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TV-Kritik zum ARD-Tatort: Feines Kammerspiel zwischen Schuld und Scham

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Von: Astrid Kistner

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Ein Unfall? Szene aus dem „Tatort“.
Ein Unfall? Szene aus dem „Tatort“. © SWR/Maor Waisburd

Dass der Stuttgarter „Tatort: Anne und der Tod“ ein großartiger Krimi geworden ist, ist nicht gerade das Verdienst der Kommissare Lannert (Richy Müller) und Bootz (Felix Klare).

Im Gegenteil: Den schwäbischen Ermittlern, die eine engagierte Altenpflegerin im Verhör unermüdlich in die Enge treiben, möchte man mehr als einmal zurufen, die arme Frau doch endlich in Ruhe zu lassen. Wo bleibt das Mitgefühl für die herzliche Fachkraft, die sich als mobile Pflegerin für ihre Klienten aufreibt? Ja, es dauert lange, bis beim Zuschauer der Groschen fällt. Geschickt inszeniert Regisseur Jens Wischnewski das von Wolfgang Stauch virtuos geschriebene Verwirrspiel, das sich auf verschiedenen Zeitebenen bewegt.

Katharina Marie Schubert spielt die Pflegerin absolut preisverdächtig

Im Verhörraum rekonstruiert die Pflegerin Anne Werner ihre Besuche bei zwei älteren Herren, die kurz darauf gestorben sind. Ein Zufall oder Mord? Katharina Marie Schubert spielt die Altenpflegerin, die verdächtigt wird, ihre Schutzbefohlenen auf dem Gewissen zu haben, absolut preisverdächtig. Mit Humor und Hingabe gibt sie die Heldin in einem der härtesten Berufe unserer Gesellschaft und managt nebenbei als alleinerziehende Mutter einen pubertierenden Sohn. Allein die Kommissare vermuten hinter ihrer blitzsauberen Fassade einen „Engel des Todes“.

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Kein schockierendes Verbrechen, kein langes Lamentieren über den allgemeinen Pflegenotstand – seine Spannung zieht der Krimi aus dem feinen Psychogramm, das er von seiner Protagonistin zeichnet. In Rückblenden setzt sich Stück für Stück ein subtiles Puzzle zusammen, das bis zur letzten überraschenden Minute mit den großen Themen Schuld und Scham spielt.

Aus Kassel fesselte zuletzt der ARD-Tatort mit dem Fall um einen mörderischen Moderator

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