Millionen Haushalte betroffen

Wollen ARD und ZDF den Kabel-Stecker ziehen?

München - Kabelkunden droht ab nächstem Jahr ein abgespecktes Angebot von ARD und ZDF. Die öffentlich-rechtlichen Sender erwägen, ihre Verträge mit Deutschlands größten Kabelnetzbetreibern aus Kostengründen zu kündigen.

„Wenn wir unsere Verträge kündigen, werden wir dies fristgerecht bis zum Monatsende tun“, sagte die ARD-digital-Chefin Brigitte Busch am Mittwoch. „Und dies werden die Kabelverbreitungsfirmen als erste erfahren.“

Das „Handelsblatt“ hatte in seiner Mittwochsausgabe über den geplanten Ausstieg berichtet. Betroffen sind mehrere Millionen Haushalte, die ihr Fernsehprogramm über die Netze von Kabel Deutschland, Unity Media und Kabel BW erhalten. Die öffentlich-rechtlichen Sender zahlen für die Kabeleinspeisung rund 60 Millionen Euro pro Jahr. Bei der Bedarfsanmeldung für ihre Etats im nächsten Jahr haben ARD und ZDF dafür aber kein Geld mehr eingeplant.

Kabel-Deutschland-Chef Adrian von Hammerstein sagte dem „Handelsblatt“: „Alle Sender zahlen Einspeiseentgelte für die Verbreitung bei Kabel Deutschland. Wir sehen keine Veranlassung, daran etwas zu ändern.“ Auch Unity-Media-Chef Lutz Schüler zeigte sich nicht bereit, die Programme von ARD und ZDF ab Januar kostenlos zu verbreiten.

„Laut Rundfunkstaatsvertrag müssen wir bestimmte Angebote verbreiten – aber nicht alle“, erklärte Kabel-Deutschland-Sprecher Marco Gassen. Der Münchner Marktführer bedient 13 von 16 Bundesländern und hat bisher 27 Millionen Euro erhalten.

Komplett aus dem Kabel verschwinden können die öffentlich-rechtlichen Fernseh- und Radioprogramme allerdings nicht: „Das kann deshalb nicht passieren, weil es eine gesetzliche ,must carry‘-Regel gibt“, sagte ZDF-Sprecher Alexander Stock. „Das bedeutet, dass die öffentlich-rechtlichen Sender in den Kabelnetzen verbreitet werden müssen. Und schließlich könnten die Kabelunternehmen das auch kaum ihren Kunden erklären, denn die zahlen schließlich Kabelgebühren für den Empfang aller Programme.“

Inzwischen seien Gespräche vereinbart worden, wenn auch noch ohne konkreten Termin, sagte Gassen. „Wir wollen mit den öffentlich-rechtlichen Anstalten verhandeln. Das ist noch nicht geschehen.“ Der laufende Vertrag könnte zum 30. Juni gekündigt werden und würde zum Jahresende auslaufen. Ende vergangenen Jahres gab es in Deutschland rund 17,3 Millionen Haushalte, die ihre Programme über Kabel empfingen, 17,5 Millionen sahen Satellitenfernsehen, etwa 1,8 Millionen erhalten ihr digitales Signal über Antenne. IPTV, also Fernsehen via Internet, können 1,3 Millionen Haushalte sehen.

Roland Losch

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