+
In Hallen wie dieser werden in Vietnam täglich Tonnen von Pangasius filetiert. Allein die Deutschen verzehrten im vergangenen Jahr 40 000 Tonnen des Zuchtfisches

ARD-Film enthüllt: Der Pangasius-Skandal

München - Pangasius ist der Hit auf deutschen Tellern, doch seit einiger Zeit schlagen Umweltschützer Alarm. Ein ARD-Film enthüllt den stinkenden Fisch-Skandal. Wir sprechen mit einem der Autoren.

Lesen Sie dazu:

ARD-Doku: "Angriff aus dem Internet"

Ob im Supermarkt, im Restaurant oder auch in vielen Kantinen: Überall wird inzwischen Pangasius angeboten. Der Zuchtfisch gehört zum Beliebtesten, was die Deutschen so auf dem Teller haben. Seit einiger Zeit allerdings schlagen Umweltschützer Alarm. Die Pangasius-Produktion in Asien sei eine einzige Katastrophe für die Tiere. Die NDR-Autoren Michael Höft und Christian Jentzsch sind der Frage nachgegangen und haben für die Reihe ARD-exclusiv einen Film gedreht, der tatsächlich Erschreckendes aufdeckt.

Herr Höft, Sie sind gemeinsam mit der Umweltorganisation WWF nach Vietnam gereist, um sich ein Bild von der Pangasius-Herstellung zu machen. Wie schwierig war die Recherche vor Ort?

Michael Höft: In einem sozialistischen Land ist es durchaus schwierig zu arbeiten. Wir hatten permanent drei Zensur-Beamte um uns herum, die jeden Schritt von uns bewacht haben.

Sie haben es aber trotzdem geschafft, eine Pangasius-Farm zu besichtigen und dort zu drehen.

Höft: Ja, der WWF hat einige Kontaktleute in Vietnam, die uns geholfen und zu den Farmen gebracht haben. Ich bin aber realistisch und gehe davon aus, dass wir nicht gerade an den schlimmsten Orten waren. Der größte Produzent vor Ort hat uns zum Beispiel nicht reingelassen, keine Chance.

Wie ging es denn in den kleineren Farmen zu?

Höft: Was wir gesehen haben, war tragisch. Die Becken sind hoffnungslos überfüllt. Teilweise „schwimmen“ 60 bis 80 Fische in einem Kubikmeter Wasser (zum Vergleich: In eine normale Badewanne passt ein halber Kubikmeter Wasser). Das ist also so eng, dass sich die Tiere nicht mehr bewegen können. Die sind dicht an dicht, wie gestapelt. Durch die Enge verletzen sich die Fische gegenseitig, weswegen wiederum der Einsatz von Antibiotika extrem hoch ist. Die Produzenten streuen da um die 50 verschiedenen Antibiotika in die Becken. Noch dazu werden die Becken mit Pestiziden ausgekleidet, um Fäulnis und Algenbewuchs zu verhindern.

Mal abgesehen von der Quälerei der Fische – das kann doch auch für den Verbraucher, also denjenigen, der Pangasius isst, nicht gesund sein.

Höft:Das ist erstaunlicherweise nicht das größte Problem. Es gibt ja EU-Grenzwerte, deren Einhaltung auch kontrolliert wird. Wir haben selbst Proben in Auftrag gegeben und keine Rückstände etwa von Pestiziden gefunden. Man kann allerdings davon ausgehen, dass die Fische, die zum Beispiel nach China gehen, ganz anders belastet sind als die für Europa.

Wie viele Pangasius-Fische werden in Deutschland so verzehrt?

Höft: Die Deutschen haben im vergangenen Jahr 40 000 Tonnen gegessen, Tendenz steigend.

Das ist also ein Riesengeschäft. Dabei schmeckt Pangasius doch eigentlich nach nichts!

Höft: Stimmt, Pangasius wird nur gekauft, weil er billig ist. Er ist ein klassischer Panade-Halter.

Gibt es auch Bio-Pangasius?

Höft: Ja, in Vietnam gibt es eine einzige Bio-Farm, die übrigens von einem Münchner betrieben wird. Aufs Ganze gerechnet macht seine Farm aber nur 0,2 Prozent der Fördermenge aus, ist also praktisch nichts – außer ein wichtiges Stück Hoffnung.

Haben Sie wirklich die Hoffnung, dass sich die schlimmen Zustände bei der Pangasius-Zucht verbessern – oder sind die wirtschaftlichen Interessen zu stark?

Höft: Es liegt letztlich in der Hand der Verbraucher. Die Menschen müssen begreifen, dass – wenn überhaupt – nur der Verzehr von Bio-Ware zu verantworten ist.

Die wiederum viel teurer ist …

Höft: Ja. Das stimmt. Und natürlich kann sich das nicht jeder leisten. Aber uns ging es auch und vor allem darum, erst einmal ein Bewusstsein dafür zu schaffen, was mit so einem Pangasius passiert ist, bevor er im Supermarkt im ­Regal steht.

Interview: St. Thyssen

ARD-exclusiv: Die Pangasius-Lüge - Mittwoch, 21.45 Uhr, ARD

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Aus für Frank Elstners „Große Show der Naturwunder“
Frank Elstners „Große Show der Naturwunder“ wird eingestellt.
Aus für Frank Elstners „Große Show der Naturwunder“
Zwei Bayern rocken „Wer wird Millionär?“ - Wir haben die Fragen zum Mitraten
Am Montag begrüßte Quizmaster Günther Jauch die TV-Zuschauer zu einer Sonderausgabe von „Wer wird Millionär“, bei der diesmal nur 18-Jährige antreten durften. Zwei junge …
Zwei Bayern rocken „Wer wird Millionär?“ - Wir haben die Fragen zum Mitraten
„Wer wird Millionär“: Jauch spricht über Zukunft des TV-Quiz
Sie ist eine der beliebtesten TV-Sendungen - aber wie lange noch? Günther Jauch sprach nun über die Zukunft von „Wer wird Millionär“ - und wie sie entschieden wird.
„Wer wird Millionär“: Jauch spricht über Zukunft des TV-Quiz
Trump und Spicer: Emmys werden zur Polit-Show
Mehrfach war Donald Trumps TV-Show „The Apprentice“ für Emmys nominiert, gewann aber nie, worüber er sich lautstark beschwerte. Trumps Wahlsieg aber machte die …
Trump und Spicer: Emmys werden zur Polit-Show

Kommentare