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So sieht ein viel diskutiertes Plakat zur ARD-Themenwoche aus, über das sich viele Menschen aufregen.

Kardinal Reinhard Marx spricht

Kirche verteidigt Poster der ARD-Themenwoche

München - Die ARD hat bei der Werbung für ihre Themenwoche Toleranz „eine gewisse Provokation“ in Kauf genommen. Die Kirche unterstützt den Sender.

In dem Streit um die „Themenwoche Toleranz“ der ARD springt die katholische Kirche dem Sender zur Seite. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, hält die Themenwoche nach Angaben seines Sprechers für „einen wichtigen Beitrag einer lebendigen Toleranzkultur in Deutschland“. Eine Plakataktion, mit der das Erste für die Aktionswoche unter dem Motto „Anders als Du denkst“ wirbt, hatte bereits vor dem Start am Samstag Aufregung ausgelöst.

Die Poster zeigen etwa, wie ein Mann einen anderen auf die Stirn küsst. Dazu die Überschrift: „Normal oder nicht normal?“ Auf einem anderen ist ein Schwarzer zu sehen, darüber die Frage: „Belastung oder Bereicherung?“ Über einem Rollstuhlfahrer steht „Außenseiter oder Freund?“ und über einem schreienden Kind „Nervensäge oder Zukunft?“

Toleranz erfordere, „andere Positionen und Werte erst einmal wirklich zu verstehen“, erklärte Kardinal Reinhard Marx zur Themenwoche. „Genauso ist es notwendig, auch die eigene Position zu kennen und sie freimütig und ohne Angst ins Gespräch zu bringen. Diese Haltung könnte unsere Gesellschaft in wichtigen Debatten weiterbringen.“

Die Plakatreihe sei „sehr unglücklich und wenig reflektiert“, hatte der Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbandes, Ulrich Schneider, am Dienstag dem Handelsblatt (Online) gesagt. Ebenfalls im Gespräch mit Handelsblatt.com forderte der Grünen-Bundestagsabgeordnete Volker Beck von der ARD ein Überdenken ihres Themenspecials. „Die öffentlich-rechtlichen Medien verlassen ihren gesetzlichen Auftrag, wenn sie Minderheiten in ihrer Existenz infrage stellen.“

User werfen der ARD Intoleranz vor

Auch in den sozialen Netzwerken gab es viele kritische Stimmen. User Raul Radon twitterte zum Beispiel: „Das Plakat der #ARD würde eher zu einer Themenwoche zum Thema Intoleranz passen. Mit #Toleranz hat das nichts zu tun.“ Der Twitter-Auftritt der ARD-Themenwoche reagierte: „Gut: Plakat-Aktion sorgt für Aufmerksamkeit. Weniger gut: Motiv soll zwar provozieren, aber nicht verletzen. #Toleranz“.

Themenwoche-Koordinator nimmt Kritik ernst

Die ARD hatte nach eigenen Angaben „eine gewisse Provokation“ in Kauf genommen: „Die Kritik nehmen wir selbstverständlich ernst“, hatte der verantwortliche Koordinator der ARD-Themenwoche, Hans-Martin Schmidt, in einer ersten Reaktion gesagt. Man habe anscheinend einen Nerv getroffen.

dpa

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