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Mit den Sanitätern (Komparsen) betrachten (von links) Konsul Abdel Saleh (Samir Fuchs), Kriminalhauptkommissar Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl), Kriminalhauptkommissar Ivo Batic (Miroslav Nemec) das Opfer Karim (Masoud Janbaz).

"Der Wüstensohn"

TV-Kritik: So war der München-Tatort

München - Schon in den ersten Minuten schlägt dieser Münchner „Tatort“ in der ARD eine Richtung ein, die einen sehr vorhersehbaren Gang der Handlung befürchten lässt. Eine TV-Kritik.

Der Tatverdächtige aus Arabien beschimpft die Polizisten in perfektem Deutsch als „Arschgeigen“, die revanchieren sich, indem sie ihn (zurück-)duzen und als „Kameltreiber“ titulieren – in den ersten Minuten schlägt dieser neue Münchner „Tatort“ (ARD) eine Richtung ein, die einen sehr vorhersehbaren Gang der Handlung befürchten lässt. Hier der junge, reiche Macho aus dem Orient, der dank seines Diplomatenstatus ungestraft tun und lassen kann, was er will, dort die Ermittler, die gegen alle – auch interne – Widerstände dem Recht zur Geltung verhelfen wollen.

Doch so leicht machen es die Drehbuchautoren Alexander Buresch und Matthias Pacht in „Der Wüstensohn“ den Zuschauern nicht, vor allem, was die Hauptfigur der Episode betrifft. Denn Nasir al Yasaf, beeindruckend gespielt von Yasin el Harrouk, ist nicht der Fiesling, als der er zunächst in Erscheinung tritt. Je länger dieser Krimi dauert, desto deutlicher wird das Drama Nasirs als eines Gefangenen familiärer (Herrschafts-)Strukturen, eines Prinzen ohne Land, der mehr und mehr spürt, dass sich Liebe und Freundschaft nicht kaufen lassen. Es ist schon fast rührend, wie der junge Mann mit dem angestrengt finsteren Blick die Kommissare Batic (Miroslav Nemec) und Leitmayr (Udo Wachtveitl) zu seinen Spezln machen will. Ein Möchtegern-Thronfolger, ein Regent in spe, der in Wirklichkeit schon längst die Kontrolle verloren hat – wenn er sie denn je hatte.

Beim Rest des Personals dagegen möchte man eigentlich den Kopf schütteln. Ein Generalkonsul (Samir Fuchs), dem die Falschheit schon aus dem Gesicht zu schauen scheint, ein Politiker (Philipp Moog), der sich für Sexabenteuer das Ja zu verbotenen Waffengeschäften abkaufen lässt, überängstliche Staatsanwälte, denen „wirtschaftliche Interessen“ wichtiger sind als das Strafgesetzbuch – was wie eine Anhäufung dickster Klischees anmutet, liegt erschreckend nah an der Realität. Schließlich wurde einst Gaddafis Sohn Saif al-Arab, dessen Fall hier unter anderem Pate stand, von den sonst so kompromisslosen Behörden mit Samthandschuhen angefasst.

Rainer Kaufmanns Film ist zum Glück kein überambitionierter Politthriller, sondern ein gut gefilmter, gut gespielter Krimi, der bei aller Brisanz der Geschichte auch viele überraschend skurrile Momente hat.

Dreharbeiten an München-Tatort zum Oktoberfest 2015

Ein ganz besonderer Tatort aus der bayerischen Landeshauptstadt erwartet die Zuschauer im Oktober kommenden Jahres: Derzeit dreht die Münchner Produktionsfirma Wiedemann & Berg Television im Auftrag des Bayerischen Rundfunks auf dem Oktoberfest den Tatort "Die letzte Wiesn". Schon am 2. September 2014 haben die Dreharbeiten begonnen, die letzte Klappe wird wohl am 2. Oktober fallen - noch vor dem Ende der diesjährigen Wiesn.

Rudolf Ogiermann

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