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Songma (Huichi Chiu) führt Prof. Boerne (Jan Josef Liefers) durch eines ihrer Werke im Westfälischen Landesmuseums

TV-Kritik

"CSI Münster": So war der ARD-Tatort

Müchen - Irgendwann schreit Thiel diesen Satz in den Münsteraner Nachthimmel: „Chinesischer Geheimdienst, Mafia, was denn noch – FBI?“ Was sonst noch passierte und wie der Tatort aus Münster war - eine TV-Kritik. 

Eine Nummer kleiner geht’s wohl nicht beim Klamaukdauerdienst, zumal das Hauptopfer in diesem „Tatort“ (ARD) auch noch Prinzessin ist. Aber diesmal ist etwas anders, Thiels (Axel Prahl) Verwirrung ist ernst gemeint. Er steckt nämlich mitten in einem richtigen Krimi. Mit Mafia und Geheimdienst. Und mit einem Professor Boerne (Jan Josef Liefers), der nicht affektiert herumstolziert, sondern spielt – und zwar streckenweise richtig gut. Dabei ist der Einstieg typisch Münster.

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Ein Fernduell der beiden Platzhirsche: Wer brunftet erfolgreicher? Das hätte man so weiterspinnen können. Zum Glück kriegt Autor Orkun Ertener die Kurve. Als entwaffneter Verdächtiger kann Boerne die Handlung nicht mehr wegblödeln. Kluger Schachzug. In den nächsten 80 Minuten bricht der Krimi mit fast allem, was man von den jüngsten „Tatort“-Folgen aus Münster gewöhnt ist. Regisseur Lars Jessen zieht einen politischen Themenkrimi rund um die repressiven Verhältnisse im heutigen China auf und setzt außerdem auf eine modernere Erzählsprache. Schnelle Schnitte, Rückblenden, Verfolgungsjagden. Manchmal fragt man sich, ob man nicht doch versehentlich bei RTL gelandet ist. „CSI Münster“. Oder so. Es ist ein Gegengewicht zu den letzten Fällen des Duos. Nur will „Die chinesische Prinzessin“ zu viel auf einmal.

Plötzlich ist die Volksgruppe der Uiguren mit im Spiel, die von Chinas Regierung als Terroristen abgestempelt wird. Außerdem wirkt bei so viel realpolitischer Kost manche Skurrilität übersteuert. Da trifft der inhaftierte und an kurzzeitiger Amnesie leidende Boerne auf einen ziemlich düsteren Typen, der wegen eines seiner Gutachten im Knast sitzt. Die Quittung ist ein Platzwündchen an der Schläfe – obwohl man Boerne schon im Fleischwolf stecken sah. Man muss dem WDR dennoch dankbar sein für seine Bemühungen, die in Absurdität erstarrten Ermittler wiederzubeleben. Gerade Liefers, der den Traumatisierten so gut spielt, dass umso mehr auffällt, wie unterfordert er in den vergangenen Episoden gewesen sein muss, hat jetzt die Möglichkeit, seine Figur charakterlich weiterzuentwickeln. Das Geständnis Alberich (Christine Urspruch) gegenüber spricht Bände: Nein, es sei nicht alles in Ordnung. „Aber es ist alles vorbei.“ Ein bisschen mehr Tiefe in Zukunft? Wäre klasse. Mit dem frischen Duo Ertener/Jessen könnt’s wirklich was werden.

Marcus Mäckler

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