Schauspieler Dieter Bellmann verstorben

Schauspieler Dieter Bellmann verstorben
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Zurück in die wilden Siebziger: Für seine an Alzheimer erkrankte Frau Erika (Gisela Schneeberger) lässt Hartmut (Erwin Steinhauer) die Erinnerung an frühere Zeiten mit psychedelischen Tapeten und Disco-Musik wieder aufleben – und hat ihre gemeinsame Wohnung umgestaltet.

Tragikomödie über Demenz mit Gisela Schneeberger:

„Man muss sich den Dingen stellen“

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Die ARD zeigt heute Abend um 20.15 Uhr die gelungene Tragikomödie „Für dich dreh ich die Zeit zurück“. Exzellent spielt Erwin Steinhauer darin den betont brummigen, im Herzen aber durch und durch sensiblen Hartmut, der für seine an Demenz erkrankte Frau Erika (Gisela Schneeberger) das gemeinsame Zuhause wieder einrichtet wie in den Siebzigerjahren.

München - Es ist ein Film, der in keiner Sekunde auf die Tränendrüse drückt – und doch muss man als Zuschauer schon sehr an sich halten, in vielen Szenen nicht zu weinen. Vor Rührung, wie da ein Mann für seine Frau alles tut. Aber auch vor Trauer um die Tatsache, dass man von geliebten Menschen irgendwann Abschied nehmen muss. Die ARD zeigt heute Abend um 20.15 Uhr die gelungene Tragikomödie „Für dich dreh ich die Zeit zurück“. Exzellent spielt Erwin Steinhauer darin den betont brummigen, im Herzen aber durch und durch sensiblen Hartmut, der für seine an Demenz erkrankte Frau Erika (Gisela Schneeberger) das gemeinsame Zuhause wieder einrichtet wie in den Siebzigerjahren. Denn wenn Disco-Musik von Dschinghis Khan ertönt, begegnet Hartmut einer Erika, die er längst verloren glaubte. Wir trafen Grimmepreis-Trägerin Schneeberger in der Münchner Vorstadt. Ein Gespräch über Alzheimer, Zeitreisen, und schwachsinnige Happy Ends.

Wie schwierig war es für Sie, diese demenzkranke Frau, die beispielsweise nicht mehr richtig essen kann, zu spielen, ohne sie ins Lächerliche zu ziehen?

Ich war zur Vorbereitung in zwei verschiedenen Münchner Demenzheimen und habe ein bisschen zugeschaut, wie die Menschen dort leben. Jeder macht was Absurdes, aber ich fand’s überhaupt nicht lächerlich. Ich fand’s eher ... na ja, einerseits rührend und natürlich auch traurig irgendwo. Aber so ist es einfach, man muss sich damit auseinandersetzen.

Haben Ihre Erfahrungen dort Eingang in Ihr Spiel gefunden?

Durchaus. Unser Regisseur hat uns da viel Freiheit gelassen. Zum Beispiel hat er einmal zu mir gesagt, ich solle reinkommen und sagen: „Mein Freund, der Baum, ist tot.“ Das stand so nicht im Drehbuch, aber ich fand das sehr passend. Denn im Grunde kann man alles machen. Einmal saß ich in einem der Demenzheime zusammen in einer Tischrunde bei den schwereren Fällen. Ich hatte Süßigkeiten mitgebracht, weil ich gemerkt hab, die naschen sehr gern. Und dann hat der eine Mann immer aus den Schokoladenstäbchen kleine Bauwerke konstruiert. Ich hab ihn gefragt, was er früher beruflich gemacht hat. Er war Bauingenieur! Irgendwie bleiben Reste von dem bisherigen Leben auch bei noch so fortgeschrittener Krankheit bestehen.

Hartmut versucht, die Krankheit zu besiegen, indem er seiner Frau eine vergangene Welt erschafft, an die sie sich noch erinnern kann. Glauben Sie, dass das im echten Leben funktionieren könnte?

