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Die Tarnung des Täters: Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers, l.) und Frank Thiel (Axel Prahl) sind dem Serienmörder auf der Spur.

"Superhelden in Strumpfhosen"

So war der "Tatort" aus Münster

Köln - Mit Säure überschüttet, mit dem Hammer erschlagen, vom Hausdach gestürzt und, wenn auch aus Versehen, unten auf der Straße vom Auto überrollt - das nennt man wohl „Overkill“. So war der Tatort aus Münster - eine TV-Kritik.

Schon die erste Szene dieses neuen ARD-„Tatort“ aus Münster gibt die Tonart vor, in der hier musiziert wird. Alles stark übertrieben, aber trotzdem nur so weit, dass am Ende noch ein guter Krimi herauskommen kann.

Autor und Regisseur Lars Kraume hat sich für die Jubiläumsfolge des Kultduos Frank Thiel (Axel Prahl) und Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers) einen todsicheren Plot ausgedacht. Die Figur des irren Rächers, der im schmuddeligen „Superman“- Kostüm „das Geschmeiß“ bekämpft, liefert den Rhythmus – zwei Opfer hat es schon gegeben, weitere können dazukommen. Dass es in „Der Hammer“ um Korruption im Zusammenhang mit dem Bau ausgerechnet eines Bordells geht, ist ein treffender Seitenhieb auf die Zunft der „Tatort“-Drehbuchschreiber, die immer gern den „gerechten“ Mord als Akt der Gesellschaftskritik thematisieren.

Rund um die Rahmenhandlung der sukzessiven Enttarnung des geheimnisvollen „Hunter“ gruppiert Kraume viele wunderbare Slapstickszenen. Sie nehmen unter anderem elegant die Stereotypen des Genres aufs Korn, angefangen von Thiels Malheur beim Sichern eines Büros über die bizarre Zeichensprache des SEK bis zum überlauten Scheibenwischgeräusch im Auto bei der Observation des Tatverdächtigen kurz vor Schluss.

Was bei minder talentierten Darstellern grausam schief gehen kann, funktioniert hier dank des bis in die kleinsten Nebenrollen überragenden Ensembles perfekt. Axel Prahl und Gegenspieler Milan Peschel gelingt es darüber hinaus, ihrem Spiel eine große Ernsthaftigkeit zu verleihen, ohne dass dies im Umfeld der komödienhaften Grundstimmung aufgesetzt wirkt. Und wie Kraume für nur wenige Momente Gaststar Frank Zander als Karikatur eines Zuhälters präsentiert, ist großes Kino (und versöhnt mit dem kleinen Mangel, dass ihm zu Friederike Kempter als Assistentin Nadeshda Krusenstern wenig eingefallen ist). Sei’s drum, so erdacht und inszeniert, kann der Münsteraner „Tatort“ auch Skeptiker überzeugen.

Rudolf Ogiermann

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