Nein, ich glaube, dass das eine Illusion von Hartmut ist. Ein Hoffnungsschimmer, den er hat. Aber vom Ansatz her stimmt es schon: Ich habe bei der Vorbereitung auf die Rolle ein Buch gelesen, in dem es darum geht, wie wichtig es ist, dass man mit Demenzkranken auf der Gefühlsebene kommuniziert. Also nicht versucht, ihr Verhalten rational zu bewerten. Dass man sie ernst nimmt in ihren Gefühlen und ihr Handeln nicht immer so persönlich nimmt. Oder ungeduldig wird, wenn sie fünfmal dasselbe fragen. Bei Kindern hat man da ja auch Verständnis. Ich bedauere, dass ich das nicht früher wusste, denn meine Mutter war in den letzten Jahren auch dement. Mit dem Wissen im Hinterkopf wäre ich sicher noch mal einmal anders mit ihrer Krankheit umgegangen.

Hartmut bemüht sich darum, doch naturgemäß stößt er an seine Grenzen. Wenn sie ihn anschaut und sagt: „Wer sind Sie? Sie alter, faltiger Mann!“, findet er das etwa gar nicht mehr so lustig.

Ja!(Lacht.) Die Szene finde ich besonders bös, doch genau das gefällt mir. Mir gefällt, dass das nicht so weichgespült ist, das Ganze. Ich mag schöngefärbte Filme generell nicht. Gerade, wenn es um realistische Themen gibt, mag ich viel lieber ein offenes oder ein schlechtes Ende als immer dieses Happy End. Viele Fernsehmacher behaupten, das tröste die Leute. Ich glaube ja eher, dass es die Zuschauer deprimiert. Die denken: Nur bei mir funktioniert’s nicht und alle anderen sind glücklich.

Im Demenzheim war im wahren Leben vermutlich auch nicht immer nur heiter Sonnenschein?

Nein, da gab es schon ganz schwere Fälle. Ein Mann lief immer mit einem Fahrradhelm herum. Immer auf und ab. Eine Frau las ein Buch, das sie verkehrtherum hielt. Das hab ich im Film dann auch gemacht. Ich weiß nicht, ob man es sieht. Und dann hab ich mich mit einer älteren Dame, die sehr fein war, so ein bissel angefreundet. Als es Essen gab, wollte die mich immer füttern. Ganz rührende Geschichten sind das. Die erzählte mir, dass sie Mozartkugeln so liebt. Beim nächsten Mal habe ich ihr welche mitgebracht. Da hatte sie das schon längst wieder vergessen.

Bekommt man bei solchen Begegnungen auch ein bisschen Angst davor, eines Tages selbst an Demenz zu erkranken?

Ach, die würde ich auch bekommen, wenn ich nicht in den Heimen gewesen wäre. Ich habe einmal eine Nachbarin betreut, die allmählich dement wurde, der ich auch am Anfang alles geglaubt habe – alle Fantasiegestalten! Ich habe erst viel später gemerkt, dass das ihre Demenz war. Ich bin sowieso der Meinung, dass man sich den Sachen immer stellen muss. Ich denke auch sehr oft ans Sterben. Ich kann das gar nicht verdrängen. Ich bin schon als Kind bei alten Tanten gesessen und hab gelauscht, wie sie über ihre Krankheiten gejammert haben. Mich interessiert das richtig, was es alles gibt! (Lacht.) Ich bin einfach kein Mensch, der gut verdrängen kann. Irgendwann passiert’s sowieso.

Würden Sie denn, wenn Sie könnten, die Zeit zurückdrehen?

Ja, ich würde mich gerne noch mal als 18-Jährige beobachten. Und sehen, was ich da so getrieben hab. Denn ich hab komischerweise gar nicht so viele Erinnerungen an so manche Episoden.

Haben Sie nie Tagebuch geschrieben?

Nee, ich hab immer eins gekauft und dann hab ich nie reingeschrieben. Oder schuldbewusst nach zwei Wochen, wenn ich schon gar nicht mehr wusste, was passiert war. Nur wenn ich ganz unglücklich war, dann habe ich mich ausgeweint im Tagebuch. Und als ich schwanger wurde, habe ich alle Liebesbriefe anderer Männer von früher verbrannt.

Warum?

Ja, ich ärgere mich heute zutiefst! Weil ich dachte, jetzt muss ich so reinen Tisch machen, jetzt bin ich verheiratet, hab ein Kind. Aber eigentlich finde ich es heute dumm. Ganz schade. Tja, so blöd ist man manchmal. (Lacht.)

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